• vom 18.06.2012, 18:03 Uhr

Fußball

Update: 19.06.2012, 16:04 Uhr
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Die Stimmung in Englands Team ist gut wie schon lange nicht

Endlich runter aufs Feld


Von Matthias Nagl

  • Auch ohne Rooney überzeugte England zumindest im Ansatz - das gibt Hoffnung.

Krakau. Wayne Rooney gehört auf den Platz. Das bewies er auch beim 3:2-Sieg der Engländer am Freitag gegen Schweden, das letzte Spiel dieser EM, das er aufgrund einer Sperre von der Tribüne aus verfolgen musste. Dort fingen ihn die Fernsehkameras kurz nach dem Torjubel seiner Kollegen zum 1:0 ein, so wie sie sonst Staatspräsidenten und Verbandsfunktionäre einfangen.

Auf der Tribüne wurde Wayne Rooney bei dieser EM bisher nicht glücklich.

Auf der Tribüne wurde Wayne Rooney bei dieser EM bisher nicht glücklich.© EPA Auf der Tribüne wurde Wayne Rooney bei dieser EM bisher nicht glücklich.© EPA

Doch Rooney passte nicht in dieses Bild. In seinem Trainingsanzug quittierte er Englands Führung mit einem verlegenen Lächeln und am Rücken verschränkten Armen. So jubelt kein Wayne Rooney, Wayne Rooney jubelt auf dem Platz. Am Dienstag (20.45 Uhr), beim letzten Gruppenspiel der Engländer gegen Gastgeber Ukraine in Kiew, hat er erstmals Gelegenheit dazu. Vor der EM war davon auszugehen, dass mit Rooney in diesem Spiel die Hoffnung ins englische Team zurückkehrt, doch das ist nicht mehr nötig. Die Hoffnung ist spätestens am Freitagabend, beim 3:2-Sieg gegen Schweden zurückgekehrt. Rooneys Stellvertreter entzückten die englischen Fußballfans, wie es schon lange keine Nationalmannschaft vor ihnen mehr gemacht hatte.

Mit seinen 26 Jahren ist Rooney mittlerweile zweifelsfrei in einem Alter, in dem er seinen Wert in der Gegenwart beweisen muss. Nach dem Spiel gegen Schweden glauben zumindest die Engländer, dass ihnen auch vor der Zukunft nicht bange sein muss. Denn es ist nicht so, dass sie nicht schon lange auf den Durchbruch ihrer jungen Spieler warten. Doch dass ausgerechnet ein Trio von Unter-23-Jährigen das Team zum Sieg schießt, war dann doch mehr, als die englische Fußballöffentlichkeit zu hoffen gewagt hatte.

Potenzial wird den 23-jährigen Andy Carroll (1:0) und Theo Walcott (2:2) schon lange beschienen. Angesichts astronomischer Ablösesummen - Liverpool legte für Carroll 40 Millionen Euro hin, Walcott kostete schon als 16-Jähriger mehr als 10 Millionen Euro - konnten sie bisher aber praktisch nur enttäuschen. Dieses Gefühl kennen ihre älteren Teamkollegen aber nur zu gut, denn seit dem Halbfinaleinzug bei der Heim-EM 1996 war jedes große Turnier für England mehr oder weniger eine Enttäuschung.

Erwartungen steigen
Das ist seit dem Sieg gegen Schweden bei dieser Euro anders. Mit einem Unentschieden gegen Geheimfavorit Frankreich und einem Sieg gegen eine weitere ernstzunehmende Mannschaft gelang England erstmals seit langem der Start in ein Turnier - und das ohne Wayne Rooney, den besten Spieler im Kader. Kein Wunder, dass die Stimmung so gut wie lange nicht ist. Daran kann auch die Tatsache nichts ändern, dass das Spiel gegen Schweden phasenweise auch eine abenteuerliche Fehlpassorgie war. Ein Mitgrund mag auch sein, dass die Engländer aufgrund mehrerer Ausfälle und dem erst kurz vor dem Turnier bestellten Teamchef Roy Hodgson mit geringeren Erwartungen als in den letzten Jahren ins Turnier gingen.

Hodgsons Bestellung hat sich auch auf die Stimmung im Team positiv ausgewirkt. Sein Vorgänger, der Italiener Fabio Capello, hatte noch auf ein wesentlich strengeres disziplinäres Regime gesetzt. Auch die Sprachbarrieren fallen nun weg. "Sind wir relaxter als bei der WM? Ich würde schon sagen", meint Rooney, "jetzt verstehen wir alle, was der Trainer will." Die gute Stimmung wirkt sich offenbar direkt auf das Selbstvertrauen aus. Denn bei einem Versuch von Understatement rutschte Rooney ein Anflug von Größenwahn heraus: "Ich fühle mich gut und bin bereit. Aber ich kann die EM nicht alleine gewinnen", sagt er. Es gibt aber auch kaum jemanden, der glaubt, dass er das mit seinen Teamkollegen schaffen kann. Zunächst muss England gegen die Ukraine einmal den Aufstieg fixieren. Doch da kann Rooney immerhin mithelfen und muss sich nicht mehr ungelenk auf der Tribüne freuen.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-06-18 16:08:07
Letzte Änderung am 2012-06-19 16:04:54


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