Kiew. Sie waren am Boden zerstört. Nach der 2:3-Niederlage gegen England am Freitagabend ließen viele der rund 10.000 schwedischen Fans den Emotionen freien Lauf. Ihr Team hatte im Kiewer Olympiastadion das Spiel über weite Strecken dominiert und zahlreiche Chancen vorgefunden. Trotzdem stand nach dem späten Zaubertor von Danny Welbeck ein englischer Sieg und das vorzeitige Ausscheiden aus dem Turnier.

Vor dem Stadion sitzt ein einsamer Fan in eine schwedische Fahne gehüllt auf dem Gehsteig und kämpft mit den Tränen. Die ukrainischen Polizisten daneben schauen mitleidig auf ihn herab. Ein paar Ecken weiter wurde eine blau-gelbe Perücke in einem Müllcontainer entsorgt. Jonas plärrt seinen Frust über die ungenügende Leistung der "Blagult" in den Kiewer Nachthimmel. Der Fan aus Stockholm ist angefressen auf Zlatan Ibrahimovic und dessen Teamkollegen. "Wo war denn der vielzitierte Siegeswille? Ich habe nichts davon gesehen", sagt er und macht sich auf den Weg zurück ins Camp Sweden, das bereits zur Tradition gewordene Zeltlager der blau-gelben Fans bei großen Turnieren.
In Kiew haben die Schweden ihr Camp auf der Truchanow-Insel, inmitten des Dnepr, aufgeschlagen. Ihre riesige blau-gelbe Fahne am Ufer ist nicht nur von der anderen Seite, sondern sogar aus dem Flugzeug aus zu sehen. Rund 6000 Fans campieren hier, auf dem sandigen Untergrund des zentralen Naherholungsgebiets, nur 15 Gehminuten entfernt vom Unabhängigkeitsplatz. Zum Spartarif - pro Nacht und Nase zahlen sie rund 15 Euro. Voraussetzung ist eine Registrierung beim Fanklub des schwedischen Verbands. Den Checkpoint am Eingang darf nur passieren, wer ein blaues oder gelbes Band um das Handgelenk trägt.
Gefeiert wird trotzdem
Der Selbstversorgung sind jedoch keine Grenzen gesetzt. Auch wenn die Preise für Snacks und Getränke im Camp gerade für schwedische Verhältnisse sehr erträglich sind, wird das Bier palettenweise vom anderen Ufer, wo die goldenen Kuppeln der Kirchen des historischen Stadtteils Podil in der Sonne glänzen, über die Fußgängerbrücke auf die Insel geschleppt. "Zur Kühlung graben wir es einen Meter tief im Boden ein", erzählt Peter aus Uppsala. Und schon wird der neugierige Journalist eingeladen, sich von der Effektivität der Methode zu überzeugen.
Vor dem Match gegen England war die Stimmung im Camp trotz des drohenden Vorrundenaus blendend. Die Fans der "Blagult" spielten Fußball im Sand, suchten Abkühlung im nicht gerade sauberen Wasser des Dnepr und bemalten ihre Gesichter in den Landesfarben. Die meisten Camper sind zwischen 20 und 30, es finden sind aber auch ältere Semester darunter. Bo ist 57 und mit seinem Sohn und dessen Freunden zur EM geflogen. Er genieße die lockere Atmosphäre hier, meint der Malmöer, nur die spontanen DJ-Sets aus den Nachbarzelten um vier Uhr Früh seien seine Sache nicht.
"Ich habe immer gesagt: ,Nimm mir alles, aber nicht den Ball‘", meinte Marko Arnautovic unlängst anlässlich seiner Suspendierung bei Werder...
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