Donezk. Es sollte alles anders werden als vor zwei Jahren bei der WM in Südafrika. Und vor dem Duell mit Gastgeber Ukraine am Freitag (18 Uhr) in Donezk ist auch das meiste anders als damals in Südafrika, als selbst Staatspräsident Nicolas Sarkozy sein Unbehagen über das Verhalten der Équipe Tricolore ausdrückte und das Sportministerium Untersuchungen aufnahm.

Die Mannschaft hatte gegen den phasenweise selbstherrlichen Teamchef Raymond Domenech revoltiert und dabei ihrerseits vor lauter persönlichen Eitelkeiten auf die Grundregeln des Anstands vergessen. Herauskam ein auch in sportlicher Hinsicht peinlicher Auftritt, Frankreich schied mit einem Punkt und einem Tor bereits in der Vorrunde aus, die Aufarbeitung des Skandals beschäftigte die französische Fußballöffentlichkeit für Monate.
Seither hat sich vieles getan, mittlerweile ist Laurent Blanc Teamchef, mit Frankreichs goldener Generation 1998 und 2000 selbst Welt- und Europameister. Ihm ist die Selbstherrlichkeit Domenechs fremd, er meidet die Öffentlichkeit eher, als er sie sucht. Das Durchschnittsteam von Girondins Bordeaux hatte er schon zum Meister und Pokalsieger gemacht, nun sollte er die Nationalmannschaft restaurieren. Blanc war erfolgreich, er verlor zwar die ersten beiden Spiele seiner Amtszeit, seither blieb Frankreich aber inklusive des Turnierauftakts gegen England in 22 Spielen ungeschlagen. Er formte aus dem Team einen heimlichen EM-Favoriten. Das Beiwort heimlich blieb den Franzosen zwar auch nach dem 1:1 gegen England, aber immerhin konnte man sich ärgern, als besseres Team remisiert zu haben. Es hat also fast den Anschein, als könnten die Franzosen die Blamage von 2010 vergessen.
Wäre da nicht der Torjubel von Samir Nasri nach dem Ausgleich gewesen. Nasri war nach seinem sehenswerten Treffer Richtung Pressetribüne gerannt, legte einen Finger auf den Mund und rief sinngemäß "Goschn halten". Der kleine Edeltechniker hatte sich vor der EM ungerecht behandelt gefühlt und machte seinem Ärger darüber Luft. Unter anderen Umständen wäre das eine kleine Eskapade eines divenhaften Kickers gewesen, doch in Frankreich rief die Aktion sofort Erinnerungen an 2010 wach, auch wenn die Vorfälle in keiner Weise vergleichbar sind.
Nach dem Spiel legte Nasri noch nach: "Es war vielleicht eine ungeschickte Antwort von mir. Ich lese die Presse auch nicht. Aber meine Mutter ist krank, und wenn sie liest, dass ihr Sohn ein Trottel ist, ist das heikel." Er richtete diese Worte direkt an "LÉquipe", Frankreichs Sportfibel.
Eines muss man Bernie Ecclestone lassen: Der Mann leidet nicht unter mangelndem Selbstbewusstsein. Dass er trotz eines drohenden Prozesses wegen des...
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