Wien. (apa/art) Peter Schöttel sieht Gläser lieber halb voll als halb leer. Er freue sich über eine "richtig schöne Konstellation" und auf ein "schönes Spiel, bei dem wir sehr viel gewinnen können", sagt der Rapid-Trainer vor dem Bundesliga-Gipfeltreffen gegen Tabellenführer Salzburg am Sonntag (16 Uhr) in Wien. Dass Spiele, denen man vorentscheidenden Charakter nachsagt, nicht immer die ansehnlichsten sein müssen, erwähnt er nicht, ebenso wenig die Tatsache, dass seine Mannschaft wohl noch mehr verlieren als gewinnen kann.

Denn bei einer Niederlage wäre die österreichische Meisterschaft wohl nach der 33. Runde praktisch entschieden, haben die Salzburger doch derzeit drei Punkte Vorsprung und die um drei Treffer bessere Tordifferenz als ihr Verfolger Rapid. Doch von einer Heimniederlage will bei den Grün-Weißen ohnehin niemand etwas wissen, "wenn wir ernsthaft um den Titel mitspielen wollen, müssen wir unbedingt drei Punkte holen", sagt Schöttel. "Wir werden von Anfang an aggressiv auftreten, damit wir auch die Zuschauer gleich mitnehmen können." Das ist zuletzt ganz gut gelungen, nach den zwischenzeitlichen Turbulenzen im Herbst ist die Stimmung auch bei den Rapid-Fans wieder gut.
Das Spitzenspiel im Hanappi-Stadion ist seit Wochen ausverkauft, vor eigenem Publikum haben die Hütteldorfer in dieser Saison noch keine einzige Partie verloren. Die jüngste Heimniederlage datiert vom 1. Mai 2011 - der Gegner damals hieß Salzburg. Auf der anderen Seite kommt auch die Mannschaft von Trainer Ricardo Moniz ungeachtet der wenig berauschenden Leistung im Cup-Semifinale gegen Hartberg mit viel Selbstvertrauen nach Wien. Die Salzburger stellen die beste Frühjahrsmannschaft und haben auswärts zuletzt im November verloren - mit 2:4 bei Rapid.
"Tolle Offensivspieler"
Die Konstellation birgt also tatsächlich einiges an Spannung, den entscheidenden Unterschied beschreibt Steffen Hofmann so: "Wir wollen den Titel holen, Salzburg muss." Doch trotz der Ausgangslage will Moniz der Partie keinen meisterschaftsentscheidenden Charakter zuschreiben, er meint: "Die Entscheidung fällt nicht in Runde 33 in Wien - egal bei welchem Ausgang. Wir können einen Schritt zum Titel machen, nicht mehr und nicht weniger. Moniz konnte sich zuletzt vor allem auf die Tore von Jakob Jantscher verlassen, dennoch warnt Schöttel davor, sich nur auf ihn zu konzentrieren. "Salzburg hat viele tolle Offensivspieler." Wie man diese in den Griff bekomme, werde ein entscheidender Faktor sein, ebenso das Verhalten bei Standardsituationen, sagt der Trainer der Wiener. Denn ein unglückliches Tor könnte die Ambitionen seiner Mannschaft schnell im Keim ersticken. "Bei einem Unentschieden geht viel in Richtung Salzburg, bei einer Niederlage ist die Sache praktisch durch." Und dann könnte das Glas ganz schnell leer sein.
"Ich habe immer gesagt: ,Nimm mir alles, aber nicht den Ball‘", meinte Marko Arnautovic unlängst anlässlich seiner Suspendierung bei Werder...
weiter