• vom 28.09.2017, 22:19 Uhr

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Mit Anstand gehen




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  • Marcel Koller hätte sein Teamchef-Ende lieber erst nach der WM-Qualifikation erfahren - Pervan und Wolf neu im Kader.

Wien. (may) Um die ohnedies für die WM bedeutungslos gewordenen Qualifikationsspiele gegen Serbien (6. Oktober) und Moldawien (9. Oktober) ging es am Donnerstag nur am Rande. Schließlich war die Kaderbekanntgabe für diese beiden Partien der erste öffentliche Auftritt von Teamchef Marcel Koller, seitdem das ÖFB-Präsidium ihm den Laufpass - sprich: Nichtverlängerung des Kontrakts - gegeben hatte.

Wer dabei die große Abrechnung des Schweizers erwartet hatte, wurde jedoch enttäuscht: Koller vermied es demonstrativ, andere anzupatzen, und zeigte sich insgesamt viel lockerer als auf Medienterminen der vergangenen Monate. Die schärfste Spitze Richtung Verband war noch jene, dass er sich mehr Zeit gewünscht hätte: "Es wäre sicher besser gewesen, das erst nach diesen zwei Spielen zu machen." Lapidarer Nachsatz: "Das Präsidium hat entschieden, den Weg nicht weiterzugehen. Das war‘s."

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Allerdings hatte der 56-Jährige kurz nach der Niederlage in Wales, die gleichbeutend mit dem Ende der WM-Träume war, seinerseits durchblicken lassen, dass ein Teamchef-Wechsel bereits vor dem Serbien-Match sinnvoll wäre, wenn sein Vertrag nicht verlängert würde. Der ÖFB hat vor zwei Wochen letztlich entschieden, Koller dürfe nur den Kontrakt bis Jahresende erfüllen. Allerdings ist noch offen, ob Koller auch noch beim geplanten Trainingslager samt Testspiel Mitte November Regie führen darf. "Aktuell glaube ich, dass ich im November auch noch dabei sein werde." Die Gretchenfrage, ob er denn nach sechs Jahren Amtszeit gerne Teamchef geblieben wäre, wollte der 56-Jährige indes nicht beantworten: "Das muss jetzt nicht mehr beantwortet werden. Ich hätte mir intensiv Gedanken gemacht, aber das ist jetzt nicht mehr nötig." Generell appellierte er an alle Akteure, Würde zu bewahren: "Wichtig ist, dass man mit Anstand gehen und sich wieder in die Augen schauen kann", so Koller, der sich zwar über so manche Worte seiner Spieler zu seinem Abschied gefreut hat, diese aber auch nicht überbewerten will. "Im Fußball ist die Welt sehr klein, dementsprechend kann es schnell gehen, dass du den Trainer wieder vor dir hast, über den du vorher schlecht gesprochen hast." Sportlich geht er davon aus, dass alle Charakter zeigen und sich nicht hängen lassen werden - auch wenn man zu Hause gegen Serbien ein Auswärtsspiel erleben werde (35.000 Karten sind bereits weg). Schließlich kann der Tabellenführer in Wien die WM-Teilnahme fixieren. "Die meisten Spieler werden künftig wieder kommen, da ist es wichtig, mit der richtigen Einstellung aufzutreten", sagte Koller, der nämlichen Anspruch auch an sich selbst stellt: "Ich werde mich sicher nicht hängenlassen und alles versuchen, alles aus ihnen herauszuholen." Die jüngst von ÖFB-Präsident Leo Windtner geäußerte Kritik, das EM-Desaster sei nicht ausreichend aufgearbeitet worden, wollte Koller nicht öffentlich kommentieren; den ebenfalls angezählten Sportdirektor Willi Ruttensteiner lobte er aber. "Er hat mit neuen Strukturen viel weitergebracht." Die dahinköchelnde Diskussion über die ideale Spielposition für David Alaba kommentierte er indes neuerlich launig - das sei "eine alte Leier". Vorwürfe, wonach Alaba und Marko Arnautovic im Team des Sagen hätten, wies Koller energisch zurück: "Ich kann nur sagen, dass es so nicht ist."

Beide sind für die Oktober-Partien jedenfalls wieder einberufen - so wie die Neulinge Pavao Pervan (Lask-Torhüter) und Hannes Wolf (Salzburg-Mittelfeldspieler). Beide seien "Zukunftsspieler für Österreich". In einer Zukunft ohne Marcel Koller.




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Dokument erstellt am 2017-09-28 22:24:06



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