
Astana. (art) Konsequenz. Es ist eines der Lieblingsworte von Österreichs Fußball-Teamchef Marcel Koller. Er war in der Vorbereitung konsequent, als er die Mannschaft auf Kunstrasen trainieren ließ, er war konsequent, als er die Zeitverschiebung in seine Überlegungen im Vorfeld einbezog, und in beinahe jedem gefühlten dritten Satz, den er sagt, fällt das Wort Konsequenz. Schon nach dem 1:2 gegen Deutschland zum Auftakt der WM-Qualifikation, in dem Österreich einen Punkt vergab, hat man geahnt, warum er es so oft sagt. Spätestens nach dem enttäuschenden 0:0 gegen Kasachstan weiß man es definitiv. Irgendwann, so die vage Hoffnung, muss es sich doch in den Köpfen seiner Mannschaft festsetzen.
In gewisser Weise konsequent, aber auch ziemlich naiv war lediglich die Hoffnung der Fans vor dem Spiel gewesen: Wer gegen Deutschland ein gutes Spiel abliefert, muss doch gegen Kasachstan haushoch gewinnen. Doch so weit sind die Österreicher noch nicht. Noch lange nicht, wie man sich nun eingestehen muss.
Die Mannschaft von Teamchef Koller, die – nach den Trainingseindrücken nicht ganz erwartungsgemäß – mit exakt derselben Formation aufs Feld kam wie gegen Deutschland, bemühte sich zwar schon zu Beginn um einen geordneten Spielaufbau und ein gefälliges Kombinationsspiel, sie kam aber gegen die äußerst defensive Heim-Elf nicht wirklich gefährlich nach vorne. Und wenn, dann war es spätestens am 16er vorbei mit der Ordnung.
Dabei wäre – richtig – mit etwas mehr Konsequenz viel mehr drinnen gewesen gegen den erklärten Außenseiter: Zuerst kam Christian Fuchs, der alles in allem einen schwarzen Tag erwischte, aus kurzer Distanz nicht richtig an den Ball (11.), wenige Minuten später katapultierte ihn Zlatko Junuzovic übers Tor (16.), dann schoss Martin Harnik ihn nach schönem Zusammenspiel mit Junuzovic direkt in die Arme des kasachischen Tormanns.
Es war nicht richtig gut, aber auch nicht wirklich schlecht, was Österreich, die feldüberlegene Mannschaft, in dieser Phase zeigte – aber eben um einiges zu inkonsequent.
Erfolglose Weitschüsse und offene Räume
In der zweiten Hälfte bemühte sich die ÖFB-Elf um ein schnelleres, direkteres Spiel; anstatt mit Kombinationen, die über Links überhaupt nicht und auch sonst nur eher schwerfällig funktionierten, probierten es Marko Arnautovic und Co. auch mit Weitschüssen, die aber allesamt das Tor verfehlten. Und anstatt wirklich zwingend zu sein, öffneten die Österreicher in ihrer Sturm-und-Drang-Phase bis zur Mitte der zweiten Hälfte viele Räume für die Kasachen, die ihrerseits einige Male gefährlich wurden.
Gegen Ende wurde die Partie immer zerfahrener, während die Kasachen, den ersten Punkt im dritten Qualifikationsspiel witternd, auf Zeit spielten, wurde die Hektik bei den Österreichern, bei denen nun auch Marc Janko, Debütant Andreas Weimann und Jakob Jantscher ins Spiel kamen, immer größer – und die Chance auf einen Sieg immer kleiner.
Damit rückt auch die nach dem Deutschland-Match in übereuphorischen Kreisen fast schon sicher geglaubte WM-Qualifikation in weite Ferne. Teamchef Koller will es freilich anders sehen: "Es war kein Rückschritt", sagte er. "Es war ein ganz anderes Spiel als gegen Deutschland. Die Kasachen sind mit neun Mann hinten gestanden. Da war es schwierig, die Räume zu finden. Wenn dann auch noch die Genauigkeit fehlt, ist es besonders schwierig, durchzukommen."
Das soll nun am Dienstag besser werden. Denn sollte es im Heimspiel im Happel-Stadion in Wien, für das Bayern-Legionär David Alaba nach seiner Erholung vom Ermüdungsbruch nachnominiert wurde, gegen den neben den Färöern vermeintlich schwächsten Gegner in der Gruppe C wieder keinen Sieg geben, muss man in letzter Konsequenz sagen: Die WM ist wohl abgehakt.
Fußball-WM-Qualifikation (Gruppe C):
Kasachstan - Österreich 0:0
Astana, Astana Arena, 10.000 Zuschauer, SR Tamas Bognar (HUN).
Kasachstan: Sidelnikow - Kirow, Dmitrenko, Roschkow, Nurdauletow -
Bogdanow - Konisbajew (95. Gridin), Korobkin, Chairulin (92.
Muchtarow) - Nuserbajew (87. Nurgalijew), Ostapenko
Österreich: Almer - Garics, Prödl, Pogatetz, Fuchs - Baumgartlinger
(62. Janko), Kavlak - Arnautovic, Junuzovic, Ivanschitz (73.
Jantscher) - Harnik (84. Weimann)
Gelbe Karten: Nuserbajew, Ostapenko, Roschkow bzw. Janko
Man muss kein Austria-Fan sein, um die Austria 2012/13 (zumindest ein bisschen) zu bewundern. Sie hat sich endgültig von der Post-Stronach-Ära...
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