• vom 26.09.2013, 17:06 Uhr

Fußball

Update: 26.09.2013, 17:32 Uhr

Tatort Stadion

Das Stadion als Tatort




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  • Homophobie und Rassismus in Fankultur
  • Deutsche Ausstellung gegen Diskriminierung soll in Österreich Bewusstsein schaffen.

Antidiskriminierung als Auftrag: Linksorientierte Fan-Gruppen zeigen Rechtsextremen im Stadion, was sie von ihnen halten. - © Baff

Antidiskriminierung als Auftrag: Linksorientierte Fan-Gruppen zeigen Rechtsextremen im Stadion, was sie von ihnen halten. © Baff

Wien. (rel) Bilder sagen bekanntlich mehr als tausend Worte. Und es sind mitunter unheimliche wie auch beklemmende Bilder, die die Organisatoren der seit Donnerstag im Wiener Veranstaltungszentrum mo.ë gastierenden Fußball-Fankultur-Ausstellung "Tatort Stadion Wien" zusammengetragen haben. Die Fotos zeigen Männer mit Glatzen, Keltenkreuzfahnen und den Reichskriegsadler - und das in aller Öffentlichkeit. Den Inhalt der Gesänge, die immer wieder - auch in Österreich - bei Bundesliga- und Cup-Spielen angestimmt werden, kann sich der Besucher denken.

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Immerhin in einem sind sich die Vertreter der kürzlich gegründeten Arbeitsgemeinschaft "Tatort Stadion Wien", die am Donnerstag vorgestellt wurde und in der Fanbetreuer der Wiener Klubs Austria, Rapid, Vienna und Sportklub vertreten sind, einig: Rechtsextremismus, Rassismus und Homophobie sind in der deutschen wie österreichischen Fußball-Fankultur nach wie vor fest verankert. "Der Rechtsextremismus ist in den vergangenen Jahren sicher nicht weniger geworden", betonte etwa der Sozial- und Sportwissenschaftler Gerd Dembowski. "Ganz verstärkt im Fußball." Dass das Klima in der deutschen Bundesliga zuletzt besser geworden ist, führt er auf den erhöhten Druck der von ihm mit begründeten Arbeitsgemeinschaft "Antidiskriminierung beim Deutschen Fußball-Bund", nach dessen Vorbild auch der österreichische Verein "Tatort Stadion Wien" ins Leben gerufen wurde, zurück. Was aber nicht bedeutet, dass die betroffenen Hooligans wehrlos kapituliert haben. Demnach habe er die Beobachtung gemacht, dass sich nicht wenige in untere Ligen zurückgezogen und nun dort das Kommando auf den Rängen übernommen haben, erzählte Dembowski und nannte den Regionalligisten Alemannia Aachen als Beispiel. Dort hatte sich im Jänner dieses Jahres die linksorientierte und offen gegen Diskriminierung ankämpfende Fangruppe Ultras Aachen aus Protest aufgelöst, nachdem ihre Mitglieder von Rechten bedroht und verfolgt worden waren.

Aber nicht nur in Fußballstadien treiben Rechtsextremisten und Hooligans ihr Unwesen, sondern auch zunehmend bei öffentlichen Public-Viewing-Events. Offizielle Zahlen und Daten zu verbotsgesetzlichen Übertretungen, gewalttätigen Übergriffen und diskriminierenden Gesängen gibt es nicht. Schließlich könne man nicht Aufpasser in jedes Stadion schicken und mitzählen. Umso mehr sind die Antidiskriminierungs-Jäger auf Anzeigen von Fans, Spielern, Trainern und Schiedsrichtern angewiesen. "Um aber keinen Ärger zu machen, nehmen nicht wenige Zeugen von einer Tatmeldung Abstand", klagte Dembowski.

Ausstellung in Wien als Auftakt für Kampagne
Was den Kampf gegen Rechtsextremismus in Österreichs Stadien betrifft, haben die Aktivisten hierzulande noch einen weiten Weg zu beschreiten - und wollen sich die deutsche Initiative, die bereits seit 13 Jahren besteht, zum Vorbild nehmen. Um das Thema in die Öffentlichkeit zu tragen, haben die Organisatoren von "Tatort Stadion Wien" anlässlich der Ausstellung ein zweiwöchiges Veranstaltungsprogramm inklusive Podiumsdiskussionen, Filmvorführungen, Autogrammstunden und Vorträgen zusammengestellt. Informationen zu den Veranstaltungen können online unter anderem unter www.arge-tor.org abgerufen werden. Die Ausstellung wird bis 12. Oktober 2013 im Veranstaltungszentrum mo.ë in Wien gezeigt, der Eintritt ist kostenlos.

Nazismus-Vorfälle im Fußball

19. August 2009: Während des Europa-League-Spiels Red Bull Salzburg gegen Maccabi Haifa singen Teile des Heimpublikums mehrmals laut den antisemitischen Gesang "Wer nicht hüpft, der ist ein Jude, hey, hey!"

26. Februar 2010: Beim Bundesliga-Auswärtsspiel von Austria Wien in Mattersburg zeigt die Gruppe "Unsterblich Wien" eine Keltenkreuzfahne, ein Banner mit Keltenkreuzen und Reichskriegsadler sowie eine Fahne der faschistischen spanischen Falange-Bewegung.

6. August 2011: In der ersten Cup-Runde versuchen rechte "Unsterblich Wien"-Hooligans Fans von Wacker Innsbruck anzugreifen und rufen Parolen wie "Zyklon B für’n FCW!" Sechs Wochen später zeigen mehrere Mitglieder beim Betreten des Stadions den Hitlergruß.

21. Oktober 2012: In einem Flyer zum Derby gegen den SK Rapid Wien der Ultra-Gruppe "Viola Fanatics" werden die Grün-Weißen in nazistischer Sprache als "Untermenschen aus der Vorstadt" bezeichnet.




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Dokument erstellt am 2013-09-26 17:08:04
Letzte Änderung am 2013-09-26 17:32:19



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