• vom 04.09.2012, 16:41 Uhr

Fußball

Update: 04.09.2012, 19:28 Uhr
  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Porto hat plötzlich nicht mehr auf Janko gesetzt - nun spielt er in der Türkei

Gegen das eigene Ego


Von Simon Rosner

  • Janko über die schwere Entscheidung, einen Schritt zurück zu machen.

Wien. Marcel Koller steht vor dem Spiel gegen Deutschland vor einer kniffligen Entscheidung: Wer soll stürmen? Der schnelle Martin Harnik wie gegen die Türkei? Marc Janko, der Strafraumspezialist, der aber erst einen 18-minütigen Einsatz in dieser Saison in den Beinen hat? Oder doch Marko Arnautovic, der bei Bremen zuletzt stark gespielt hat, allerdings am rechten Flügel?

"Es war eine Entscheidung gegen mein Ego", sagt Marc Janko über den Transfer von Porto zu Trabzonspor.

"Es war eine Entscheidung gegen mein Ego", sagt Marc Janko über den Transfer von Porto zu Trabzonspor.© APA/HERBERT NEUBAUER "Es war eine Entscheidung gegen mein Ego", sagt Marc Janko über den Transfer von Porto zu Trabzonspor.© APA/HERBERT NEUBAUER

Von dieser Entscheidung hängt viel ab. Viele Chancen wird Österreich beim Auftakt zur WM-Qualifikation am 11. September nicht bekommen. Kann der bewegliche Harnik mehr kreieren? Ist er effektiv genug? Ist Janko schon fit für einen Einsatz von Beginn an? Wer passt am besten ins taktische Konzept von Koller?

Mit Fragen dieser Art muss sich der Teamchef in diesen Tagen beschäftigen, am Ende wird wohl nur das Ergebnis darüber urteilen, ob er die richtige Entscheidung getroffen hat. Doch das ist Traineralltag. Für Marc Janko hat sich dagegen vor zehn Tagen eine Situation ergeben, die alles andere als Alltag ist, zumindest hat er sie in seiner bisherigen Karriere nicht erlebt.

Auf einmal zweite Wahl
Beim Saisonabschlussgespräch mit seinem Trainer beim FC Porto hatte ihm Vítor Pereira erklärt, dass er weiter auf ihn setzen werde. Und er sagte das auch noch, als sich Janko in der Vorbereitung eine Muskelverletzung zuzog. "Es war alles perfekt", erzählt Janko. Eine Woche vor dem Transferschluss folgte dann ein weiteres Gespräch: "Plötzlich hat es geheißen, dass ich nicht mehr erste Wahl bin, dass ich keine Chance habe und frei bin, zu gehen."

Sechs Tage hatte Janko Zeit, eine Entscheidung zu treffen, am 31. August schließt in Europa das Transferfenster. "Ich habe es mir nicht leicht gemacht und auch schlaflose Nächte gehabt." Spieler verletzen sich bisweilen, Stürmer treffen auf einmal nicht mehr, wer weiß, wie sich Neuzugang Jackson Martínez beim FC Porto entwickelt hätte. "Ich habe es dann eher aussichtslos gesehen."

Der türkische Spitzenklub Trabzonspor hatte schon im Winter die Fühler ausgestreckt und wollte den 29-Jährigen unbedingt verpflichten. "Sie haben sich wirklich unglaublich um mich bemüht", sagt Janko. Aber FC Porto ist eben doch ein anderes Niveau, ein Verein von internationalem Format. Leihgeschäfte standen auch im Raum, "aber ich wollte kein Leiharbeiter sein, ich wollte, dass ein Verein voll hinter mir steht." Also aussitzen, warten? Oder nach Trabzon ans Schwarze Meer? Janko nahm Kontakt mit seinen in der Türkei spielenden ÖFB-Kollegen auf, um sich zu erkundigen.

"Es war eine Entscheidung gegen mein Ego, ich wollte mir nicht eingestehen, dass ich keine Chance mehr bei Porto habe", sagt er. "Im Vergleich zu Porto ist es schon ein Schritt zurück, aber manchmal muss man eben einen Schritt zurück machen."

Per Privatjet nach Trabzon
Noch vor Transferschluss entschied sich Janko für den Wechsel. Via Salzburg ging es dann im Privatjet des Vereinspräsidenten nach Trabzon. "Es war eigentlich streng geheim, aber irgendwie dürfte das durchgesickert sein. Auf dem Flughafen haben schon Fans und Medien gewartet", sagt Janko. Auf der Klubwebseite sind Fotos seiner Ankunft zu sehen, die Janko zwar lächelnd, aber ein wenig überfordert zeigen. "Es waren überall Scheinwerfer, ich habe nicht mehr gesehen, wo ich hin muss. Die Türken sind beim Fußball eben sehr euphorisch."

