• vom 18.05.2017, 19:01 Uhr

Fußball

Update: 18.05.2017, 19:01 Uhr

Fußball

Wer soll das bezahlen?




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  • In Deutschland ist die Debatte, ob der Fußball für erhöhten Polizeiaufwand zur Kassa gebeten werden kann, neu entfacht. In Österreich sind die Vereine für die Kosten im Stadion zuständig, nicht aber außerhalb.

Brennpunkt Weserstadion. In Bremen wird heftig über die Sicherheitskosten gestritten. - © Carmen Jaspersen/dpa

Brennpunkt Weserstadion. In Bremen wird heftig über die Sicherheitskosten gestritten. © Carmen Jaspersen/dpa

Bremen/Wien. (art) Es raucht wieder einmal in und um Deutschlands Fußballstadien - nicht wörtlich, aber doch in diesem Zusammenhang. Denn ein (erstinstanzliches) Urteil des Bremer Verwaltungsgerichts hat am Mittwoch die Debatte darum, ob Steuerzahler für erhöhte Polizeikosten wegen randalierender Fans aufkommen müssen, während die Liga finanziell von Rekord zu Rekord huscht, weiter angeheizt. Vor zweieinhalb Jahren hatte eine Gesetzesnovelle des Bremer Senats ermöglicht, dass die Stadt der Liga Gebühren für erhöhten Personal- und Arbeitseinsatz, der bei Risikospielen anfällt, in Rechnung stellt. In einem Musterverfahren, bei dem es um das Nordderby Werders gegen den HSV vom April 2015 ging, hat die Liga gegen einen entsprechenden Bescheid in der Höhe von 425.718,11 Euro geklagt (insgesamt belaufen sich die Forderungen für mehrere Spiele mittlerweile schon auf mehr als das Doppelte) - und vorerst Recht bekommen. Allerdings könnte sich dies noch als Pyrrhus-Sieg erweisen: Denn das Gericht wies zwar den entsprechenden Bescheid wegen handwerklicher Fehler, etwa Zweifel an der Berechnungsmethode, als rechtswidrig zurück, die Frage, ob die Weitergabe erhöhter Kosten aber an sich verfassungswidrig sei, blieb unbeantwortet. Damit beginnt in Deutschland, wo es heuer vermehrt zu Ausschreitungen gekommen ist, nicht nur ein womöglich langer juristischer Streit, sondern eine Debatte, die irgendwann auch einmal auf Österreich überschwappen könnte - auch wenn es in der ablaufenden tipico-Bundesligasaison abgesehen vom Derby im Februar vergleichsweise wenige gewaltsame Vorfälle gegeben hat und sowohl Bundesministerium und Polizei als auch Vereine, Liga und Verbände die Erfolge einer in den vergangenen Jahren ausgebauten Kooperation und Präventionsarbeit betonen. Gemeinsam wird vor den Spielen eine Risikoanalyse erarbeitet, anhand derer die Anzahl an benötigten Polizisten (samt szenekundiger Beamten) ermittelt wird, die zwischen wenigen Hundert und Tausend liegen kann.

Die Vereine kommen für den privaten Sicherheits- und Ordnerdienst sowie, geregelt nach der Sicherheitsgebührenverordnung im Veranstaltungsgesetz, die Polizei im Stadion auf und müssen gegebenenfalls Strafen entrichten. Für Einsätze außerhalb des Stadions tragen die Klubs allerdings keine finanzielle Verantwortung, wiewohl auch Bahnhöfe und andere öffentliche Plätze gerne als Schauplätze für Auseinandersetzungen gewählt werden. Dennoch halten die Beteiligten diese Regelung für ausreichend, zumal die Vereine auch in die Fanarbeit Geld stecken und auf den wirtschaftsankurbelnden Faktor des Fußballs verweisen. Dies ist auch ein Hauptargument der DFL: Laut einer Studie übersteige die Wertschöpfung durch den Fußball die Kosten bei Weitem. Reinhard Rauball, Aufsichtsratschef der DFL, zeigte sich über das nunmehrige Urteil erleichtert, bezeichnete es aber lediglich als "Zwischenschritt". Er dürfte Recht behalten, denn der Konter von Bremens Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) folgte postwendend: "Das ist der Auftakt, nicht das Ende der Veranstaltung", sagte er - und kündigte an: Man werde jedenfalls weiter Rechnungen schicken.

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Dokument erstellt am 2017-05-18 16:15:05
Letzte nderung am 2017-05-18 19:01:17



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