• vom 09.06.2010, 17:21 Uhr

Fußball

Update: 19.07.2010, 13:21 Uhr

Dass gewaltbereite Fans zur WM-Delegation Argentiniens zählen, sorgt nicht nur in Südafrika für Aufregung

Brot und Spiele 2.0 in Argentinien




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Von Thomas Zsifkovits und Marcelo Massarino

  • Das organisierte Verbrechen ist Teil des Fußballs in Argentinien.
  • In den Fankurven wird Stimmung und gutes Geschäft gemacht.
  • Gewaltbereite Fans haben mächtige Paten.
  • Buenos Aires. Als die offizielle argentinische Delegation am 28. Mai in Richtung Südafrika abflog, gingen neben Trainer Diego Maradona, Teammanager Carlos Bilardo und den Spielern auch 22 Barrabravas an Board. Das sind die, die in den Fankurven Lateinamerikas das Sagen haben.

Ariel Pugliese (l.) ist einer der Anführer der Barras, aber bisweilen auch in offizieller Mission tätig, als Bodyguard von Lionel Messi. Das Lask-Trikot fand übrigens nach einem Testspiel der Linzer gegen Boca Juniors über den Boca-Manager den Weg zu ihm. Foto: Olé Contenidos/Gustavo Ortiz

Ariel Pugliese (l.) ist einer der Anführer der Barras, aber bisweilen auch in offizieller Mission tätig, als Bodyguard von Lionel Messi. Das Lask-Trikot fand übrigens nach einem Testspiel der Linzer gegen Boca Juniors über den Boca-Manager den Weg zu ihm. Foto: Olé Contenidos/Gustavo Ortiz

Ariel Pugliese (l.) ist einer der Anführer der Barras, aber bisweilen auch in offizieller Mission tätig, als Bodyguard von Lionel Messi. Das Lask-Trikot fand übrigens nach einem Testspiel der Linzer gegen Boca Juniors über den Boca-Manager den Weg zu ihm. Foto: Olé Contenidos/Gustavo Ortiz

Ariel Pugliese (l.) ist einer der Anführer der Barras, aber bisweilen auch in offizieller Mission tätig, als Bodyguard von Lionel Messi. Das Lask-Trikot fand übrigens nach einem Testspiel der Linzer gegen Boca Juniors über den Boca-Manager den Weg zu ihm. Foto: Olé Contenidos/Gustavo Ortiz Ariel Pugliese (l.) ist einer der Anführer der Barras, aber bisweilen auch in offizieller Mission tätig, als Bodyguard von Lionel Messi. Das Lask-Trikot fand übrigens nach einem Testspiel der Linzer gegen Boca Juniors über den Boca-Manager den Weg zu ihm. Foto: Olé Contenidos/Gustavo Ortiz

Im Land des zweifachen Weltmeisters sorgte das für große Aufregung. An den Innenminister erging bereits eine dringliche Anfrage um Aufklärung der Verhältnisse in der WM-Delegation. Hintergrund ist, dass diese 22 Fußballfans, die durchaus als gewaltbereit eingestuft werden können, fixer Bestandteil der Mafia sind, die den argentinischen Fußball mitbestimmt. Als Anführer tritt Ariel Pugliese auf, der auf den subtilen Spitznamen Gusano hört: Wurm. Er war im Oktober 2008 im Rahmen von Gewaltexzessen rund um ein Fußballspiel angeschossen worden.

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Die dubiosen Verbindungen des Profifußballs zur Unterwelt sind in Argentinien ein offenes Geheimnis. Es sind stets die Mächtigen aus Politik, Gewerkschaft oder eben den Fußballklubs, die die Barras finanzieren. Die Unverfrorenheit, sie gleich mit der offiziellen Delegation reisen zu lassen, empörte dennoch. Einer der 22 gab auch prompt ein Radiointerview und klärte auf, dass er Teil eines erlesenen Kreises von insgesamt 43 Personen sei, die die offiziellen Fans der Selección darstellen. "Uns finanzieren weder Politiker noch der Verband. Wir haben eine direkte Absprache mit Maradona und Bilardo."

Die Barrabravas sind nicht einfach mit Hooligans gleichzusetzen. Denn während das europäische Pendant stets als marginale Gruppe ohne Verbindung zum System agiert, sind die Barras ein Teil des Apparates. Manche Gruppierungen verfügen über monatliche Einnahmen von umgerechnet bis zu 15.000 Euro. Mit erpresserischen Methoden und Gewalt verschaffen sie sich Zugang zu Einnahmen aus Kartenwiederverkäufen, dem illegalen Merchandising, der Stadiongastronomie, der Parkplatzbewirtschaftung rund um das Stadion und den Einnahmen aus Spielertransfers. Die Gegenleistung ist Kampfbereitschaft auf Seiten der Geldgeber.

Südafrika, das gelobte Land

Als Anfang März 2010 Roberto Caminos, der ehemalige Chef der Barra des Erstligisten Newells Old Boys, in der Stadt Rosario mit sieben Schüssen hingerichtet wurde, war dies im argentinischen Fußball schon der 249. Mord in den vergangenen 87 Jahren. Sechs Tote zählt man alleine heuer bereits. Doch kein einziges Ligaspiel wurde deshalb abgesagt oder verschoben. "Alles vergeht", ist das Motto von Verbandschef Julio Grondona, der auch Vize-Präsident des Weltverbands Fifa ist.

Eine argentinische Fankurve zu befehligen, ist nicht nur finanziell einträglich, es bringt auch Ansehen mit sich. Die amtierende Regierung von Cristina Fernandez de Kirchner macht sich dies zunutze. Aus dem Umfeld ihres Kabinettchefs Aníbal Fernández wird das Fanbündnis "Hinchadas Unidas Argentinas" (Vereinigte Fanschaften Argentiniens) unterstützt. 280 Barrabravas aus diesem Fanbündnis reisen zum WM-Turnier an. Marcelo Mallo ist der Mann hinter der Fangruppe und ein Vertrauter Kirchners. Er macht keinen Hehl daraus, im Zuge dieser Maßnahme Funktionäre für den nächsten Wahlkampf verpflichten zu wollen. Die Finanzierung der Fangruppierung bleibt jedenfalls unklar.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2010-06-09 17:21:00
Letzte Änderung am 2010-07-19 13:21:00


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