Salzburg. Vergessen sind Schimpf und Schande, vergessen sind die monatelangen Trainerdiskussionen. Red Bull Salzburg kann am Donnerstag (18.30 Uhr/live Sky) gegen das abgeschlagene Schlusslicht Kapfenberg mit einem Sieg den Meistertitel praktisch, bei einem Punktverlust Rapids in Mattersburg (20.30 Uhr/live ORFeins) auch theoretisch fixieren.
Das sorgt in Salzburg für gute Stimmung, ein Zustand, der in dieser Saison trotz dem wohl erfolgreichen Finish Mangelware war. Die "Salzburger Nachrichten" rufen sogar schon den "Fan-Ansturm auf Bullen-Arena" aus, erwartet werden 15.000 Zuschauer, das Stadion sollte also zumindest halbvoll sein. Damit wäre schon eine der Baustellen, die die Salzburger die ganze Saison begleitet haben, nämlich rückläufige Zuschauerzahlen, fürs Erste behoben. Die sportlichen Diskussionen sind schon länger verstummt, mit einem soliden Saisonfinish dürfte Red Bull seinem Anspruch als Liga-Krösus doch noch gerecht werden und als mit Abstand beste Rückrundenmannschaft den Meistertitel souverän einfahren. Das Jahr eins nach dem vermeintlichen Philosophiewechsel in Salzburg könnte mit dem Einzug in die erste K.o.-Runde der Europa League, dem Meistertitel und dem möglichen Cupsieg im Finale am 20. Mai gegen Ried also ziemlich erfolgreich zu Ende gehen.
Zur Erinnerung: Bei der Vertragsverlängerung von Cheftrainer Ricardo Moniz vor gut einem Jahr hatte der damalige Sportdirektor Heinz Hochhauser angekündigt, dass Salzburg fortan die erste Adresse für junge Österreicher werden soll und dafür im Gegenzug die Erwartungen heruntergeschraubt werden. "Ich nehme den Trainern hiermit den Champions-League-Rucksack ab", sagte Hochhauser genauso wie: "Wir wollen Meister werden. Aber wenn es einmal nicht passiert, dann geht die Welt auch nicht unter." An diesen Ansprüchen gemessen war es eine hochgradig erfolgreiche Saison. Das mit den jungen Österreichern funktioniert freilich noch nicht ganz.
Denn die Mannschaft wird nach wie vor von Legionären und routinierten Österreichern getragen. Einzig Stefan Hierländer, Georg Teigl und Martin Hinteregger sind 21 Jahre alt oder jünger und kamen regelmäßig zum Einsatz. Hierländer und Teigl kamen allerdings vielfach von der Bank. Hinteregger stieg zwischenzeitlich sogar zum Kapitän auf, kam nach einer disziplinären Verfehlung im starken Meisterschaftsfinish aber kaum mehr zum Einsatz. Und Jakob Jantscher, der in seinem zweiten Jahr in Salzburg zur tragenden Figur im Spiel wurde, ist mit seinen 23 Jahren und 128 Bundesliga-Spielen in den Beinen fußballerisch nicht mehr jung.
Deshalb wurde die Philosophie intern präzisiert, ab der kommenden Saison soll sich der Kader nach der Formel 8-8-8 zusammensetzen. Neben acht Legionären sollen acht arrivierte Österreicher und acht Spieler aus der eigenen Akademie im Kader stehen. "Das ist ein geplantes Szenario, das idealerweise erreicht werden soll", sagt Trainer Moniz. Allerdings haben schon jetzt neun Legionäre für die kommende Saison gültige Verträge. An Moniz wird es liegen, die Mannschaft umzugestalten. Zunächst darf er aber vielleicht schon am Donnerstag seinen ersten Meistertitel als Cheftrainer feiern.
Das ist, gemessen daran, wie oft er in dieser Saison schon aus dem Amt geschrieben wurde, erstaunlich. Doch auch nach den peinlichsten Leistungen stellte er sich stets vor seine Mannschaft und sprach von "positivem Denken". Nun sagt er vor dem Spiel gegen Kapfenberg: "Ich habe nichts geschafft, die Mannschaft hat das geschafft. Ich spiele nicht mit."
Eines muss man Bernie Ecclestone lassen: Der Mann leidet nicht unter mangelndem Selbstbewusstsein. Dass er trotz eines drohenden Prozesses wegen des...
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