Saloniki. (sir) Der Begriff des Schlachtenbummlers ist ein wenig aus der Mode gekommen. Bisweilen fragt man sich, warum eigentlich? Beispielsweise beim Auswärtsmatch von Rapid bei Paok Saloniki im Play-off der Europa League. In der Stadt, vor dem Stadion, und dann, kurz vor Spielbeginn, auch drinnen, tobte, was mit dem Begriff der Schlacht gut beschrieben werden konnte.
Mit dem Spiel selbst hatte das nichts zu tun, das war ja noch nicht einmal angepfiffen worden, sehr wohl aber mit der Begegnung an sich. Die Ultras von Rapid verbindet eine Fanfreundschaft mit jenen von Panathinaikos, Stichwort: der Hass-Grieche. Paok Saloniki verbindet wiederum eine Fanfeindschaft mit dem Klub aus Athen, weshalb etwa bei direkten Duellen mit dem Hauptstadtklub in der Liga Auswärtsfans erst gar nichts ins Stadion hineindürfen.
Der Europacup gegen Rapid bot ideale Gelegenheit zur Stellvertreterschlacht. Fanbusse aus Österreich wurden bei der Ankunft attackiert, vor der Partie flogen dann aus dem Rapid-Sektor Feuerwerkskörper, woraufhin alle Dämme brachen. Hunderte Anhänger der Hausherren das Feld stürmten und bengalische Feuer und sogar Molotov-Cocktails in den Rapid-Sektor schmissen.
Überraschende Führung
Für ein paar Momente stand das Spiel auf der Kippe, doch offenbar wissen Schlachtenbummler genau, was geht, was nicht. Beim Anpfiff waren alle wieder auf ihren Plätzen und die Ausschreitungen nur noch ein Schrecken.
Dem Vorspiel entsprechend entwickelte sich dann auch das Spiel, in dem sich Paok als sehr stürmisch erwies. Die Außenverteidiger trabten stets nach vorne, vor allem über die rechte Seite der Griechen kam viel Druck, einige Corner waren die Folge.
Ein wenig spielte Paok so, wie es Rapid in einigen Partien in der Bundesliga gezeigt hatte, doch nur dann, wenn der Gegner unterlegen war. In dieser Partie war Rapid das unterlege Team, Paok war zunächst ballsicherer und präziser in den Aktionen.
Kaum war die erste Druckperiode vorbei, stand es plötzlich 1:0 für Rapid. Der hervorragende Muhammed Ildiz hatte sich in den Strafraum gedribbelt und zu Deni Alar, der statt Terrence Boyd stürmte, quergepasst. Alar hob den Ball geschickt an einem Verteidiger vorbei und traf zur Führung, die Rapid Sicherheit gab.
Dennoch war das 1:0 zur Pause sehr glücklich, auch weil Stefanos Athanasiadis alleine und nur vier Meter vor dem Tor stehend daneben schoss (45.). Erst nach dem Seitenwechsel brachte Trainer Georgios Donis dann die beiden EM-Viertelfinalisten Georgios Fotakis und Dimitrios Salpingidis, und Paok nahmen wieder Schwung auf. Athanasiadis traf in dieser starken Phase per Kopf die Latte (62.), vier Minuten später ging ein weiterer Kopfball dann via Innenstange ins Tor.
Rapid fand in der Offensive nicht mehr statt, konnte fast gar keine Konter setzen und ließ die Griechen auch viel zu leicht und zu schnell an die eigene Strafraumgrenze. Obwohl jung an Jahren agierte die Rapidmannschaft zwar nicht hektisch, doch Paok erwies sich einfach als bessere Elf, die schneller spielen als Rapid Rapid reagieren konnte.
Eine unnötige gelb-rote Karte des Rumänen Costin Lazar (74.) war für Rapid wie ein Geschenk. Das Tor aber machte Paok nach einer Flanke, die Markus Katzer zentral an den 16er abwehrte. Dort stand der aufgerückte Verteidiger Giorgos Katsikas, der abzog und zum 2:1 traf (83.). Paok hatte trotz Unterzahl riskiert und war belohnt worden. Das Auswärtstor gibt Rapid aber beim Rückspiel in einer Woche eine Chance. Wäre da nicht die 90-minütige Unterlegenheit gewesen, die Paok als klar besseres Team auswies.
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