• vom 20.09.2017, 17:34 Uhr

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Frankreich, wir kommen?




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Von Stefan Mayer

  • Trotz des klaren Sieges gegen Serbien wird die Zukunft nicht leicht werden für die ÖFB-Frauen.

Jubelbilder wie dieses bei der EM könnte es in Zukunft durchaus weniger geben.

Jubelbilder wie dieses bei der EM könnte es in Zukunft durchaus weniger geben.© Hanns Punz/apa Jubelbilder wie dieses bei der EM könnte es in Zukunft durchaus weniger geben.© Hanns Punz/apa

Krusevac. Die erste Aufgabe für das österreichische Frauen-Nationalteam nach der sehr erfolgreichen Europameisterschaft war nicht etwa ein freundschaftlicher Probegalopp, um die im Vorlauf und bei der Euro verfeinerten Mechanismen wieder aufzugreifen und weiter zu entwickeln, sondern gleich das Qualifikationsspiel gegen Serbien für die Weltmeisterschaft 2019 in Frankreich. Die zugeloste Gruppe ist bis auf die Ausnahme Spanien eine handhabbare, das war bereits vor der positiv gestalteten EM klar. Mit dem erreichten Halbfinale in den Niederlanden vor wenigen Wochen steigen allerdings die Erwartungen vonseiten des Verbands, der Medien und auch der (neugewonnenen) Fans. Zum einen gerechtfertigt und zum anderen alles andere als selbstverständlich. Das Spiel am Dienstag lief schon früh zugunsten der ÖFB-Frauen. Die erlernte Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor, gepaart mit einem serbischen Team, das in vielen Fällen überfordert war, ergab eine rasche 3:0-Führung, und das Spiel endete schließlich mit einem ungefährdeten 4:0-Sieg. Doch Österreich ist ein kleines Land, und dauerhafte Erfolge können im Nationalfußball - egal ob bei Herren oder Frauen - nicht garantiert werden und wären auch übertrieben zu fordern. Dennoch ist es natürlich möglich, einen Run für sich zu nutzen und eine Hochphase in die Länge zu ziehen. Der in vielen Ländern noch in den Kinderschuhen steckende Profi-Frauenfußball lässt es für Österreich zu, über einen gewissen Zeitraum hinweg weiterhin ein Niveau zu halten, das Teilnahmen an Europa- und Weltmeisterschaften nicht unrealistisch erscheinen lässt.

Österreich hat vielen Konkurrenten (noch) einiges voraus. Das 2010 gegründete Frauen-Leistungszentrum in St. Pölten beispielsweise. Unter der Leitung von Nationalcoach Dominik Thalhammer entwickelte sich dort die Talentschmiede des österreichischen Frauenfußballs. Dieses Zentrum könnte in absehbarer Zeit um ein zusätzliches im Herzen von Österreich erweitert werden - natürlich auch abhängig davon, wie viel Geld der ÖFB in Zukunft in den Frauenfußball investieren wird.


Geballte Kraft
Ein einziges Leistunszentrum birgt allerdings Gefahren für den Ligabetrieb. Der SKN St. Pölten ist bereits seit einigen Saisonen de facto unschlagbar und wird das auch in absehbarer Zeit bleiben. Was so viel bedeutet, wie dass es in der Frauen-Bundesliga einen Wettbewerb ab Platz zwei gibt und kein Team realistische Chancen hat, um den Meistertitel mitzuspielen. Die Attraktivität des Wettbewerbs leidet darunter. Und unter fehlendem Wettbewerb leiden wiederum die Zuseherzahlen, die notwendige Unterstützung durch Sponsoren und möglicherweise zukünftig auch der Nachwuchs. Der ausgelöste Kurzzeitboom durch den sommerlichen Erfolg trug auf internationaler Ebene bisher wenig zu den Zuseherzahlen der Bundesliga-Klubs bei. Im Schnitt sahen die ersten 18 gespielten Partien 120 Menschen.

In anderen Ligen Europas passiert im Moment um einiges mehr, um die Popularität und Professionalität zu heben. Man muss sich nur die weitgreifenden Reformen in Portugal ansehen, in denen die Profi-Fußballvereine verpflichtet werden, auch Frauen-Teams zu gründen, sollten sie noch keines haben. Das bringt, wie am Beispiel Sporting Lissabon zu sehen ist, viele Fans (im Schnitt 5000 bis 6000) zu den Frauenspielen und trägt dazu bei, dass junge Mädchen mit dem Sport beginnen. In Österreich fehlen allerdings klare Bekenntnisse vom ÖFB, wie auch von den Klubs der oberen Ligen. Bei Rapid spricht man von fehlenden Sportanlagen und Infrastrukturen, die es dem Verein erschweren, eine Frauenmannschaft ins Rennen zu schicken. Bei den Konkurrenten aus Favoriten gibt es zumindest eine Kooperation mit dem USC Landhaus. Sturm Graz ist neben St. Pölten der einzige Verein, der sowohl Herren- als auch Frauenbundesliga spielt.

Zukünftige Erfolge
Die Zeichen der Zeit und daher eine weitere Professionalisierung dürfen nicht übersehen werden. Andere Nationen schlafen nicht und nutzen aktuell die mediale Aufmerksamkeit, um ihre Ligen und Nationalteams in Stellung zu bringen. Es wird zwar nicht von heute auf morgen gelingen, dass Professionalisierungsmaßnahmen sportlichen Erfolg bringen, allerdings eignet sich hier als Beispiel Österreich, um zu sehen, wie schnell es gehen kann, ein konkurrenzfähiges Team zu formen, wenn nur gewollt wird. In mittelfristiger Zukunft ist man in einer Gruppe wie der aktuellen wohl nicht mehr der logische Mitfavorit auf Platz eins und eine Qualifikation für ein großes Turnier.




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Fußball, ÖFb-Frauen

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Dokument erstellt am 2017-09-20 17:39:13



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