München. Um 23.29 Uhr fiel Wolff-Christoph Fuss nichts mehr ein, als dieser lapidare Satz: "Drogba trifft, der FC Chelsea ist Champions-League-Sieger 2012." Dann schwieg der Kommentator von Sat 1 für eine gefühlte Ewigkeit. Die Bilder sprechen lassen, sagt man wohl dazu. Der weinende Schweinsteiger, der tröstende Lahm, das Häufchen Robben, und ein jubelnder Haufen aus Chelsea-Spielern. Große Momente, die fast 19 Millionen Menschen auf Sat 1 verfolgten, der Marktanteil lag bei mehr als 70 Prozent. Nie zuvor hatten mehr Menschen Sat 1 aufgedreht als an diesem Samstagabend.

Der Sender wird diese Zahlen als einen Erfolg bezeichnen, als krönenden Höhepunkt seines Fußballengagements, das mit dem Finale in München auch mehr oder weniger zu Ende gegangen ist. Denn ab kommender Saison darf das ZDF die Champions League in Deutschland übertragen, die dem Sender wohl an die 60 Millionen Euro jedes Jahr kosten dürfte. Doch einmal noch hat Sat 1 zeigen dürfen, wie der Sender den Fußball versteht. Und in vielen, quälenden Stunden bewies er, dass es sich um ein großes Missverständnis handelt.
Schon um 11.30 Uhr, rund neun Stunden vor dem Anpfiff, begann Sat 1 mit dem sogenannten Vorlauf. Vergleichbares hat es noch nicht gegeben, und eine Nachahmung wird nicht empfohlen. Zu Beginn wärmt sich Sat 1 mit der Liveübertragung eines Spiels alternder Stars auf, zwischendurch wird live zu Reporter Jörg Dahlmann geschaltet, der vor dem Hotel der Bayern Position bezogen hat. Denn dort tut sich gerade etwas: Franck Ribéry trinkt auf der Terrasse mit seiner Familie einen Kaffee. Sat 1 ist live dabei.
Danach übernimmt auch schon Moderator Matthias Killing, der die nächsten, fünf, sechs Stunden bestreiten sollte. Sein Name war Sat 1 offenbar Programm, denn es ging um nichts anderes, als die Zeit bis zum Anpfiff totzuschlagen. Auf redaktionelle Beiträge, Interviews mit Spielern, Geschichten rund um das Spiel und die Vereine und auf Reportagen verzichtete der Sender zur Gänze. Killing spricht mit anderen Moderatoren, Kommentatoren, dabei wird er unterstützt vom leicht nervenden Komiker Matze Knop, der offenbar mindestens einmal pro Stunde Franz Beckenbauer imitieren muss.

Dazwischen wieder Dahlmann. Live. Er ist bemüht, aber nichts tut sich. Ribéry ist weg und Dahlmann darf nicht hinein ins Hotel. "Hinter diesen Fenstern", sagt er, und bittet den Kameramann seinem Zeigefinger zu folgen, "hinter diesen Fenstern hat die Mannschaft vor Kurzem gegessen." Der Sender hat an diesem Tag natürlich auch ein Gewinnspiel ausgelobt, gefragt wird nach dem Trainer von Chelsea. Zur Wahl stehen "Di Matteo" sowie "Der Loddar". Wer auf solche Fragen antwortet, verliert nicht nur ein paar Euro, die jeder Anruf kostet, sondern auch seine Würde.
Eines muss man Bernie Ecclestone lassen: Der Mann leidet nicht unter mangelndem Selbstbewusstsein. Dass er trotz eines drohenden Prozesses wegen des...
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