• vom 03.08.2017, 22:41 Uhr

Sport

Update: 04.08.2017, 06:39 Uhr

ÖFB

Bitteres Ende nach großem Kampf




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  • Die ÖFB-Frauen scheitern im Euro-Semifinale im Elfmeterschießen an Dänemark - und an den eigenen Nerven.



Breda. (klh) Der Elfmeter und die Österreicherinnen: So eine gute Beziehung hatten sie zueinander im Viertelfinale gegen Spanien, so vermaledeit war ihr Verhältnis im Semifinale gegen Dänemark. Die Österreicherinnen, die ihre Penalties gegen Spanien noch so souverän verwertet hatten, verschossen nun all ihre Elfmeter und katapultierten sich so im Semifinale aus dem Turnier. Die Däninnen siegten 3:0 nach Penalties.

Nicht nur scheiterten die ÖFB-Frauen drei Mal im Elfmeterschießen (Laura Feiersinger schoss über das Tor, Viktoria Pinther und Verena Aschauer scheiterten an Stina Lykke Petersen) - auch im Match selbst verschoss Sarah Puntigam einen den Österreicherinnen nach einem Handspiel zugesprochenen Strafstoß, der in der 13. Minute die Führung bedeuten und dem Spiel eine ganz andere Richtung geben hätte können. Was das Team in den letzen Spielen ausgezeichnet habe, die Nervenstärke bei den Elfmetern, "hat uns diesmal gefehlt", sagte Teamchef Dominik Thalhammer nach dem Match.

Was der Grund dafür war, konnten weder der Coach noch die Kapitänin Viktoria Schnaderbeck kurz nach dem Spiel beantworten. Doch ganz generell hatten den Österreicherinnen die Leichtigkeit, oder der immer wieder beschworene Flow, in diesem Spiel gefehlt. Sie waren taktisch hervorragen eingestellt, diszipliniert und fokussiert, doch immer wieder auch flatterhaft und fehleranfällig. Was allerdings auch an einem enorm starken Gegner lag.

Angriff auf Stabilität

Im Laufe des Turniers hatte die rot-weiß-rote Elf vor allem ihre Stabilität ausgezeichnet - die Däninnen versuchten diese nun ins Wanken zu bringen, indem sie die Österreicherinnen immer wieder früh in Zweikämpfe verwickelten. Vor allem die beiden Stürmerinnen Pernille Harder und Nadia Nadim bewiesen nicht nur ihre Spielstärke, sondern liefen die österreichischen Verteidigerinnen immer wieder an. So ergaben sich in der ersten Hälfte auch die besten Chancen der Däninnen nach Fehlern der Österreicherinnen. Den größten davon hatten sie in der 21. Minute. Nachdem Puntigam unabsichtlich Sanne Troelsgaard bedient hatte, setzte diese den Ball an die Latte.

Gefährlich wurden die Däninnen aber nur bei schnellen Ballgewinnen. Versuchten sie sich durchzukombinieren, stand die österreichische Hintermannschaft in ihrem 5-4-1-System zu dicht und gut organisiert. Und auch offensiv hielten die Österreicherinen, die immer wieder auf Pressing umstellten, gut dagegen und fanden Chancen vor. Nach einer flachen, offenbar einstudierten Eckballvariante und einem Schuss von Nina Burger rettete in der siebten Minute nur noch die Fußabwehr einer dänischen Verteidigerin die Skandinavierinnen vor dem Rückstand.

Die ÖFB-Elf, bei der in der 37. Minute Nicole Billa (nach einem nicht geahndeten hohen Bein der Dänin Maja Kildemoes) verletzt vom Platz musste, hatte in der ersten Hälfte zwar weniger Ballbesitz, aber, nicht zuletzt durch den Elfmeter von Puntigam, die besseren Chancen. Je länger die Partie dauerte, desto mehr kippte sie aber zum Vorteil der Däninnen. In der zweiten Hälfte kombinierten die Österreicherinnen zwar das eine oder andere Mal noch geschickt, kamen dabei aber, abgesehen von einer guten Kopfballmöglichkeit von Burger, nur zu Halbchancen. Wesentlich gefährlicher waren die Däninnen. Doch sowohl bei einem von Simone Boye Sörensen per Kopf verlängerten Nadim-Kopfball als auch bei einem Schuss von Harder zeichnete sich Torfrau Manuela Zinsberger aus. Diese spielte überhaupt eine überragende Partie und war auch in der Verlängerung der große Rückhalt.

Auch in dieser waren die Däninnen das überlegene Team, doch wieder schafften sie es trotz guter Chancen nicht, den Ball im Tor unterzubringen. Die Österreicherinnen hielten mit enorm viel Kampfgeist dagegen. Sinnbild für diesen Einsatzwillen waren Spielrinnen wie Feiersinger, die unermüdlich an der Seite auf und ab lief und sich zu jedem noch so schweren Schritt überwand. Doch all die gelaufenen Meter nutzen schließlich nichts, es kam das vermaledeite Elfmeterschießen und das bittere Ende.

Großes geleistet

"Natürlich ist die Enttäuschung riesengroß", sagte Kapitänin Schnaderbeck nach dem Spiel. Doch haben sie und ihre Mitstreiterinnen Großes erreicht: Sie waren das Überraschungsteam des Turniers, haben den sensationellen dritten Platz errungen und eine Euphorie für den Frauen-Fußball ausgelöst, wie sie zuvor in Österreich noch nie dagewesen war. Deshalb gab es auch noch einmal Lob von höchster Stelle. Ich bin stolz auf die Mannschaft, sie braucht den Vergleich mit den Männern nicht zu scheuen", betonte Bundespräsident Alexander Van der Bellen.

Für die Däninnen geht der Traum hingegen weiter. Sie treffen im Finale auf die Niederlande, die England mit 3:0 besiegten.

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Dokument erstellt am 2017-08-03 22:48:05
Letzte nderung am 2017-08-04 06:39:24



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