
Die von Beginn an krisengeschüttelte Bewerbung sollte ein Gesicht bekommen, und sie verpasste sich ein allseits beliebtes.
Und am Dienstag schien tatsächlich alles gut gelaufen zu sein für Witt und den Bewerbungs-Geschäftsführer Bernhard Schwank, als sie dem internationalen olympischen Komitee in Lausanne ein knapp 400 Seiten starkes Dossier überreichten, in denen die Pläne Münchens beschrieben sind. Nachdem schon die Kandidaten des Außenseiters Annecy und Pyeongchang ihre Unterlagen, die sogenannten Bid Books, abgegeben hatten, waren die Deutschen als Letzte dran.
Schlechte Optik
Dass man es überhaupt bis zum Ablaufen der Frist am selben Tag schaffen würde, war davor mancherorts schon bezweifelt worden. Doch als Witts Auftritt kam, sie danach umringt von Fotografen in die Kameras lachte, waren die Querelen der vergangenen Monate kurzfristig kein Thema mehr. Keine Frage, Witts Lächeln kann noch immer die Herzen so mancher zum Schmelzen bringen. Doch ob es auch Berge respektive Grundstücksgrenzen versetzen kann, ist eine weitaus diffizilere Frage. Und auf sie gab auch die offiziöse Übergabe der Bewerbungsunterlagen keine befriedigende Antwort.
Denn noch immer harrt der Streit zwischen Landwirten in Garmisch-Partenkirchen, dem programmierten Austragungsort der Skibewerbe und Standort eines der Athletendörfer, und Naturschützern auf der einen und den Olympia-Befürwortern auf der anderen Seite einer Lösung. Dass man die Probleme nicht einfach weglächeln kann, mussten Witt und Co. nur einen Tag später zur Kenntnis nehmen: Denn ausgerechnet in die Freude um den gelungenen Auftritt in Lausanne hinein platzte die Meldung, dass die Anhänger der "NOlympia"-Gruppierung ein Bürgerbegehren anstrengen. "Wir arbeiten sehr intensiv daran", sagte Sprecher Ludwig Hartmann dem "Münchner Merkur".
Wenn rund 1700 Unterschriften eingegangen sind, muss der Gemeinderat binnen eines Monats über die Zulassung entscheiden und die Befragung gegebenenfalls innert der folgenden drei Monate durchführen. Dass dies die Bewerbung noch kippt, ist zwar nicht anzunehmen. Doch die Optik wäre eine fatale: Sollte die IOC-Evaluierungskommission, die die Begutachtungstour durch die drei Bewerberländer Anfang März in Deutschland abschließt, den Eindruck bekommen, die Einwohner opponieren gegen das Projekt, würde dies wohl keine Pluspunkte für den im Mai zu veröffentlichenden Endbericht und die Wahl am 6. Juli bringen. Da würde dann selbst Katarina Witts Lächeln schwer dagegen ankommen.
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