Charkiw. (man) Endlich, endlich, endlich. Endlich hat Cristiano Ronaldo wieder einmal bewiesen, auch für die portugiesische Nationalmannschaft in entscheidenden Spielen treffen zu können. War der portugiesische Kapitän in den ersten beiden Gruppenspielen gegen Deutschland und Dänemark noch als Chancenvernebler aufgetreten, entschied er die Partie gegen die Niederlande (2:1) am Sonntag praktisch im Alleingang und schoss seine Nationalmannschaft so ins Viertelfinale gegen Tschechien am Donnerstag (20.45 Uhr) in Warschau.

Das war aber bei weitem nicht alles, Ronaldo war an fast allen guten Aktionen der Portugiesen beteiligt und hätte weitaus mehr Tore machen können. Damit erfüllte er wieder einmal die Erwartungen der Portugiesen, die von Ronaldo angesichts seiner Leistungen im Dress von Real Madrid praktisch immer Außergewöhnliches verlangen. So war es auch vor dieser Euro, schließlich hatte Ronaldo für Real Madrid in dieser Saison 60 Tore erzielt.
Im Nationalteam ist der 27-Jährige nicht nur an Toren gemessen weit weniger erfolgreich. Die Treffer gegen die Niederlande waren im 93. Länderspiel seine Treffer Nummer 33 und 34. Gemessen an den Statistiken für seine Klubs ist das nach Ansicht vieler Portugiesen fast schon enttäuschend, ebenso wie seine Leistungen bei großen Turnieren. Erstmals seit der Heim-EM 2004, als sich Ronaldo als 19-jähriger Jungstar erst im Laufe des Turniers seinen Stammplatz sicherte und am Finaleinzug Portugals maßgeblichen Anteil hatte, schoss er nun gegen die Niederlande bei einem großen Turnier wieder entscheidende Tore.
Konzentration auf Tschechien
Vor zwei Jahren etwa, bei der WM in Südafrika, erzielte Ronaldo lediglich beim 7:0-Sieg über Nordkorea das bedeutungslose 6:0 und enttäuschte vor allem gegen Mitfavorit Brasilien und bei der Achtelfinalniederlage gegen den späteren Weltmeister Spanien. Die Leistung am Sonntag anerkannte auch der Gegner. "Ronaldo hat an diesem Abend alles gemacht. Er ist zuletzt in der Kritik gestanden und hat eindrucksvoll gezeigt, wie schnell sich Dinge im Fußball wieder ändern können", sagte der niederländische Teamchef Bert van Marwijk.
Ronaldo war verständlicherweise sehr glücklich, die Tore widmete er seinem Sohn, der ausgerechnet am Matchtag seinen zweiten Geburtstag feierte. "Junior, Pai te ama. Parabéns" (Junior, Papa liebt dich. Glückwunsch) stand auf dem roten Unterhemd, das Portugals Kapitän den TV-Kameras und 37.445 Zuschauern im Metalist-Stadion stolz präsentierte. "Unser Ziel war, die Gruppenphase zu überstehen, das haben wir geschafft. Jetzt ist alles möglich", sagte der 27-Jährige. Gegen Tschechien, den Sieger der Gruppe A, stehe allerdings eine extrem schwierige Partie bevor. "Wir haben größten Respekt, die Chancen stehen 50:50", blickte Ronaldo bereits voraus. Gesprächsbereit war er übrigens nur im Fernsehen. In der Mixed-Zone rauschten Ronaldo und Co. wortlos an den wartenden Journalisten vorbei, die den Superstar zuletzt heftigst kritisiert hatten.
Portugals Teamchef Paulo Bento verzichtete am Sonntag auf Lobeshymnen für Ronaldo und hob stattdessen die starke Mannschaftsleistung hervor. "In manchen Spielen ist die individuelle Leistung Einzelner mehr entscheidend, in anderen weniger. Das ganze Team hat unseren Plan und unsere Ideen hervorragend umgesetzt", sagte Bento. "Ich bin stolz auf das, was wir als Mannschaft geleistet haben. Wir haben uns in der schwersten Gruppe durchgesetzt und unser erstes Ziel erreicht."
Eine geschlossene Mannschaftsleistung soll auch gegen Tschechien den Erfolg bringen. "Wir wollen ins Halbfinale, aber gegen Tschechien sind wir kein Favorit", wies Bento die Favoritenrolle für das erste K.o.-Spiel zurück. "Die Tschechen haben auch bewiesen, dass sie Rückstände wegstecken und Spiele drehen können", ergänzte Portugals Trainer. Sie können allerdings nicht auf Geniestreiche eines Spielers wie Cristiano Ronaldo hoffen.
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