• Artikel vom 09.02.2011, 17:54 Uhr

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Update: 14.02.2011, 18:41 Uhr
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Das Sumoringen durchlebt in Japan nach einem Manipulationsskandal eine schwere Krise

Schattenseiten des Heiligtums


  • Erstmals seit 1946 Turnier abgesagt.
  • Schon viele Jahre Gerüchte über Betrügereien.
  • Tokio/Wien. (sir) Jahre, Jahrzehnte hatte der mächtige und unter staatlicher Führung stehende japanische Sumoverband auf Negieren und Dementieren gesetzt. Gerüchte über Matchabsprachen, Übergriffe bei der Ausbildung und Drogenmissbrauch hatte es zur Genüge gegeben, doch erst jetzt, da die Fakten auf dem Tisch liegen und Sumoringer Kampfabsprachen gestanden haben, reagierte der Verband.

In den Sumozentren wird nicht nur trainiert. Es gibt Übergriffe, Drogenmissbrauch und Kampfabsprachen. Foto: corbis

In den Sumozentren wird nicht nur trainiert. Es gibt Übergriffe, Drogenmissbrauch und Kampfabsprachen. Foto: corbis In den Sumozentren wird nicht nur trainiert. Es gibt Übergriffe, Drogenmissbrauch und Kampfabsprachen. Foto: corbis

Erstmals seit 1946 wurde eines der sechs großen Turniere, genannt Basho, abgesagt. Das mag aus Sicht Europas, wo das Sumo maximal als Kuriosität Beachtung findet, keine sonderlich große Katastrophe sein, in Japan ist das freilich anders. Die Geschichte des Sports reicht 1500 Jahre zurück, dagegen ist der Fußball mit seinen knapp 150 Jahren eine junge Trendsportart.

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Das Sumo ist ein nationales Heiligtum und eng mit dem Shintoismus verknüpft, der bestimmenden Religion Japans. Seit Jahren aber schon ist ein schwindendes Interesse zu verzeichnen, das aber mannigfaltige Gründe hat.

So ist es vielen Japanern nicht wirklich recht, dass immer mehr ausländische Ringer aus Hawaii, der Mongolei, Tonga, Samoa und Ex-Sowjetrepubliken das lukrative Sumo für sich entdecken und teilweise sogar dominieren. Wie etwa der derzeit beste Ringer Hakuho aus der Mongolei, der einzige Yokozuna, wie der höchste Rang in dieser Sportart genannt wird.

Hakuho ist nicht in den Skandal um Matchabsprachen verwickelt, der sich vorrangig in der zweiten Sumo-Liga abspielt, dennoch wurde ein Werbespot mit ihm bereits zurückgezogen. Schockiert gab der Seriensieger am Mittwoch eine Pressekonferenz, in der er im Namen aller Ringer um Entschuldigung bat.

Gewalt und Drogen

Die Absage des Basho in Osaka habe "ein Loch in mein Herz gerissen, deshalb habe ich mich krank gefühlt", sagte Hakuho. "Ich existiere nur wegen Sumo."

Gerüchte über Manipulationen waren erstmals in den Sechziger Jahren aufgetaucht, Mitte der Neunziger hat dann ein Buch für Aufsehen gesorgt, in dem der ehemalige Sumoringer Onaruto über Kontakte zur Unterwelt, Absprachen und Drogenkonsum schrieb. Einen Monat vor Erscheinen des Buches verstarb Onaruto ebenso wie sein Co-Autor an Organversagen. Am selben Tag, im selben Spital. Die Gerüchte aber rissen danach nicht ab.

Vor drei Jahren erst starb ein Sumo-Schüler, nachdem er von seinem Trainer geschlagen wurde. Und abermals machten Betrugsvorwürfe die Runde. Der Verband aber dementierte alles, negierte die Gerüchte. Nun steht er vor den Scherben seines Sports.

Der Staatssender NHK hat schon vor der Absage des Basho seine Übertragung storniert, der Verband nun Ermittlungen angekündigt. Spät, sehr spät und vielleicht auch zu spät.



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Copyright © Wiener Zeitung Online 2012
Dokument erstellt am 2011-02-09 17:54:00
Letzte Änderung am 2011-02-14 18:41:00

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