Wien. Es ist schon ein wenig verwirrend. Da spielt Rapid im Europacup gegen Paok Saloniki, und die Polizei hat Sorge, dass Fans von Panathinaikos Athen und Partizan Belgrad in Wien aufeinandertreffen könnten. Auf den ersten Blick erschließt sich da der Zusammenhang nicht. Vielleicht nicht einmal auf den zweiten. Was haben diese Vereine mit dem Play-off in der Europa League zwischen Rapid und Paok zu tun?
Sehr viel, sagt wiederum die Logik der Rapid-Ultras, des größten und mächtigsten Fanverbunds in Hütteldorf. Seit Jahren pflegen diese eine Freundschaft mit den Fans von Panathinaikos, Paok unterhält enge Beziehungen zu Partizan. Wobei Freundschaft in diesem Zusammenhang auch Identifikation heißt. Wenn nun Rapid auf Paok trifft, dann trifft Paok auch auf Panathinaikos und Partizan auf Rapid. Dass sich Fangruppen wie die Ultras mitunter vom Wesen des Spiels und auch des Vereins doch deutlich entfernt haben, illustrieren die Vorboten des Europacup-Spiels am Donnerstag (20.30 Uhr/ORF1) recht gut.
Doch Ultras sind eben nicht einfach nur Fans - oder Hardcore-Fans, als welche sie bisweilen bezeichnet werden. Ausgehend von Italien hat sich seit den achtziger Jahren in fast ganz Europa die Ultrasbewegung entwickelt, meist stellen diese Fans bei ihren Klubs den lautstärksten und reisefreudigsten Teil der Anhängerschaft dar.
Ultras unterscheiden sich von anderen Subkulturen
Die Ultras weisen einige Merkmale einer klassischen Subkultur auf, und ihr Organisationsgrad ist recht hoch. Doch Ultras sind häufig eine sehr heterogene Gruppe, deren Mitglieder divergierende politische Einstellungen und Interessen abseits des Fußballs haben und die aus verschiedenen sozialen Schichten stammen. Was sie eint, ist die Leidenschaft für das Fantum, den Support, bisweilen weniger für den Fußball.
Vor allem in Deutschland sind Ultras vor Jahren schon zu einem soziologischen Forschungsthema geworden. Ihre Anzahl steigt von Jahr zu Jahr, ihr Verhalten - im negativen wie im positiven Sinn - wird in der Öffentlichkeit diskutiert, und die Ultraskultur unterscheidet sich eben doch von Subkulturen wie den Skinheads, Punks oder auch den im Fußball wohlbekannten Hooligans.
"Im Gegensatz zu anderen Jugendsubkulturen vorher sind sie kein abgeschlossenes Gebilde mit ihren eigenen Identitäten, sondern sie ,patchworken in allen Jugendkulturen rum, die zuvor stattgefunden haben. Sie lernen hier was aus dem Hip-Hop sich zu greifen, da was aus dem Punk, da was aus den alten Fußballfanbewegungen und das macht sie so vielfältig in jeder Hinsicht", erklärte der deutsche Sozialwissenschaftler Gerd Dembowski in einem Interview mit dem Deutschlandfunk.
"Ich habe immer gesagt: ,Nimm mir alles, aber nicht den Ball‘", meinte Marko Arnautovic unlängst anlässlich seiner Suspendierung bei Werder...
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