Wo die Euphorie groß ist, ist die Erwartungshaltung nicht weit: "Ich bin die Hoffnung, dass die Probleme von Trabzonspor im Angriff gelöst werden", erzählt Janko. Nachsatz: "Wenn es überhaupt Probleme gibt." Denn noch kennt Janko seine Mannschaft kaum, einige Deutsch-Türken, darunter Teamspieler Halil Altintop, erleichtern Janko zumindest sprachlich den Start, einige Spieler kennt er aus dem Fernsehen wie etwa den Ivorer Didier Zokora. "Es ist eine gute Mannschaft, technisch sehr stark."

Im ersten Spiel in Gaziantep wirkte Janko nur 18 Minuten mit, Trabzonspor verlor mit 0:1 gegen das Team von Yasin Pehlivan. Ob diese 18 Minuten schon reichen für das Deutschland-Match? Im ersten Training beim ÖFB-Team wirkte Janko noch etwas verhalten, beinahe ein wenig unsicher, doch das kann sich schnell ändern. Das Nationalteam spielte jedenfalls bei seiner Entscheidung zugunsten Trabzonspor eine Rolle. "Es war eine Entscheidung aus sportlichen Gründen", sagt er. Jetzt steht nur noch Kollers Entscheidung aus. Wenn sie nicht schon gefallen ist.

Website Trabzonspor




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-09-04 16:48:15
Letzte Änderung am 2012-09-04 19:28:38


Beliebte Inhalte



Geschafft: Goldtor-Schütze Arjen Robben triumphiert. - APAweb / EPA / Andy Rain
  • Robben-Tor in der vorletzten Minute entschied hochklassiges Finale.
  • weiter

Dortmunds Robert Lewandowski und Bayerns Dante rittern in Wembley um den Ball. - APAweb / AP / Alastair Grant
  • Bayern gegen Dortmund, live aus dem Twitter-Stadion.
  • weiter

David Alaba nimmt sich den Ball zur Brust. - APAweb / Reuters / Stefan Wermuth London. David Alaba darf sich ab sofort Champions-League-Sieger nennen. Er spielte von Anfang an im Team des FC Bayern München...weiter

Alaba im Glück. - apa/Jäger
  • David Alaba zieht als erster Österreicher der Geschichte ins Finale der Besten ein.
  • weiter

Sonnyboy gegen Gentleman: Jürgen Klopp (l.) gilt als Trainer modernen Schlags, Jupp Heynckes als Betreuer alter Schule. ap/reuters
  • Getrennt durch 23 Jahre, geeint im Erfolg: Jürgen Klopp und Jupp Heynckes.
  • weiter

Baumgartners Sprung war hoch angesetzt, aber kein Sport - zumindest nicht im steuerrechtlichen Sinn. - APAweb /  EPA / Red Bull Stratos
  • Lopatka dementiert Eingriff in Felix Baumgartners Steuerverfahren.
  • weiter

Austrias Meistermacher soll bei Werder Bremen Interesse ausgelöst haben, Peter Stöger dementiert. - APAweb/HERBERT NEUBAUER
  • Austrias Erfolgscoach dementiert, fühlt sich aber höchst geehrt.
  • weiter

Austria Wien kann in der CL-Qualifikation den Meister-Weg beschreiten und hat daher auf dem Papier leichtere Gegner, weil nur Meister mittlerer und kleinerer Ligen mögliche Konkurrenten sind. - APAweb/Pfarrhofer
  • Austria auf leichterem Meister-Weg, auf Salzburg warten große Kaliber.
  • weiter

Dortmunds Robert Lewandowski und Bayerns Dante rittern in Wembley um den Ball. - APAweb / AP / Alastair Grant
  • Bayern gegen Dortmund, live aus dem Twitter-Stadion.
  • weiter

Geschafft: Goldtor-Schütze Arjen Robben triumphiert. - APAweb / EPA / Andy Rain
  • Robben-Tor in der vorletzten Minute entschied hochklassiges Finale.
  • weiter




Werbung



Abseits

Unösterreichisch zum Erfolg

Man muss kein Austria-Fan sein, um die Austria 2012/13 (zumindest ein bisschen) zu bewundern. Sie hat sich endgültig von der Post-Stronach-Ära... weiter



Werbung