• vom 07.10.2016, 17:34 Uhr

Fußball


Fußball-WM-Qualifikation

Mehr Licht als Schatten




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Von Christian Mayr

  • Mit einer Leistung wie gegen Wales kann das ÖFB-Team auch am Sonntag in Serbien bestehen.

In der Ruhe liegt die Kraft. Marcel Kollers Elf bewies gegen Wales Moral. - © apa/Hochmuth

In der Ruhe liegt die Kraft. Marcel Kollers Elf bewies gegen Wales Moral. © apa/Hochmuth

Wien. Vier Punkte nach zwei Qualifikationsspielen - so steht es im Herbst 2016 (WM), so stand es im Herbst 2014 (EM) für das ÖFB-Team. Somit ist auf dem Weg zur Endrunde nach Russland noch alles offen, und die zwei abgegebenen Punkte am Donnerstagabend gegen Wales (2:2) müssen sich am Ende nicht zwangsläufig negativ bemerkbar machen. Wo die Elf von Marcel Koller wirklich steht, wird man wohl erst nach den beiden bevorstehenden Partien gegen unmittelbare Konkurrenten um ein WM-Ticket wissen - am Sonntag (20.45 Uhr/ORFeins) in Belgrad gegen Serbien und am 12.November (18 Uhr) in Wien gegen Irland. Knüpft die nach der EM-Endrunde arg gescholtene Nationalmannschaft an die Leistung gegen den EM-Semifinalisten an, braucht sie beide Gegner aber nicht zu fürchten. Denn im Prater überwogen die Licht- die Schattenseiten.

Vor allem in der Offensive funktionierte das schnelle Zusammenspiel fast wieder so wie in den besten (EM-Qualfikations-)Zeiten: Überragend war nicht nur Doppeltorschütze Marko Arnautovic, der den Walisern mit Schnelligkeit, Esprit und Einsatz zusetzte, sondern auch David Alaba, der sich - etwas zurückversetzt - gegenüber seinen jüngsten Team-Auftritten stark verbessert zeigte. Mit etwas mehr Glück oder mehr Torinstinkt hätten mindestens drei Tore mehr herausschauen müssen.


Augenfällig war, dass auch die Moral der Mannschaft stimmt und spätestens jetzt die kolportierten teaminternen Querelen zu vergessen sind. Zwei Rückstände, die aus zwei dummen Fehlern resultierten, wurden im Stil einer Klasse-Elf weggesteckt; statt zu verzweifeln, folgte jeweils rasch der Gegentreffer. Und bis zur letzten Minute wurde um das Siegestor gekämpft und darob den zeitschindenden Walisern sogar der Ball zum Corner nachgetragen.

Apropos Corner: Die Tor-Ungefährlichkeit bei Standardsituationen ist aber nach wie vor ein eklatantes Manko der ÖFB-Truppe: Nur bei einem von sechs Eckbällen wurde Gefahr erzeugt; Freistöße aus erfolgsversprechenden Distanzen waren leichte Beute für Keeper Wayne Hennessey. Zugleich geriet die Defensive bei fast jedem ruhenden Ball der Briten in ärgste Bedrängnis - und das Einwurf-Trauma nach dem Island-Tor bei der EM wurde auch noch nicht besiegt. Im Gegenteil: Die Out-Flanken von Gareth Bale waren so ziemlich das Gefährlichste, was die Waliser zu bieten hatten; dass eine den Weg ins Tor finden würde (zum 1:2), war die logische Folge. Dabei sah der überraschend als Linksverteidiger aufgebotene Kevin Wimmer nicht gut aus: Nicht so sehr, weil er unglücklich zum Eigentor getroffen wurde, sondern weil er das Kopfballduell am Fünfer verloren hatte. Auch die dem 0:1 vorangehende Kerze ging auf seine Kappe. Da er sich in Hälfte zwei erfing und von Koller letztlich gelobt wurde, könnte es für den gelernten Innenverteidiger ein Dacapo auf Links in Serbien geben. Ideallösung ist er aber noch keine.

Dasselbe gilt für den rechten Flügel, wenn Martin Harnik ausfällt: Sein Ersatz Marcel Sabitzer war weitgehend abgemeldet und konnte über diese Seite keine Akzente setzen. Ob Koller gegen Serbien den torgefährlicheren Alessandro Schöpf auf der Position eine Chance gibt, bleibt abzuwarten. Gegen die Serben sollte es vorne prinzipiell mehr Räume geben, wovon wiederum Marc Janko profitieren könnte. Der ÖFB-Goalgetter war in der walisischen Fünferkette gut aufgehoben, hielt aber nach seiner Verletzungspause immerhin über die volle Distanz durch.

Die Devise gegen die Serben ist jedenfalls klar: "Wir wollen frech und mutig mitspielen und unseren Weg weitergehen", erklärte Koller. "Sie haben gute Dribbler, da müssen wir dagegenhalten." Nach zuletzt blamablen Ergebnissen geht es mit den Serben unter Neo-Coach Slavoljub Muslin wieder bergauf - am Donnerstag wurde Moldawien ungefährdet mit 3:0 besiegt. Daher dürfen sich die ÖFB-Spieler auf mehr heißblütige Fans als beim Heim-Auftakt gegen Irland (2:2), der in Belgrad vor nur 7900 Fans über die Bühne ging, gefasst machen.

WM-Qualifikation, Gruppe D:

Sonntag:

Wales - Georgien 18.00 Uhr

Serbien - Österreich 20.45 Uhr

Moldawien - Irland 20.45 Uhr

1. Wales 2 6:2 4

2. Serbien 2 5:2 4

3. Österreich 2 4:3 4

4. Irland 2 3:2 4

5. Georgien 2 1:3

6. Moldawien 2 0:7




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Dokument erstellt am 2016-10-07 17:38:13



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