• vom 14.11.2017, 10:00 Uhr

Fußball

Update: 14.11.2017, 14:20 Uhr

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Grantler mit Haltung




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  • 25 Jahre nach seinem Tod wird Ernst Happel gedacht. Der "Wödmaster" war ein Mann mit vielen Facetten.

Ernst Happel, originelles Original: 29. November 1925 - 14. November 1992.

Ernst Happel, originelles Original: 29. November 1925 - 14. November 1992.© Frank Leonhardt/dpa Ernst Happel, originelles Original: 29. November 1925 - 14. November 1992.© Frank Leonhardt/dpa

Wien. (art) Am Dienstag ist es nun genau 25 Jahre her, dass der damalige ÖFB-Teamchef Ernst Happel in Innsbruck einem Krebsleiden erlag. Einige der aktuellen Teamspieler, die nun, genau ein Vierteljahrhundert danach, in Wien gegen Uruguay zum Testspiel schreiten, waren damals noch nicht einmal geboren. Doch während andere verstorbene Kicker und Trainer in der schelllebigen Zeit des modernen Fußballs immer mehr in Vergessenheit geraten, ist Happel auch heute noch omnipräsent: als Namensgeber des Stadions, in dem Julian Baumgartlinger und Co. am Dienstag aufs Feld schreiten werden, als Ikone, der in zahlreichen Vereinsmuseen gedacht wird, als Trainer, der mit 18 Titeln einer der erfolgreichsten der Geschichte war, als Wuchtllieferant, der dem Fußball einige unvergessliche Anekdoten gebracht hat.

Ernst Franz Hermann Happel wird am 29. November 1925 in Wien in eine Wirtshausfamilie geboren, seine Leidenschaft gilt aber stets dem runden Leder. Mit 13 Jahren kommt er zu Rapid, wo er später zum Publikumsliebling avanciert und als Stopper Erfolge feiert. Sein vielleicht bestes Spiel als Aktiver ist vielen heute noch gut erinnerlich: Am 14. November 1956 erzielt Happel, der zwei Jahre davor beim dritten WM-Platz mit von der Partie war, beim 3:1 gegen die damalige Wundermannschaft Real Madrid alle drei Tore. Doch auch eigene Mitspieler waren vor seinen Schüssen nicht gefeit: Wenn ihm einmal in Testspielen aufgrund großer Überlegenheit langweilig wurde, versenkte er den Ball einfach im Gehäuse vom eigenen Tormann Walter Zeman, einem Lebensfreund Happels.

Legendärer freilich als seine Aktionen als Spieler waren seine Erfolge als Trainer: 1970 Meistercupsieger mit Feyenoord Rotterdam, 1983 mit dem HSV, dazu weitere 16 nationale und internationale Titel. Und bei all seinen Tätigkeiten offenbarten sich auch die vielen Facetten des Ernst Happel: Als gelernter Verteidiger - der freilich auch immer wieder Vorstöße wagte - kultivierte er mit seinen Mannschaften einen Stil, der auf Pressing und Offensive, ähnlich dem, was man heute unter Totaalvoetbal versteht, ausgerichtet war. Seinen Spielern verlangte er dabei alles ab, der ewige Kettenraucher, Casino-Gänger und Weinliebhaber legte größten Wert auf Disziplin.

Autorität durch Authentizität

Ein "Schleifer" sei er gewesen, erinnert sich Günter Netzer, "knallhart, aber menschlich". Nur lange Diskussionen waren seine Sache nie - weder mit den Spielern, denen er schon einmal nahelegte, "Staubsaugervertreter" zu werden, wenn sie Gesprächsbedarf hatten, noch mit den Journalisten, zu denen er ein ambivalentes Verhältnis pflegte. Nicht selten bekamen Vertreter der berichtenden Zunft seine mittlerweile zum Kultspruch gewordene Aufforderung, sie mögen sich doch bitte - wobei er auf das "bitte" gerne verzichtete - wahlweise "in’ Schnee" oder "in’ Koks hauen". Wirklich böse war dem notorischen Grantler, der durchaus auch eine soziale Ader hatte und abseits des Rasens als Familienmensch galt, allerdings niemand: zu groß der Respekt vor dem "Wödmaster", wie er genannt wurde, zu groß auch seine natürliche Autorität, die Happel allem voran seiner Authentizität zu verdanken hatte. Denn Happel kuschte vor niemandem, bewies Haltung, auch wenn es bisweilen nicht opportun erschien. Als 1978 die von ihm trainierte niederländische Elftal - die mit einem 1:3 gegen Gastgeber Argentinien in der Verlängerung des WM-Finales nur knapp am Titel vorbei schrammte - zum Bankett erscheinen sollte, zog er die Spieler kurzerhand aus Protest gegen die Militärjunta davon ab. Und obwohl ein Ernst Happel für den Soziologen Roman Horak in der heutigen Zeit nur schwer vorstellbar sei, wie er in einem Interview mit dem Sportportal 90minuten.at sagte, könne man von ihm einiges für die Gegenwart lernen. "Es braucht Typen, nicht angepasste Maturanten", sagt Horak. Ernst Franz Hermann Happel war ein solcher Typ. Mit ein Grund, warum die Erinnerungen auch 25 Jahre nach seinem Tod noch allgegenwärtig sind.





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Fußball, Ernst Happel

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-11-13 15:41:06
Letzte nderung am 2017-11-14 14:20:25



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