Seefeld. Das System hat Einzug gehalten im österreichischen Fußball-Nationalteam. Diese Erkenntnis liegt bei der ersten langen Teamzusammenkunft in der Amtszeit von Marcel Koller offen da. Der für die Öffentlichkeit sichtbare erste Höhepunkt dieser knapp zweiwöchigen Zusammenkunft ist das Duell mit EM-Gastgeber Ukraine am Freitag (20.30 Uhr/live ORFeins) in Innsbruck.

Ist Marcel Koller bei seinem Systematisierungsversuch erfolgreich, sollte das in diesem Spiel bereits erkennbar sein. Dabei ist System in diesem Fall weniger auf das Modewort Spielsystem bezogen, sondern betrifft eher das Drumherum, die Details. So umschwirrt das ÖFB-Team bei den Trainings mittlerweile eine ganze Armada von Betreuern, was freilich auch schon bei den ersten beiden Kurzlehrgängen so war. Nun werden auch Kleinigkeiten von Kollers Arbeit besser sichtbar.
Marc Janko etwa, der Teamkapitän, erzählte beim Philosophieren über seine Stürmerrolle von den Ergebnissen, die eine interne Analyse der kommenden Gegner in der WM-Qualifikation ergeben hätte. Dass die Mehrzahl der Tore aus dem Strafraum heraus erzielt werden, ist wenig überraschend. Doch dass dieser Tatsache im ÖFB-Team in Hinblick auf die Qualifikationsgegner mittels Analyse auf den Grund gegangen wird, grenzt mit Blick auf die Vergangenheit an eine kleine Sensation.
Dass Koller am Mittwoch aufgrund drohender Übermüdung seiner Spieler kurzfristig beide Trainingseinheiten strich und seinen Spielern zwei Tage vor dem Spiel eine Auszeit gönnte, ist ein ebenso bemerkenswertes Detail. Es ist in Kollers System aber nur folgerichtig, denn dort braucht es ausreichend Platz für Freiheiten, wie er immer wieder betont. Das gilt für die Spieler genauso wie für die Betreuer. So machte etwa Konditionstrainer Roger Spry am Donnerstag während der Trainingseinheit seinen täglichen, persönlichen Workout vor versammelter Kiebitzschar, und Co-Trainer Thomas Janeschitz hatte seine Freude daran, beim Flankentraining seine Stürmerqualitäten wiederzuentdecken und den Ball mittels Seitfallzieher an die Latte zu hämmern.
Die WM im Hinterkopf
Für einen Einsatz kommt er trotzdem nicht in Frage, Koller hat ausreichend Alternativen. Außerdem ist der Schweizer Realist genug, zu wissen, dass Ergebnisse erwartet werden, auch wenn seine Prioritäten in diesem Lehrgang vielleicht woanders liegen. "Wir wollen uns hier etwas für die Qualifikation erarbeiten", sagt Koller, "aber wir wissen alle, dass das Ergebnis immer im Vordergrund steht." Deshalb könnte der Teamchef beim richtigen Ergebnis auch einer schlechten Leistung etwas abgewinnen. "Im Fußball geht es um das Selbstvertrauen. Darum ist es auch gut, vielleicht einmal schlecht zu spielen und trotzdem zu gewinnen."
"Ich habe immer gesagt: ,Nimm mir alles, aber nicht den Ball‘", meinte Marko Arnautovic unlängst anlässlich seiner Suspendierung bei Werder...
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