• vom 12.09.2012, 17:45 Uhr

Fußball

Update: 12.09.2012, 17:50 Uhr
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Die Entschlossenheit war der feine Unterschied zwischen Österreich und Deutschland

Nicht konsequent genug


Von Simon Rosner

  • ÖFB-Team machte taktisch viel richtig, Deutschland war effizient - und glücklich.

Wien. Ist Madonna schuld? Sie hatte kürzlich ein Konzert im Happel-Stadion gegeben, doch ein Fußballrasen mag das nicht. Vielleicht war jenes Grasschippel, das den Ball ein wenig hat aufspringen lassen in dieser 88. Minute, noch immer beleidigt. Auf einmal war der Ball am Schienbein statt am Rist von Marko Arnautovic, und auf einmal war der Ball neben dem Tor statt drinnen.

Marko Arnautovic saß eine gefühlte Ewigkeit vor jenem Tor, das ihm den verdienten Ausgleich zum 2:2 verwehrt hat.

Marko Arnautovic saß eine gefühlte Ewigkeit vor jenem Tor, das ihm den verdienten Ausgleich zum 2:2 verwehrt hat.© APA/ANDREAS PESSENLEHNER Marko Arnautovic saß eine gefühlte Ewigkeit vor jenem Tor, das ihm den verdienten Ausgleich zum 2:2 verwehrt hat.© APA/ANDREAS PESSENLEHNER

"Ich will Entschuldigung sagen ans ganze Land", stammelte Arnautovic nach dem Spiel. Genau bei der Aktion hatte sich Keeper Manuel Neuer leicht verletzt und musste behandelt werden, die Partie war daher kurz unterbrochen. Arnautovic lag zuerst, dann saß er auf der Torlinie, gefühlte Stunden, und man fragte sich, warum im Fußball nur bei körperlichen Verletzungen ein Rettungsteam aufs Feld darf. Wie ist das bei seelischen Schmerzen?

"Marko ist ein Typ, den man aufrichten muss. Leider bin ich nicht mehr dazugekommen", sagte Teamchef Marcel Koller. Andere Betreuer trösteten den Untröstlichen noch auf dem Feld, gelungenen ist es ihnen nicht. Und auch Koller sagte: "Ich habe meine Probleme, das zu verarbeiten." Es war eine kurze Nacht für ihn, schon Mittwochfrüh begann Koller, die Partie auf Video zu analysieren. "Das brauch ich auch", sagte er.

Auswärts noch nie verloren
Die kollektive Enttäuschung ist die emotionale Ebene dieser Partie, die gut und gerne einen anderen Ausgang als das 1:2 hätte nehmen können, nicht nur wegen der verpassten Großchance kurz vor Schluss. "Wir hatten Glück, das kann man nicht anders sagen", meinte Bayerns Thomas Müller.

Doch wenn das Glück ein Vogerl ist, muss er ein übermästeter, flugunfähiger Truthahn sein. Deutschland hat auswärts noch kein einziges Spiel in einer WM-Qualifikation verloren, obwohl es immer wieder knapp war. Auch am Dienstag.

Kollers Analyse tangierte nur das Glück als Erklärung, wie etwa beim 2:0, als der Schiedsrichter ein klares Abseits übersah. "Es hat sich eben Deutschlands Weltklasse gezeigt." Es ist die Qualität, im richtigen Moment zuzuschlagen, Fehler des Gegners auszunützen. Vor einem halben Jahr hatte der Teamchef in einem Interview mit der "Wiener Zeitung" Konsequenz in jeglicher Hinsicht als einen Schlüssel für eine erfolgreiche Qualifikation bezeichnet: "Chancen gibt es immer wieder, aber man muss sie konsequent und konzentriert nützen. Diese Brutalität brauchen wir", sagte er damals. Diese Brutalität hat gefehlt.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-09-12 17:23:11
Letzte Änderung am 2012-09-12 17:50:18


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