Minsk.

Doch Rummenigge verwehrte sich in seiner Ansprache einer pauschalen Manöverkritik, stattdessen sprach er davon, was noch alles möglich sei. "Es ist ohne Zweifel eine Niederlage, die weh tut. Aber wichtig ist, dass wir richtig darauf reagieren und sie noch korrigieren können", sagte er. Solch sanfte Wortwahl überrascht nach einer nicht einkalkulierten Niederlage gegen den Außenseiter, gegen den der Finalist des Vorjahres zwar stark gestartet, aber in der zweiten Hälfte ebenso stark nachgelassen hatte. Doch Rummenigge meint: "Ich denke, es macht keinen Sinn, zu kritisch zu sein."
Nur nicht noch zusätzlich Öl ins Feuer gießen, heißt offenbar die Devise. Denn hinter der Idylle eines vor dem Borisow-Ausrutscher makellosen Saisonstarts offenbarten sich schon in den vergangenen Tagen offene Gräben. Seitdem Sportdirektor Matthias Sammer die Leistung beim 2:0 gegen Werder Bremen am Samstag als "zu wenig gallig", "lätschern" und "lange Zeit richtigen Käse" abgetan hat, herrscht Funkstille zwischen ihm und Trainer Jupp Heynckes. Gegenseitige Vorwürfe wurden allenthalben über die Medien ausgerichtet. Auch vor dem Spiel in Weißrussland hatte Heynckes die Gelegenheit genützt, um Sammers Aussagen als "Populismus, den wir nicht brauchen können", anzuprangern.
Zwar endet Heynckes Vertrag ohnehin zu Saisonende, doch mittlerweise fragen sich viele, ob er überhaupt so lange im Amt bleiben wird, selbst wenn die hohen Ziele noch erreichbar sind. Denn Konfliktpotenzial ist reichlich vorhanden: Hier Heynckes, ein Trainer der alten Schule, der öffentlich auf Harmonie bedacht ist, dort Sammer, der Revoluzzer, der offenbar genau dafür geholt wurde, auch einmal brachialgewaltig auf den Tisch zu hauen, nachdem seinem Vorgänger Christian Nerlinger mangelndes Profil zum Verhängnis geworden war.
"Sein gutes Recht"
Daran, dass er sich auch künftig nicht von seiner Tonart abbringen lassen werde, ließ Sammer auch in Minsk keinen Zweifel. Wer ihn kenne, wisse, dass die Aussagen im Grunde "noch ziemlich harmlos" gewesen seien, sagte er. Die Spieler, die sich nach dem 1:3 in vager Selbstkritik übten - "wir haben zu wenig konsequent nach vorne gespielt", erklärte Kapitän Philipp Lahm -, haben offenbar kein Problem damit, bleiben aber diplomatisch. "Es ist sein gutes Recht, unser Auftreten zu kommentieren. Genauso ist es das Recht des Trainers", meinte Toni Kroos. Und auch Rummenigge, der den mit einem Vertrag bis 2015 und allumfassenden sportlichen Kompetenzen ausgestatteten Sammer bei dessen Bestellung im Sommer schon als das "künftige Herzstück des FC Bayern" bezeichnet hatte, glaubte vor dem Borisow-Spiel noch an die positive Signalwirkung von Sammers Aussagen. "Dieses ständige Loben, diese permanente Euphorie" gefalle ihm ohnehin nicht, meinte er. Vielleicht sieht er das nun anders. So zumindest kann man seine Milde gegenüber den Verlierern von Minsk interpretieren.
Man muss kein Austria-Fan sein, um die Austria 2012/13 (zumindest ein bisschen) zu bewundern. Sie hat sich endgültig von der Post-Stronach-Ära...
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