• vom 31.03.2015, 11:53 Uhr

Fußball

Update: 31.03.2015, 12:16 Uhr

Ballesterer

"San da Nackerte drin?"




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Von Tamara Arthofer

  • Das Fußball-Fanzine "ballesterer" begeht 100. Ausgabe und 15-Jahr-Jubiläum.

15 Jahre liegen zwischen diesen "ballesterer"-Covers. - © ballesterer

15 Jahre liegen zwischen diesen "ballesterer"-Covers. © ballesterer

Aller Anfang ist schwer, doch was tut man nicht, wenn man jung, fußballbegeistert und getragen von der Idee, Berichterstattung abseits von Ergebnissen und Tabellen zu machen, ist. Und so gestaltete sich der Stadionverkauf des Magazins "ballesterer" im Jahre 2002 auch zwei Jahre nach dem Erstlingswerk als "mühsame Zusatzbeschäftigung", wie sich Reinhard Krennhuber, einer der Gründer und Ex-Chefredakteur, anlässlich der derzeit erhältlichen 100. Ausgabe und des 15-Jahres-Jubiläums erinnert. Denn dass nicht jeder für die "offensive Erweiterung des Fußball-Horizonts", den man sich auf die Fahnen und in den Subtitel des Magazins geschrieben hatte, zu erwärmen war, zeigte sich damals etwa beim Ländermatch gegen die Niederlande: Im ausverkauften Happelstadion brachte man gerade fünf Stück an den Mann - "stattdessen regnete es sachliche Bekundungen à la: San da a Nackerte drin?", schreibt Krennhuber.

Angewiesen auf Leidenschaft
Nun, Nackerte finden sich eher selten im "ballesterer"; stattdessen Hintergrundgeschichten, "in denen gesellschaftspolitische Zusammenhänge aufgezeigt und Fananliegen gleichwertig behandelt werden", wie Jakob Rosenberg, seit 2012 Chefredakteur, erklärt. Und statt weniger Stück, gedruckt im Copyshop und per Hand zum weiteren Vertrieb in die Studenten-WG geschafft, kann man nun auf eine Auflage von rund 20.000 Stück verweisen, die in Österreich, Deutschland und der Schweiz verkauft werden. Als klassisches Fanzine gegründet, entstanden aus der Leidenschaft von Fans, geschrieben für Fans, hat sich der "ballesterer" nun als Monatsmagazin seinen Platz in der heimischen Sportberichterstattung erarbeitet. 2009 wurde von sechs Autoren die "ballesterer Zeitschriftenverlag GmbH" gegründet, als Herausgeber tritt der hauseigene Verein auf; vor einigen Jahren stellte man von ehrenamtlicher Tätigkeit um, sodass nun Honorare bezahlt werden können. Eine Gratwanderung, gibt Rosenberg zu, schließlich ist die Gefahr, mit der Professionalisierung den Draht zur Basis zu verlieren, nicht gänzlich von der Hand zu weisen. "Es ist immer ein Abwägen. Wir haben Schritte zur Professionalisierung gesetzt, sind aber noch immer angewiesen auf die Leidenschaft und haben nach wie vor den Ausbildungsanspruch", erklärt er. "Durch unser enges Betreuungsverhältnis haben wir bisher die Basis breit gehalten, daher habe ich diesbezüglich keine Angst."


"Alle Seiten anhören"
Andererseits aber ist es mitunter auch diese Nähe zur Basis, die mancherorten auf Kritik stößt; schließlich deckt sich die Stimme der Fankurven nicht immer mit jener des offiziellen Österreich. Von Gewalt distanziert sich der "ballesterer", der viele Schwerpunkte gegen Diskriminierung setzt, zwar klar, bei Themen wie Pyrotechnik hört man indessen schon manchmal, zu viel Nachsicht walten zu lassen. "Wir lassen die organisierte Fanszene stark zu Wort kommen. Aber es ist unser Verständnis von Journalismus, alle Seiten anzuhören", sagt Rosenberg.

Besonders stolz ist er auf Geschichten, die Debatten über den Fußball hinaus angestoßen haben: Etwa eine Reportage über eine Fahrt mit Napoli-Fans zum Serie-A-Auftakt 2008 in Rom, als der "ballesterer" von Schikanen und Polizeigewalt berichtete, die es ins italienische Parlament schaffte und ein RAI-Team nach Wien brachte; sowie einen kritischen Bericht über Rapids Umgang mit der Vergangenheit in der Nazizeit 2009. Zunächst konsterniert, beauftragte Rapid schließlich Autoren des Magazins mit der Aufarbeitung im Rahmen des Projekts "Grün-Weiß unter dem Hakenkreuz". Mit solchen und ähnlichen Themen will man auch in Zukunft wachsen, "gute Geschichten machen und möglichst noch mehr Menschen erreichen", sagt Rosenberg, wenngleich die Zeiten durch den "schwierigen Markt" und den "Druck auf dem Anzeigenmarkt" auch für Fanzines nicht gerade einfach sind - und der "ballesterer" weiterhin nicht mit Nackerten punkten will.




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Dokument erstellt am 2015-03-31 11:56:05
Letzte nderung am 2015-03-31 12:16:20



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