Wien. "Stell’ dir vor, die verlieren", sagt Udo Huber, Radiolegende und seit 2008 Präsident des Wiener Sportklubs. "Die" - das sind die Kicker von Red Bull Salzburg, vom Meister und Cupsieger. Und es sind die am besten bezahlten Fußballer in Österreich. "Jeder von denen verdient vermutlich mehr, als wir Budget haben", sagt Huber. Aber der ÖFB-Cup ist eben ein spezieller Bewerb. "Natürlich spekuliert man da ein bisschen und erwartet das Unerwartete."
Das Aufeinandertreffen der Salzburger mit dem Sportklub heute, Freitag, ist nicht einfach nur ein im Pokal übliches Duell zwischen einem Bundesliga-Klub und einem Regionalligisten, zwischen hoch bezahlten Profis und mehrheitlich Amateuren, es ist in diesem Fall ein Duell zweier komplett gegensätzlicher Vereine.
Der eine, Salzburg, hat dank Red Bull zwar nahezu unbegrenze finanzielle Möglichkeiten, dafür fehlt es dem Verein an ideellen Werten wie Tradition, Geschichte und Leidenschaft. Der Sportklub hat wiederum nur noch seine Historie, seit Jahrzehnten ist er chronisch finanziell unterversorgt. Und dass im Stadion an der Alszeile die in den 1980ern erbaute Sitztribüne wie ein Fremdkörper wirkt, der so ganz und gar nicht zu diesem Klub passt, illustriert, dass Partien des Sportklubs eher ein anachronistisch-nostalgisches Vergnügen bieten.
"Kult gegen Kohle", nennt Udo Huber das Duell, das live im Fernsehen (20.30 Uhr/ORF sport +) zu sehen sein wird. Das hat es in Dornbach auch schon lange nicht mehr gegeben. "Da wird schon ein Hauch Bundesliga im Stadion zu spüren sein", sagt Trainer Franz Maresch. Dass, wie er sagt, "99 Prozent" gegen seine Mannschaft spricht, "ist uns wurscht." Maresch erinnert an seine Zeit als Columbia-Trainer, als der kleine Verein aus Wien-Floridsdorf den Londoner Edelklub Arsenal in einem Testspiel forderte. "Und auf einmal haben wir 1:0 geführt." Im Fußball ist das Unerwartete eben immer eine Option. Auch wenn Columbia letztlich 1:7 verlor.
Debüt für Salzburg-Coach
Für den Sportklub bedeutet die Cup-Partie viel organisatorischen Aufwand. "Aber das ist schon okay", sagt Huber. Viel mehr als bei früheren Derbys in der Ostliga gegen die Vienna, als auch meist an die 5000 Fans kamen, ist vor diesem Match auch nicht zu beachten. "Wir haben halt den VIP-Klub ein wenig vergrößert und die Buffets hergerichtet, damit die Salzburger nicht zu entsetzt sind", sagt Huber.
Für den Titelverteidiger ist diese Partie auch nicht eine wie jede, es ist die erste unter dem neuen Trainer Roger Schmidt und dem neuen Sportdirektor Ralf Rangnick. "Wir haben den Sportklub so analysiert wie einen Gegner in der Meisterschaft oder im Europacup", erklärt Schmidt und verspricht eine "Top-Einstellung" seiner Spieler.
Dem Sportklub bietet der Cup samt Live-Übertragung die Chance, sich nach Jahren wieder einer breiteren Öffentlichkeit zu präsentieren. "Dann können die Leute sehen, welch tolles Publikum wir haben", sagt Huber. Auch ein Transparent wird der Verein aufhängen: "Rettet den Sportklub-Platz". Denn der älteste noch bespielte Fußballplatz in Österreich ist kurz davor, das Zeitliche zu segnen. "Aber so schlimm ist es auch nicht. Mit der Statik ist alles in Ordnung, es regnet halt bei ein paar Stellen durch", sagt Huber. Gespräche mit der Stadt über eine Renovierung sind gerade wieder an den Start zurückgeworfen worden. Das Match gegen Salzburg könnte leichter zu gewinnen sein als jenes um die Renovierung.
Der Fußball ist ungerecht. Ungerecht, weil Benfica als (zumindest über weite Phasen) spielstärkere Mannschaft das Finale der Europa League mit 1:2...
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