Danzig. (sir) Was ist die Weltpolitik gegen ein Viertelfinale der Fußball-EM? Die Welt kann warten oder muss sich eben sputen. Der G8-Gipfel in Camp David war unterbrochen worden, damit sich die Regierungschefs aus Deutschland und Großbritannien, Angela Merkel und David Cameron, das Endspiel in der Champions League anschauen konnten. Nun wurde ein Vierertreffen von Merkel, Italiens Premier Mario Monti, Frankreichs François Hollande und Mariano Rajoy aus Spanien in Rom extra vorverlegt, damit die deutsche Kanzlerin nach Danzig jetten kann. Möglich, dass sie in Rom auf Nadeln sitzen wird.

Denn Merkel ist Fan der deutschen Nationalmannschaft, "Edelfan", wie sie Mittelfeldspieler Sami Khedira nennt. "Und wir sind auch ein Fan von ihr. Sie scheint Glück zu bringen. Das hat sie schon ein paar Mal bewiesen", sagt Khedira. Die Teilnahme Merkels am Viertelfinale gegen Griechenland (20.45 Uhr) hing wegen des Vierertreffens in der Schwebe. Als am Mittwoch die Bestätigung kam, war das fast allen deutschen Medien eigene Berichte wert, gerade so, als wäre Merkel der ersehnte linke Außendecker, der nach Verletzung wieder zurückkehrt.
Den Linksaußen muss aber weiterhin Philipp Lahm geben, rechts dürfte Jérôme Boateng nach Verbüßung seiner Sperre wieder für Lars Bender spielen. Für Teamchef Joachim Löw gibt es nach drei Siegen in der Vorrunde wenige Gründe, an seiner Elf herumzubasteln. Drei mögliche Gründe sind Mario Götze, André Schürrle und Marco Reus. Die Aufstellung auch nur von einem aus diesem Trio wäre zwar eine Überraschung, aber genau das könnte Löw beim Duell mit Griechenland auch im Kopf haben.
Als klarer Außenseiter wird Griechenland sein Spiel auf jenes der Deutschen abstimmen und recht tief stehen, bemüht sein, die Räume eng zu machen und vermutlich eine defensiv orientierte Dreierkette ins Mittelfeld stellen. Das wird womöglich nicht schön anzusehen sein, und es könnte für Deutschland ein Geduldsspiel werden, sich durch das blau-weiße Gestrüpp zu arbeiten.
Die Wahl der Waffen
Die "Süddeutsche" hat dazu den schönen Satz geschrieben: "Es ist das Recht des Schwächeren, die Waffen zu wählen, und es ist die Pflicht des Stärkeren, die Wahl dieser Waffen nicht übelzunehmen." Also keine Beschwerde über das erwartet reaktives Spiel der Griechen, Gegenmaßnahmen sind freilich erlaubt. Und eine solche könnte die Hereinnahme eines schnellen, dribbelstarken Spielers wie Mario Götze sein.
Auch der Einsatz des beweglichen Miroslav Klose ist ein Thema, da Mario Gómez gegen die ebenfalls defensiven Dänen kaum zur Geltung kam. Und vielleicht denkt Löw auch an das Finale der Champions League, als die Bayern auf Chelsea trafen, dieses den Strafraum mit eigenen Spielern verräumte und sich Gómez im Dickicht der Blauen verlor.
Das Selbstvertrauen ist bei den Deutschen nach drei Siegen hoch. "Uns in die Knie zwingen, das werden die Griechen definitiv nicht schaffen", sagt Khedira, der als größte Gefahr sieht, mit einem Auge bereits Richtung Halbfinale zu schielen. Auch Thomas Müller ist vom Weiterkommen überzeugt. "Wir haben einen Erfolgsgedanken im Team, darin kommt Ausscheiden nicht vor", sagt er.
Während die Deutschen komplett antreten können, muss der Außenseiter auf seinen Antreiber, Kapitän und Alleskönner Giorgos Karagounis verzichten, der trotz seiner 35 Jahre mit seiner Laufstärke beeindrucken konnte und gegen Russland das 1:0 erzielte. Die Kapitänsschleife wird deshalb Kostas Katsouranis übernehmen, der wie Karagounis beim EM-Titel 2004 dabei war. "In diesem Team opfert sich jeder für den anderen", sagt er. Diese Aufopferungsgabe ist das größte Asset der Griechen, vor ihr haben sogar die Deutschen Respekt. Sollte nicht einmal die Trümpfe auf der Bank stechen, dann ist zur Sicherheit ja noch die Glücksfee im Stadion.
London. David Alaba darf sich ab sofort Champions-League-Sieger nennen. Er spielte von Anfang an im Team des FC Bayern München...weiter
Man muss kein Austria-Fan sein, um die Austria 2012/13 (zumindest ein bisschen) zu bewundern. Sie hat sich endgültig von der Post-Stronach-Ära...
weiter