Wien. Man stelle sich vor, eine Fußball-Mannschaft macht das Spiel, aber keine Tore. Die andere hingegen hat wenig Ballbesitz, kontert und macht die Tore. Eine der beiden Mannschaften ist Österreich. Nein, die zweite.
Sachen gibt's. Aber seit ein Schweizer beim ÖFB-Team den Ton angibt, ist eben vieles nicht mehr typisch Österreich. Etwa ein Tor in der zweiten Minute oder eine 2:0-Führung nach nicht einmal sechs Minuten oder ein zu-Null-Sieg oder ein Erfolg über die Türkei, was schon länger nicht mehr der Fall war. All das geschah an nur einem Abend im Wiener Ernst-Happel-Stadion.
Blitzstart
Der Reihe nach: Österreich ohne Paul Scharner, der sich vor dem Spiel selbst ausgebootet hatte, erwischte die Türken auf dem falschen Fuß. Aggressives Pressing ermöglichte die erste Torchance durch Andreas Ivanschitz in der ersten Minute. Und nur wenige Sekunden später stand es schon 1:0.

Auf einen Rückpass folgte ein arg verunglückter Abschlag des türkischen Goalies Fehmi Mert Günök. Veli Kavlak nahm das Geschenk an, überhob den Schlussmann sehenswert. Nicht viel später: Solospitze Martin Harnik wird im Strafraum vom unglücklichen türkischen Torhüter gelegt: Gelb und Elfmeter. Den durfte Ivanschitz zum 2:0 verwerten. Keine sechs Minuten waren zu diesem Zeitpunkt gespielt, die Höhepunkte - zumindest aus österreichischer Sicht - sind schon erzählt, aber das Spiel dauerte ja noch ein Weilchen.
Die Türken erfingen sich relativ schnell von dem frühen Rückstand, machten in der Folge das Spiel, große Torchancen blieben aber Mangelware. Allein ein Altitop-Fernschuss (19.) fiel einigermaßen gefährlich aus - Almer parierte. Wenn Österreich im Angriff war, dann wurde nicht lange gefackelt. Schnell nach vorne mit wenigen Passes. Das gefiel. Auch wenn der vorderste Mann, weil im Abseits, öfters mal zurückgepfiffen werden musste.
In der zweiten Halbzeit konnte Österreich das von Marcel Koller geforderte Pressing nicht mehr so gut umsetzen. Die Türkei machte weiterhin das Spiel. In Minute 51 war es erneut Altintop, der Almer prüfte. In Minute 66 spielte Tunay sehenswert Almer aus, verfehlte das Tor nur hauchdünn aus spitzem Winkel.
Nicht viel weiter am Tor vorbei ging auf der anderen Seite ein Schuss von Suttner, der überraschend in der Verteidigung aufgeboten wurde, (68.) aus dem Strafraum. In Minute 85 hätte der eingewechselte Jakob Jantscher alles klar machen können. Nachdem lange Zeit nicht wirklich viel nach vorne passierte, ging der Schuss des Salzburgers aus dem Strafraum über Torhüter und Gehäuse. Kurz darauf köpfelte der ebenfalls eingetauschte Guido Burgstaller noch den Torhüter an.
Der Sieg war aber ohnehin schon gebucht. Der Test für den WM-Quali-Auftakt gegen Deutschland, das sich Argentinien am Mittwoch zu Hause mit 1:3 geschlagen geben musste, am 11. September in Wien - zumindest ergebnismäßig - geglückt. Der letzte österreichische Sieg gegen Deutschland liegt noch ein bisschen länger zurück (1986) als jener gegen die Türkei (1988). Aber wer weiß? Seit ein Schweizer beim ÖFB-Team den Ton angibt, ...
Österreich - Türkei 2:0 (2:0)
Wien, Ernst-Happel-Stadion, 23.500, SR Jan Valasek (SVK).
Tore: 1:0 (2.) Kavlak, 2:0 (6.) Ivanschitz (Foulelfmeter)
Österreich: Almer - Garics, Prödl, Pogatetz, Suttner -
Baumgartlinger (90. Pehlivan), Kavlak - Ivanschitz (62. Jantscher),
Junuzovic (72. Leitgeb), Fuchs (84. Burgstaller) - Harnik (72.
Okotie)
Türkei: Günök (46. Zengin) - Hamit Altintop, Kaya (63. Irtegün),
Erkin, Toprak - Inan (60. Topal), Belözoglu (60. Sahin) - Bulut,
Turan (46. Torun), Sararer - Yilmaz (46. Erdinc)
Gelbe Karten: Baumgartlinger, Prödl bzw. Günök
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