• vom 29.06.2017, 07:00 Uhr

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Rohrkrepierer in Brasilien




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Von WZ-Korrespondent Tobias Käufer

  • Eigentlich sollte Red Bull Brasil die Rolle des Zulieferanten für die Teams in Leipzig, Salzburg und New York übernehmen. Doch das ambitionierte Projekt in Südamerika liegt sportlich in Trümmern.

In Brasilien hinkt Red Bull sportlich hinterher.

In Brasilien hinkt Red Bull sportlich hinterher.© Adriana Spaca/Brazil Photo Press/LatinContent/Getty Images In Brasilien hinkt Red Bull sportlich hinterher.© Adriana Spaca/Brazil Photo Press/LatinContent/Getty Images

São Paulo/Bogotá. Das Tor, das wieder einmal alle Träume des sportlichen und wirtschaftlichen Aufstiegs zunichte machte, fiel bereits in Minute acht: Nilo erzielte für die Gäste aus Espírito Santo das Tor zum 1:0-Endstand. Nicht Red Bull Brasil, sondern Espírito Santo darf nun weiter vom Aufstieg träumen. Die Gastgeber aber verspielten am sechsten und letzten Spieltag der Gruppe A14 der brasilianischen Serie D im Estádio Nabi Abi Chedid alle Chancen auf einen Aufstieg in die dritte Liga: Saison beendet, Träume geplatzt.

Von Euphorie war ohnehin nicht viel zu spüren: Laut Spielbericht verloren sich gerade einmal 230 Zuschauer in der weitgehend menschenleeren Arena. Sie spülten 1150 brasilianische Real, umgerechnet 342,18 Euro, in die Kassen. Angesichts der sportlichen Bedeutung dieses Endspiels eine erbärmliche Resonanz. Trotz allen Aufwands der Marketingabteilung ist es nicht gelungen, eine echte Fanbasis zu entwickeln. Im Großraum São Paulo ist die Konkurrenz mit zahlreichen Traditionsklubs wie den Corinthians, Palmeiras oder dem FC São Paulo eine ganz andere als im lange Jahre vom Fußball entwöhnten Großraum Leipzig. Niemand hat hier auf einen Retortenklub gewartet. "Mit der Niederlage ist Red Bull aus der Serie D ausgeschieden", heißt es lapidar auf der Website des Klubs, die ähnlich wie in Leipzig oder in Salzburg im Design des Getränke-Konzerns gehalten ist.

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Vor neun Jahren startete die Red Bull GmbH den Ableger in Campinas vor den Toren São Paulos. Die Konzernmanager entschieden sich nach ersten Überlegungen, einen Klub zu übernehmen, schließlich doch für eine Neugründung des Vereins. So ließen sich Firmenfarben und Logo besser integrieren. Wie groß die Euphorie war, zeigte die Tatsache, dass damals sogar nach einem Grundstück für den Bau einer eigenen Red Bull Arena gesucht wurde. Sie sollte ursprünglich bis zur WM 2014 fertiggestellt werden. Und gleich zu Beginn sicherte sich Red Bull die Dienste eines prominenten Trainers: Paolo Sergio, Weltmeister mit Brasilien 1994 und Champions-League-Sieger mit Bayern München 2001. Im klubeigenen Video rühmt Red Bull Brasil die hervorragenden Trainingsbedingungen im Zentrum Jarinbu, einem der besten des Landes. Englisch-Unterricht inklusive.

Nachwuchs ohne Perspektive
Neun Jahre später ist von der Euphorie nichts zu spüren. Der Klub dümpelt weiter trotz beträchtlicher Investitionen in den Niederungen des brasilianischen Fußballs. Daran kann auch ein vergleichsweise erfolgreiches Abschneiden in der Regionalmeisterschaft des Bundesstaates São Paulo nicht hinwegtäuschen. Auf der großen Bühne, der nationalen Meisterschaft, bleibt das Team weiter im Morast der Viertklassigkeit stecken. Am Sonntag nun der nächste Tiefschlag. Wieder kein Aufstieg, wieder ein Jahr verloren. Von der Strahlkraft eines zwar umstrittenen, aber immerhin sportlich erfolgreichen Siegeszuges von Red Bull Leipzig, ist der Konzernableger im Land des fünfmaligen Weltmeisters ebenso weit entfernt wie vom eigentlichen Ziel, aus Red Bull Brasil einen Talente-Zulieferer für die Klubs in Leipzig, New York und Salzburg zu machen. Besonders bitter trifft der Rückschlag die ambitionierte Jugendabteilung des Klubs. Den dort mit großem Aufwand ausgebildeten Talenten wird keine wirkliche sportliche Perspektive geboten. Die U20 des Klubs spielt auf Augenhöhe mit den großen Klubs Corinthians und Palmeiras. Die U17, U15 und U14 kämpfen in ihren Ligen um die Meisterschaft. Allein deshalb wird die Konzernmutter aus Österreich wohl doch noch einmal tief in die Schatulle greifen, um das Projekt zu retten.

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Dokument erstellt am 2017-06-28 16:06:06



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