• vom 02.05.2013, 16:34 Uhr

Fußball


Jupp Heynckes

"Irgendwann denkt man, es ist genug"




  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief





  • Bayern-Trainer Jupp Heynckes deutet nach Finaleinzug Rückzug an.

67 und kein bisschen müde: Trotzdem steht Jupp Heynckes vor dem Karriereende.

67 und kein bisschen müde: Trotzdem steht Jupp Heynckes vor dem Karriereende.© Reuters 67 und kein bisschen müde: Trotzdem steht Jupp Heynckes vor dem Karriereende.© Reuters

Barcelona/München. (art)
Sollte Jupp Henyckes an diesem Dienstag, spätabends, Müdigkeit verspürt haben, ließ er sie sich zumindest nicht anmerken. Heynckes marschierte an der Seitenlinie auf und ab, hüpfte manchmal wie ein Rumpelstilzchen herum, fuchtelte mit den Armen, gab Anweisungen und reklamierte. Und sogar sein Spiel mit den Augenbrauen, das selbst bei einem wie ihm, von dem man glaubt, er habe schon alles im Fußball erlebt, Erstaunen signalisiert, ließ ihn in jeder Sekunde des Spiels rege wirken, während sein Kollege Tito Vilanova sich zunehmend darauf beschränkte, das Gesicht in den Händen zu vergraben.

3:0 deklassierten Jupp Heynckes Münchner Vilanovas großen FC Barcelona an diesem Abend in dessen Stadion. Nach dem 4:0 der Bayern im Hinspiel des Champions-League-Semifinales bedeutete dies für Barcelona nicht nur das Ausscheiden, sondern eine veritable Blamage. Der FC Bayern dagegen setzte seinen Erfolgslauf unbeirrt fort - die Krönung soll am 25. Mai im Wembley-Stadion in London erfolgen, wenn der designierte deutsche Meister gegen den entthronten Vorgänger Borussia Dortmund antritt. Es ist das erste Finale zweier deutschen Klubs und könnte für Heynckes zugleich der abschließende Höhepunkt seiner Karriere sein. Trotz seiner Passion für den Fußball, die er auch an diesem Abend weder verbergen wollte noch konnte, kündigte er nach dem Match indirekt seinen Abschied vom Trainergeschäft an: "Am 8. Mai werde ich 68 Jahre alt. Ich bin dann 50 Jahre als Spieler und Trainer im Fußball. Irgendwann kommt der Punkt, an dem man sich denkt, es ist genug", sagte er. Sein Abschied aus München, den er sich zusätzlich zum schon feststehenden Meistertitel noch mit dem Cup- und Champions-League-Sieg versüßen kann, ist ohnehin schon längst besiegelt, im Sommer übernimmt Pep Guardiola das Traineramt an der Säbener Straße.


Es war ein kurzes Störfeuer in der Beziehung zwischen dem Trainer-Gentleman und dem Verein, als dieser im Jänner - offenbar ohne Heynckes’ Wissen - verkündete, er wolle seinen auslaufenden Vertrag nicht mehr verlängern und sich vom Fußball zurückziehen. Meinen Abschied wähle ich immer noch selbst, sagte Heynckes ruhig, aber bestimmt. Doch weder die mangelhafte Kommunikationspolitik, noch die Zwistigkeiten mit Sportchef Matthias Sammer oder die Steueraffäre um Uli Hoeneß, den Klubpräsidenten und persönlichen Freund Heynckes, konnte die fruchtbare Zusammenarbeit nachhaltig schädigen und die Mannschaft vom Erfolgsweg abbringen. Dabei hat Heynckes, der früher als verbissen, beinahe verkrampft gewirkt hat, vor allem menschlich in seinen zwei Saisonen bei Bayern Erstaunliches geleistet: Dass die Mannschaft Qualität hat, war ohnehin stets unbestritten. Doch ihm, der sich schon vor zehn Jahren als Auslaufmodell hatte verunglimpfen lassen müssen, gelang es, den arrivierten Stars à la Franck Ribéry die Allüren auszutreiben und den Jungen jenes Selbstvertrauen einzuimpfen, das für das Prädikat Weltklasse vonnöten ist.

David Alaba, der am Dienstag den Führungstreffer durch Arjen Robben mit einem 65-Meter-Pass vorbereitete, ist einer von ihnen. Nachdem er zwei Champions-League-Finali verpasst hatte - 2010 schaffte er es nicht in den Kader, 2012 fehlte er wegen einer Gelbsperre -, ist der Österreicher nun bereit für den nächsten Schritt. Für Heynckes, 1998 mit Real schon Champions-League-Sieger, als Alaba noch nicht einmal sechs Jahre alt war, dürfte es der letzte große Auftritt auf Europas Fußball-Bühne sein.




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2013-05-02 16:38:05



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Rapid gewinnt das Derby
  2. Hamilton gewinnt in Austin
  3. Doppel-Duell im Prater
  4. Druck und Chance zugleich
  5. Rivalen der Rennbahn
Meistkommentiert
  1. "Wunderschöne Jahre"
  2. Tiroler Absage an Olympia
  3. Schock nach Olympia-Aus sitzt tief

Werbung



Werbung



Werbung