• vom 11.06.2017, 15:46 Uhr

Fußball

Update: 11.06.2017, 15:46 Uhr

WM-Qualifikation

Kollers Endspiel




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Von Christian Mayr

  • Bei einer Pleite gegen Irland ist auch das Ende des ÖFB-Teamchefs besiegelt.

Teamchef Marcel Koller blickt dem Entscheidungsspiel am Sonntag in Irland entgegen. - © reuters/Foeger

Teamchef Marcel Koller blickt dem Entscheidungsspiel am Sonntag in Irland entgegen. © reuters/Foeger

Dublin/Wien. So schnell kann es gehen im Fußball. Vor einem Jahr durften Österreich Fans vor dem Auftaktmatch gegen Ungarn bei der EM-Endrunde in Frankreich noch von Achtel-, Viertelfinale oder gar mehr träumen, ehe die unerwartete 0:2-Niederlage die so hoch gehandelte ÖFB-Truppe vollends aus dem Gleichgewicht bugsierte und ihr einen steilen Sinkflug bescherte. Denn nach einer bis dato mauen WM-Qualifikation steht am Sonntag (18Uhr/ORFeins) in Irland ein echtes Finale an - mit der Perspektive, dass eine Niederlage das frühe Ende aller WM-Träume in der mäßig schweren Gruppe D bringt.

Doch es geht nicht nur um die Nationalmannschaft, die letztmals 1998 zu WM-Ehren kam, sondern auch für Teamchef Marcel Koller gibt es ein ganz persönliches Endspiel. Der mit seinem Team hochgestiegene und zuletzt - auch dank zweifelhafter taktischer Varianten und ungewöhnlicher verbaler Ausrutscher - wieder in der Fan-Gunst abgesackte 56-jährige Schweizer wird seine Tätigkeit spätestens am 9.Oktober zum letzten Qualifikationsspiel in Moldawien beenden, wenn in Irland nicht gepunktet wird.

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Das wissen alle Beteiligten - auch, wenn es im Vorfeld der Partie auf der Grünen Insel niemand offen ausspricht. "Es ist völlig übertrieben, jedes entscheidende Spiel als Gottesurteil über den Teamchef hochzustilisieren", meinte ÖFB-Präsident Leo Windtner, der sich demnächst selber der Wiederwahl stellen muss, recht plastisch. Doch vielsagender ist sein Nachsatz punkto Misserfolgs-Fall: "Wenn es so ist, muss man die Situation analysieren und dann handeln." Auch Koller umschiffte das Thema und versuchte Druck von der Mannschaft zu nehmen, indem er den Zwang zu siegen abschwächte: "Es ist ein Spiel, das wir gewinnen wollen. Wenn wir nicht gewinnen, sollten wir zumindest schauen, dass wir einen Punkt mitnehmen. Das ist der Fokus. Alles andere wird sich dann zeigen." Tatsächlich dürfte aber ein Punkt zu wenig sein, zumal die Iren - gemeinsam mit den Serben - bei klar besserem Torverhältnis vier Punkte vor der ÖFB-Elf liegen. Und selbst der nur zum Play-off berechtigende zweite Gruppenplatz bliebe dann ja auch noch in weiter Ferne. Wahrscheinlich kann also nur ein Sieg gegen die kampfstarke Truppe von Martin O’Neill die im November 2011 begonnene Ära Koller in die Verlängerung bringen.

Risiko mit Dreierkette
Dazu ist wohl auch eine Portion Risiko nötig, die bei Koller den Namen Dreierkette trägt. Bei der EM gegen Island (1:2) erstmals aus dem Hut gezaubert, dann wieder verräumt, um sie aus Mangel an Außenverteidigern im März gegen Moldawien (2:0) wieder einzusetzen, wurde sie nun im langen Trainingslager in Stegersbach und der Südstadt wieder und wieder geübt - ob die Dreierkette auch im 50.000er-Hexenkessel namens Aviva-Stadion hält, was sich Koller verspricht, wird man aber erst am Sonntag sehen. Martin Hinteregger, Aleksandar Dragovic und Sebastian Prödl sollten an sich die Klasse haben, die nicht rasend herumwirbelnde Offensive der Boys in Green im Zaum zu halten; allerdings hatte die ÖFB-Truppe schon beim 0:1 im Hinspiel große Probleme mit den unorthodoxen Vorstößen der robusten Iren. Da ist es jedenfalls kein Nachteil, wenn drei ihrer besten Akteure - Kapitän Seamus Coleman, Mittelfeldstar James McCarthy (beide Everton) und Stürmer Shane Long (Southampton) - verletzungsbedingt fehlen. Doch auch Koller muss mit Marko Arnautovic, Alessandro Schöpf, Marcel Sabitzer und Marc Janko Schlüsselspieler vorgeben.

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Dokument erstellt am 2017-06-09 15:59:07
Letzte nderung am 2017-06-11 15:46:22



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