• vom 10.10.2016, 17:05 Uhr

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Abwehr als Achillesferse




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  • WM-Qualifikation: Die Defensiv-Schwäche des ÖFB-Teams setzte sich beim 2:3 in Serbien fort.

"Was ist da hinten bloß los?" , schien sich auch Teamchef Marcel Koller in Belgrad gedacht zu haben.

"Was ist da hinten bloß los?" , schien sich auch Teamchef Marcel Koller in Belgrad gedacht zu haben.© apa "Was ist da hinten bloß los?" , schien sich auch Teamchef Marcel Koller in Belgrad gedacht zu haben.© apa

Wien. (may) Nur fünf Gegentore hat Österreichs Nationalteam in der gesamten EM-Qualifikation kassiert - also in insgesamt zehn Partien. In der laufenden WM-Qualifikation sind es nach nur drei Spielen schon deren sechs. Diese Gegenüberstellung verdeutlicht sehr anschaulich, wie sich die bei Amtsantritt von Marcel Koller als Schlüssel zum Erfolg auserkorene Abwehr derzeit präsentiert. Allen drei Gegentoren bei der 2:3-Niederlage gegen Serbien am Sonntagabend in Belgrad gingen massive Fehler im Defensivverhalten voraus - somit schloss Österreichs Hintermannschaft nahtlos an die Leistung beim Heim-2:2 gegen Wales an, als ebenfalls zwei dumme Tore die spielerische Überlegenheit zunichtemachten und den möglichen Sieg verhinderten. Und während Kollers Offensivkräfte eine Fülle an Torchancen kreierten und langsam zu alter Form finden, ist die Abwehr derzeit alles andere als WM-tauglich.

Vor allem die Form der Akteure ist mitunter erschreckend:


Aleksandar Dragovic: Dem Abwehrchef ist die Verunsicherung aufgrund schlechter Leistungen beim neuen Klub Leverkusen unschwer anzumerken: Zweikampfverhalten, Stellungsspiel und Abwehrorganisation sind bei Österreichs teuerstem Transfer der Geschichte unter aller Kritik. Ein missglückter Abschlag, der den Serben kurz vor der Pause die Chance auf das 3:1 servierte, war deutlichstes Zeichen für die momentane Unform.

Kevin Wimmer: Gegen Irland am 12. November wird Koller wohl das Experiment mit dem England-Legionär als Linksverteidiger endgültig begraben müssen. Gegen Wales schon an beiden Gegentoren beteiligt, "steigerte" er sich gegen Serbien noch einmal: Beide Aktionen in Hälfte eins, die zu Toren führten, liefen über seine Seite; und beim Siegestor (74.) ließ er sich von Duan Tadić nicht nur düpieren, sondern sich auch im Sechzehner wie ein Juniorenspieler überlaufen. Vielleicht erklärt das, warum der 23-Jährige auf Links zuletzt bei den Lask-Junioren spielte. Die Lücke, die Christian Fuchs hinterlassen hat, ist viel größer als befürchtet.

Martin Hinteregger: Sein riskantes Vorrücken ging dem frühen Rückstand in Minute sechs voraus - mit einem einzigen Pass (Fersler) war die gesamte Hintermannschaft überspielt. Positiv ist, dass beim Augsburg-Legionär Selbstvertrauen und Zweikampfstärke noch intakt sind.

Florian Klein: Hinten brav und bemüht, machte der Stuttgart-Legionär nach vorne viel zu wenig aus seiner Dynamik und Schnelligkeit.

Julian Baumgartlinger und David Alaba: Auch die beiden defensiven Mittelfeldspieler fielen am Sonntag mit haarsträubenden Fehlern auf: Dem Neo-Kapitän wurde vor dem 1:2 der Ball bei einer Spielerei abgeluchst, nach vorne wiederum fehlten die kreativen Momente völlig. Alaba wiederum hätte beinahe ein Gegentor verschuldet, als er den Ball amateurhaft nicht ins Out spielte, während Baumgartlinger verletzt auf dem Boden lag. Seiner
(Welt-)Klasse unwürdig war auch jene Szene, als er - offenkundig unverletzt - bäuchlings am Boden liegen blieb und so der Ball fast verloren wurde. Damit machte er sich nicht ganz zu Unrecht zum Buhmann der serbischen Fans.

Koller nahm seine Abwehr am Tag nach der unnötigen Niederlage teilweise aber in Schutz, denn die Fehler seien aus dem mangelhaften Zusammenspiel zwischen Offensive und Defensive sowie dem Auseinanderdriften der Mannschaftslinien resultiert: "Wir waren viel zu weit auseinander", analysierte der Schweizer, der als Grund hierfür vor allem die Psyche ausmachte. "Das ist immer eine Kopfsache. Zurück ist halt immer ein Scheiß-Weg." Insgesamt sah er seine Elf aber mit dem Tabellenführer der Gruppe D auf Augenhöhe: "Es gab einige Dinge, die wir nicht so gut gemacht haben, aber auch viele gute Dinge", beteuerte der Teamchef. "Ein Unentschieden wäre gerecht gewesen." Faktum ist, dass die ÖFB-Elf gegen Irland schon gehörig unter Druck steht und dieses Spiel vorentscheidenden Charakter bekommt. Eine weitere Niederlage gegen einen direkten Konkurrenten um den Gruppensieg und das einzige Direkt-Ticket nach Russland ist fast verboten - ansonsten ist bei den ausstehenden Matches 2017 eine Siegesserie wie dereinst auf dem Weg nach Frankreich unumgänglich.

WM-Qualifikation, Gruppe D:

Serbien - Österreich 3:2

Wales - Georgien 1:1

Moldawien - Irland 1:3

1. Serbien 3 8:4 7

2. Irland 3 6:3 7

3. Wales 3 7:3 5

4. Österreich 3 6:6 4

5. Georgien 3 2:4 1

6. Moldawien3 1:10




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Dokument erstellt am 2016-10-10 17:08:07



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