London. (sir) Manchmal kann das Schicksal richtig zynisch sein. Es war der 19. Mai dieses Jahres, als Roman Abramowitsch nach neun Jahren sein Ziel erreichte. Chelsea hatte die Bayern im Champions-League-Finale bezwungen, hatte den Thron Europas bestiegen, der dem russischen Oligarchen mehr als eine Milliarde Euro wert war. So viel hatte er über die Jahre in sein Team investiert. Jetzt hatte er den Titel. Aber auf welche Art?

Er hätte es jedenfalls billiger haben können, doch Abramowitsch wollte nicht nur das Beste, sondern das Beste in Gold. Und so kamen nicht nur Spieler mit herausragenden Qualitäten, sondern auch Kicker, die für Spektakel und Glanz stehen, etwa Hernán Crespo, Didier Drogba, Arjen Robben, Andrej Schewtschenko und Fernando Torres. Auf nationaler Ebene kamen die Erfolge rasch, doch sonderlich beliebt war Chelsea nicht, und wertgeschätzt für großartigen Fußball wurde seine Mannschaft auch nicht. Das missfiel Abramowitsch.
Vor einem Jahr wollte er genau das ändern, nachdem er sich - laut Erzählungen - in den FC Barcelona verliebt hatte. Mit André Villas-Boas glaubte er, den richtigen Mann gefunden zu haben, um begeisternden Angriffsfußball an der Stamford Bridge zu etablieren, doch der neue Trainer wurde von den Routiniers regelrecht hinausgemobbt, Roberto Di Matteo übernahm interimistisch.
Was Chelsea dann im Halbfinale und Finale der Champions League zeigte, war genau das Gegenteil von Barcelona. Es war extrem defensiv, unattraktiv, uninteressant und passiv. Fußballfans blutete das Herz, und es gab selbst Bayernhasser, die nach dem Finale große Empathie für die unglücklichen Verlierer empfanden. Ja, Abramowitsch hatte den Titel gewonnen, aber nicht einen Bewunderer. Möglich, dass er den größten Triumph seines Klubs gar nicht richtig genießen konnte. Sehr herzlich fiel die Gratulation an den siegreichen Trainer jedenfalls nicht aus.
Hazard als Schlüssel
Di Matteo durfte zwar bleiben, doch Abramowitsch will angeblich alles dafür tun, um für die kommende Saison Barcelona-Architekt Pep Guardiola zu bekommen, wenn dieser wieder einsatzbereit ist. Lionel Messi hat er bereits, auch wenn es nur die belgische Ausgabe des dreifachen Weltfußballers ist. Doch um Eden Hazard hat sich halb Europa gestreckt, ein Essen mit Abramowitsch hat den kleinen Wallonen von Chelsea überzeugt. "Wir lieben Fußball und sind auf einer Wellenlänge", sagte Hazard. 40 Millionen Euro hat er gekostet.
Es könnte die vielleicht wichtigste Verpflichtung von Abramowitsch in den vergangenen Jahren gewesen sein, denn schon in den ersten Partien ist Hazard zum Um und Auf der Mannschaft avanciert. Er ist Chef in der Offensive und für die Gegner unberechenbar. Er taucht überall auf, ist extrem beweglich, stark im Dribbling und sicher beim Passen. In den ersten vier Partien hat er vier der acht Toren vorbereitet, zusätzlich holte er zwei Elfer heraus, wovon er einen selbst verwandelte. Nur Arsenals Neuzugang Santi Cazorla kann mit diesen Statistiken mithalten.
Abramowitsch holte neben Hazard auch noch den ebenso wendigen und flinken Brasilianer Oscar aus Porto Alegre, dazu kamen Marco Marin aus Bremen sowie der Nigerianer Victor Moses. Es sind allesamt junge, dynamische und eher kleine Spieler, die man als eine Art Antithese zu dem verstehen kann, wie Chelsea zuvor aufgestellt war. Es erinnert mehr an Barcelona.
Schwerer Oktober
In der Liga sind die Londoner noch ungeschlagen, am Mittwoch (20.45 Uhr) startet der Titelverteidiger gegen Juventus in die Champions League. Bis Ende Oktober wird Chelsea dann schon gegen Arsenal, Tottenham und Manchester United gespielt haben, und dann wird man schon eher wissen, wie gut das neuformierte Team wirklich ist.
Di Matteo, das scheint sicher, ist nur ein Trainer auf Zeit. Und sollte es Abramowitsch tatsächlich gelingen, Pep Guardiola nach London zu lotsen, wäre das wohl gleichrangig mit dem Erfolg in der Champions League, zumindest für den Chelsea-Gönner. Es wäre sein größter Fang.
Man muss kein Austria-Fan sein, um die Austria 2012/13 (zumindest ein bisschen) zu bewundern. Sie hat sich endgültig von der Post-Stronach-Ära...
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