• vom 23.09.2017, 09:30 Uhr

Fußball


Fußball-Geschichte

Von Eulen und Klingen




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Von Stefan Mayer

  • Nach einer mehrjährigen Pause wird am Sonntag in Sheffield wieder das berühmte Steel-City-Derby ausgetragen.



Sheffield. Vor 127 Jahren geschah so manch Historisches: Oscar Wilds Roman "Das Bildnis des Dorian Gray" erschien im "Lippincott’s Monthly Magazine", mit William Kemmler wurde erstmalig ein Mensch zum Tod durch den elektrischen Stuhl verurteilt, und mit Idaho beziehungsweise Wyoming bekamen die Vereinigten Staaten von Amerika einen 43. und 44. Bundesstaat dazu. Im Nordwesten Englands hingegen fand am 15. Dezember 1890 das erste Duell zwischen Sheffield Wednesday und Sheffield United statt, eines der ältesten Stadt-Derbys der Welt. 139 sollten folgen. Im 141. Spiel diesen Sonntag geht es, standesgemäß, um die Vorherrschaft in der Stadt.

Sheffield Wednesday wurde im Jahr 1867 unter dem schlichten wie auch schönen Namen The Wednesday gegründet. Mit diesem Datum sind die Blau-Weißen aus dem Norden der Stadt einer der ältesten Fußballvereine weltweit. Ausgangspunkt war der Wednesday Cricket Club, der im Jahre 1820 aus der Taufe gehoben wurde. Zu diesem kam 47 Jahre später eine Fußball-Sektion dazu. Der Name Mittwoch wurde deshalb gewählt, da das der Tag der Woche war, an dem die Gründungsmitglieder frei hatten von der Arbeit und sich dementsprechend dem Sport widmen konnten. Auch bei Sheffield United war der Start ein Cricket Verein. Der Sheffield United Cricket Club war der erste Sport-Verein Englands, der das Wort United verwendete. Die Wurzeln gehen hier auf 1854 zurück, damals bündelten lokale Klubs die Kräfte, und formierten sich unter diesem Namen. Fußball kam im Jahr 1889 dazu.


Scharfe Tiere

Ob in Sheffield am Ende die blau-weißen Fans von Wednesday am Ende vor Freude singen können oder die rot-weißen Spieler von United jubeln, wird sich am Sonntagnachmittag herausstellen.

Ob in Sheffield am Ende die blau-weißen Fans von Wednesday am Ende vor Freude singen können oder die rot-weißen Spieler von United jubeln, wird sich am Sonntagnachmittag herausstellen. Ob in Sheffield am Ende die blau-weißen Fans von Wednesday am Ende vor Freude singen können oder die rot-weißen Spieler von United jubeln, wird sich am Sonntagnachmittag herausstellen.

Vor dem Sportlichen muss noch eine Erklärung des Titels "Von Eulen und Klingen" folgen. Eulen, oder im Englischen Owls werden die Herren in Blau-Weiß, also Wednesday genannt. Dieser Spitzname kam mit dem Umzug 1889, als man aus der Stadt in den damaligen Vorort Owlerton übersiedelte, zustande. Dadurch, dass ursprünglich alle Sheffielder Sportvereine den Beinamen Blades, Klingen, hatten - geschuldet dem damals bekanntesten Gewerbe der Stadt, der Erzeugung von Klingen - sicherte sich Wednesday so ein Alleinstellungsmerkmal. Die Eule fand auch Einzug in das Vereinslogo, und seit 2016 wird wieder fast dasselbe verwendet wie bereits vor 60 Jahren. Unter dem Tier steht zusätzlich in Latein geschrieben: Consilio et Animis, was mit Mut und Weisheit übersetzt werden kann. Die rot-weißen Nachbarn hingegen schien der Spitzname Blades weniger zu stören, und somit werden sie auch heute noch so gerufen. Das Logo mit den zwei gekreuzten Klingen in Kombination mit der weißen Rose der Grafschaft Yorkshire tauchte erstmalig Mitte der 1950er Jahre auf den Trikots der Spieler auf.

Das sonntägliche Spiel ist das erste seit der Saison 2011/12. Damals eine Liga weiter unten als aktuell, in der League One, die in England die dritthöchste Spielklasse darstellt. Auf Championship-Ebene, der zweiten englischen Liga, traf man einander zuletzt in der Spielzeit 2009/10. Das ist auch die aktuelle Klasse, in der sich beide nach dem Aufstieg Uniteds befinden. Die erfolgreichste Zeit der Sheffielder Vereine liegt bereits lange zurück. Sehr lange sogar. Uniteds einziger Meistertitel gelang im Jahr 1898 und die vier Triumphe von The Wednesday konnten in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts und in der Zwischenkriegszeit eingespielt werden.

Österreichischer Beitrag
Doch ehemalige Erfolge zählen auf dem Rasen von heute nicht mehr. Im 141. Aufeinandertreffen wird Wednesday als Favorit in das Spiel gehen, ist der Klub doch deutlich länger in der Liga und spielte die vergangenen beiden Saisonen immer um den Aufstieg in die Premier League mit. Doch die Blades sollten nicht unterschätzt werden, denn sie starteten nach dem Aufstieg im April mit fünf Siegen und nur drei Niederlagen sogar etwas besser in die Saison als es die Eulen taten, und liegen aktuell auf einem der begehrten Play-off-Plätze, der am Ende das große Geld der Premier League bringen könnte. Am Sonntag kommt es möglicherweise auch zu einer österreichischen Beteiligung auf dem Feld. Seit Sommer 2013 spielt der ehemalige Rapid Wien- und ÖFB-Nachwuchsteamspieler Atdhe Nuhiu in der Stahl-Stadt für die Blau-Weißen. Seit vergangener Saison ist der 1,96 Meter große Mittelstürmer allerdings nur mehr Joker. Torgefahr geht vom aktuellen kosovarischen Nationalteamspieler - er ist in Prishtina geboren und kam als Kind nach Österreich - kaum mehr aus. In der laufenden Spielzeit wurde er in zehn Pflichtspeilen vier Mal eingewechselt und blieb dabei torlos. Wer den Treffer erzielt, wird den Fans von Wednesday am Ende wohl herzlich egal sein, und auch die United-Fans hoffen ihrerseits auf ein Tor, egal wie und von wem. Denn der Derby-Sieg ist schließlich das Wichtigste.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-09-22 17:09:09
Letzte nderung am 2017-09-22 17:21:07



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