• vom 11.10.2017, 16:43 Uhr

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Update: 11.10.2017, 18:33 Uhr

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Letzte Rettung Löw?




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Von WZ-Korrespondent Tobias Müller

  • Die Niederlande verpassen die WM-Endrunde in Russland und stehen vor einem Scherbenhaufen.

Arjen Robben verabschiedete sich mit zwei Toren aus dem Team. Das Verpassen der WM konnte aber auch er nicht verhindern. - © Emmanuel Dunand/afp

Arjen Robben verabschiedete sich mit zwei Toren aus dem Team. Das Verpassen der WM konnte aber auch er nicht verhindern. © Emmanuel Dunand/afp

Amsterdam. Nehmen wir Georginio Wijnaldum. Beim FC Liverpool ist er ein Star, in der Amsterdam Arena war er Dienstagabend mit dem Latein am Ende. Als er nach dem wertlosen 2:0-Sieg der einst so stolzen Oranje-Auswahl gegen Schweden die Kabine verließ, gab er ein Interview, das vor allem aus Drucksen und Schulterzucken bestand. Hatten Sie noch an die Qualifikation geglaubt? Wie war das, als es dann auf einmal 2:0 stand? Und wer soll eigentlich den Verlust von Arjen Robben ersetzen, der mit seinen Toren für den Sieg sorgte, nach 96 Länderspielen aber nicht mehr für Oranje auflaufen wird?

Wijnaldum wusste es nicht, und wer wollte ihm das verdenken? Nur auf die Frage, was sich verändern müsse rund um das kriselnde Oranje, kam die Antwort wie aus der Pistole geschossen. "Sehr viel." Eine Erkenntnis, die soweit von allen Voetbal-Liebhabern des Landes geteilt wird. Nur: Was genau soll sich ändern? Alt-Trainer Huub Stevens monierte zuletzt, man müsse "mehr trainieren". Der derzeit wohl angesehenste niederländische Coach, Peter Bosz, gab aus Dortmund zurück, in Deutschland werde auch nicht mehr trainiert, vielmehr gehe es um Qualität und Inhalt des Trainings. Fazit: eine tiefe Unsicherheit allenthalben, die indes kein neues Phänomen ist in den fußballverrückten Niederlanden. Davon zeugen das peinliche Personalkarussel auf der Trainerbank der Elftal, wo in den letzten Jahren als Bondscoach und vor allem dessen Assistenten ständig neue Gesichter Platz nahmen, deren Namen an bessere Zeiten erinnerten. Nachhaltig war das alles nicht, und auch nicht so gemeint: Schon der Wechsel von Danny Blind zu Dick Advocaat war dem verzweifelten Wunsch geschuldet, das sinkende Schiff irgendwie noch zur WM zu lotsen. Bezeichnend, dass Advocaat nun einräumt: "Diese Qualifikation war schon verloren, ehe ich begann."

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Nun ist also eingetreten, was zahlreiche Kommentatoren seit Monaten an die Wand schwarzgemalt haben - in einem durchaus bemerkenswerten Zynismus, von dem man freilich weiß, dass er aus enttäuschter Liebe entstand. Der Höhepunkt war wohl Hugo Borst, gleichermaßen bissige wie rührige Couch-Ikone ungezählter Turnier-Abenden im urgemütlichen WM-Studio des öffentlichen Fernsehens. "Ich geh’ lekker Blade Runner gucken", so Borst über seine Pläne für den vergangenen Samstag - anstelle des Oranje- Matches in Minsk, das dann freilich auch ein Gegurke erschreckender Dimensionen wurde.

Elftal an der Weggabelung
Im Studio des gleichen Senders duellierten sich am Ende einer deprimierenden Qualifikationsserie die Altstars Rafael van der Vaart und Pierre van Hooijdonk, Standard-Analyst des Senders NOS. Van Hooijdonk plädierte dafür, endlich einen ausländischen Trainer anzustellen, um dem niederländischen Fußball neue Impulse zu geben. Van der Vaart dagegen brach eine Lanze für das alte Selbstverständnis der offensiven holländischen Schule, die nur mit einem internen Bondscoach zu neuer Blühte kommen könnte. An just dieser Weggabelung steht die Elftal, und mit ihr der seit Jahren auf Schlingerkurs befindliche KNVB. Wobei sich hinter der Frage nach einem nieder- oder ausländischen Coach auch das schon länger brüchige Selbstverständnis einer Kicker-Nation verbirgt, die der Welt nicht weniger als den Totaal Voetbal schenkte. Dieses Problem ist alles andere als neu: Als sich Oranje noch für Turniere qualifizierte, sahen sich selbst erfolgreiche Bondscoaches noch in den K.o.-Runden starker Kritik für ihre vermeintlich unniederländische Spielweise ausgesetzt.

Jetzt, da auch die Erfolge aufgehört haben, ist die Verunsicherung umso tiefer. Piet de Visser, hochbetagter Experte, hat einen bemerkenswerten Vorschlag: Er empfiehlt dem KNVB, Jogi Löw als Bondscoach anzustellen. Sjoerd Mossou, Kolumnist des "Algemeen Dagblad", feiert dagegen die verpasste Qualifikation: "Nach drei Spielen chancenlos nach Hause fahren ist kein Fest, vor allem wenn man noch in Rostov und Moskau umsteigen muss."




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Dokument erstellt am 2017-10-11 16:48:05
Letzte nderung am 2017-10-11 18:33:26



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