• vom 17.08.2017, 21:30 Uhr

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  • Nach der EM kehrt im heimischen Frauenfußball wieder der bisweilen triste Liga-Alltag ein.

St.-Pölten-Spielerin Nadine Prohaska konnte im Teamdress auf sich aufmerksam machen.

St.-Pölten-Spielerin Nadine Prohaska konnte im Teamdress auf sich aufmerksam machen.© Hans Punz/apa St.-Pölten-Spielerin Nadine Prohaska konnte im Teamdress auf sich aufmerksam machen.© Hans Punz/apa

St. Pölten.(art/apa) Der große Hype ist vorbei, die rot-weiß-roten Fahnen sind eingerollt, und im österreichischen Frauenfußball beginnt nach der für das ÖFB-Team mit dem geteilten dritten Platz so erfolgreichen Europameisterschaft am Wochenende wieder der Liga-Alltag. Es werden freilich hauptsächlich andere Gesichter auf dem Rasen zu sehen sein, der überwiegende Teil der ÖFB-Equipe bestand aus Legionärinnen. Und auch die Rahmenbedingungen sind gänzlich andere: Spielten die EM-Halbfinalistinnen in den Niederlanden vor mehreren Tausend Zuschauern in den Stadien - sowie bis zu 1,36 Millionen beim im Elfmeterschießen verloren gegangenen Halbfinale gegen Dänemark vor den TV-Geräten im ORF -, fanden sich in den Ligamatches der Vergangenheit abgesehen von den Top-Partien bisher rund 100 bis 200 Besucher ein. Im Fernsehen herrschte bisher, sieht man von Champions-League-Begegnungen sowie dem Cupfinale im Vorjahr ab, ohnehin Mattscheibe.

Das mittelfristig zu ändern, hat sich der österreichische Fußballbund zum Ziel genommen, auch ein Ligasponsor soll gefunden, der Einstieg in den Fußball für junge Mädchen attraktiver gemacht werden. Den Schwung aus der EM, die Teamchef Dominik Thalhammer übrigens nachträglich eine Nominierung zur Wahl des Frauen-Welttrainers des Jahres einbrachte, wolle man dafür mitnehmen, betonten Verbandspräsident Leo Windtner und Sportdirektor Willi Ruttensteiner schon während der Europameisterschaft. Aktuell sind nicht einmal 20.000 Spielerinnen bei Vereinen registriert, die Anzahl in naher Zukunft auf 30.000 zu erhöhen, hat Windtner als Vorgabe ausgegeben: "Wir wollen in eine neue Dimension kommen. In den nächsten fünf bis zehn Jahren sollte das möglich sein", sagte er in den Niederlanden. Die EM sowie die veränderte Wahrnehmung des Frauenfußballs in Österreich, wo sich während des Halbfinales 12.000 Menschen am Rathausplatz und beim Empfang der Spielerinnen ebendort mehr als 1000 Besucher einfanden, ist freilich das eine - die Stärkung der nationalen Liga schon etwas ganz anderes. Denn diese leidet momentan unter anderem auch unter mangelnder Spannung. St. Pölten, wo im nationalen Zentrum für Frauenfußball auch viel für die Ausbildung getan wird, ist national das Maß aller Dinge; dreimal wurden die Niederösterreicherinnen, die in Jasmin Eder, Viktoria Pinther, der als Wechselspielerin überzeugenden Nadine Prohaska sowie Stefanie Enzinger, einer der Torschützinnen im letzten Gruppenspiel gegen Island, auch vier EM-Kaderspielerinnen stellten, zuletzt en suite Meisterinnen, fünfmal Cupsiegerinnen. Auch in der kommenden Meisterschaft führt wohl kein Weg an ihnen vorbei, dahinter sind Sturm Graz, Landhaus und der frühere Serienmeister Neulengbach am stärksten einzuschätzen. "Wir wollen wieder beide Titel holen und unsere Spielerinnen weiterentwickeln", erklärte SKN-Präsident Wilfried Schmaus.


Dominanz als Spaßbremse
St. Pölten ist seit dem 1. Juni 2014, als es gegen SV Neulengbach eine 1:4-Heimniederlage setzte, auf nationaler Ebene ungeschlagen. Eine perfekte Saison mit Siegen in allen 18 Meisterschaftsspielen, wie sie zuletzt Neulengbach vor drei Jahren glückte, hat das Damen-Team aus der Landeshauptstadt bisher aber noch nicht geschafft. Jeweils 17 Siege und ein Remis standen in den jüngsten drei Saisonen am Ende für den dominierenden SKN St. Pölten zu Buche, der auch finanziell am stärksten aufgestellt ist. Während sein Budget von Schmaus mit knapp unter einer halben Million Euro angegeben wird, kommen viele andere Teams nicht über die Grenze von 100.000 Euro hinaus.

Die nationale Dominanz sieht Schmaus zwiespältig. Freilich freut ihn der Erfolg, ein bisschen mehr Spannung täte aber gut, räumte er während der EM in einem Gespräch mit der APA ein. "Es macht keinen Spaß, wenn man ein Spiel mit zehn Toren Unterschied gewinnt."




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Dokument erstellt am 2017-08-17 17:15:05
Letzte nderung am 2017-08-17 20:09:05



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