• vom 18.10.2016, 19:58 Uhr

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Bad Boy Balotelli




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  • In Nizza hat sich der tief gefallene Fußballstar aus Italien wieder erfangen - am Donnerstag gibt es ein Duell mit Meister Salzburg.

Nizza/Wien. (may) Von 27 Millionen Euro Marktwert auf magere 6Millionen Euro - und das binnen nur drei Jahren. Wenn sich der Abstieg des Mario Balotelli in Zahlen fassen lässt, dann in jenen nach der festgelegten Ablösesumme. Kaum hatte er mit seinem legendären Kreuzeck-Knaller im EM-Semifinale 2012 die Deutschen im Alleingang ausgeschaltet, ging es für den italienischen Stürmer steil bergab statt - wie von vielen erwartet - in noch lichtere Höhen. Auf dem Weg zum gefeierten Wunderstürmer der Squadra Azzurra war sich der in Palermo geborene Sprössling ghanaischer Einwanderer aber wohl nur selber im Weg. Nach seiner durchaus erfolgreichen Zeit bei Manchester City folgte ein mehrmaliges Ping-Pong zwischen dem AC Milan und Liverpool, das vor allem durch Eskapaden auf und abseits des Platzes sowie nicht geschossener Tore geprägt war. Doch als der 26-Jährige schon zum hoffnungslosen Fall erklärt wurde, tauchte der Bad Boy plötzlich aus der Versenkung auf und führte seinen neuen Klub OGC Nizza an die Spitze der französischen Ligue 1.

Für österreichische Fußball-Fans bedeutet dies, dass sie den Exzentriker am Donnerstagabend (19 Uhr) in der Europa League beim Gastspiel der Südfranzosen in Salzburg bewundern können. Denn auch wenn sich die Skandale nach seinem Wechsel im Sommer an die Côte d’Azur aufgehört haben mögen, ein Ereignis ist der 1,89 Meter große Sturmtank alle mal noch. Früher mag er zwar oft seinem Kosenamen "Mad Mario" gerecht geworden sein (so verteilte er einmal in Manchesters Geld an Passanten), so dumm, um nicht zu wissen, dass Nizza seine letzte sportliche Chance sein würde, ist er aber gewiss nicht. Und tatsächlich scheint er seine Chance auch zu nützen, wie sein furioser Einstand bei Nizza mit bis dato fünf Toren samt Tabellenführung (vier Punkte vor Paris St.-Germain) beweisen. Das lässt die Verantwortlichen des vierfachen französischen Meisters wieder einmal vom Titel träumen, denn der bis dato letzte passierte vor einer halben Ewigkeit anno 1959.

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"Nicht zu viel erwarten"
Dieses Unternehmen wird wohl oder übel auch von der Laune und Treffsicherheit des Starstürmers abhängen. "Wir kennen das Risiko, das wir eingehen. Aber es ist eines, das ich mit Freude eingehe", merkte Klub-Präsident Jean-Pierre Rivère schon bei der Verpflichtung Balotellis an. Den Schlüssel zur Zähmung des widerspenstigen Italieners hält womöglich Neo-Trainer Lucien Favre in Händen, der sein Credo jüngst kund tat. "Er will auf das höchste Level zurück. Wir gehen das Schritt für Schritt an. Wenn man zu viel auf einmal erwartet, wird das nicht funktionieren." Da hat der ehemalige Gladbach-Coach wohl noch alle Hände voll zu tun, denn mit Balotelli scheinen auch in Nizza die Pferde durchzugehen. Die Trophäe des Weltfußballers sei nach wie vor Thema für ihn, meinte er gleich nach seinem ersten Doppelpack für Nizza. "Es ist noch nicht zu spät." Bei anderen Stürmern würde man sich über so viel Selbstvertrauen freuen, bei Balotelli jedoch weiß man nicht so recht, was man von solchen Aussagen halten soll. Die Gefahr, ins alte Skandal-Schema zurückzufallen, scheint nicht wirklich gebannt - dabei würde er gerne wieder das azurblaue Team-Trikot tragen. Also jenes, in dem er seinen bisher größten Auftritt als Spieler hatte.




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Dokument erstellt am 2016-10-18 16:14:02



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