
London. "Das wird das größte Ereignis in unserer Stadt seit 50 Jahren", posaunte Londons Bürgermeister Boris Johnson am Mittwoch bei einer großen Party auf dem Trafalgar Square. Anlass: In genau einem Jahr werden die Olympischen Sommerspiele in der Acht-Millionen-Einwohner-Metropole eröffnet. Die Countdown-Uhr am Trafalgar Square zählt die Tage bis zum Beginn der Spiele herunter. "Wir müssen die großartigsten Spiele aller Zeiten im großartigsten Land der Welt bieten", rief Premierminister David Cameron in die Menge. Tausende Briten wohnten der Party bei.
Dabei war in Großbritanniens Hauptstadt noch ein Monat zuvor von Olympia-Fieber nicht viel zu sehen. Einmal abgesehen davon, dass an allen Ecken und Enden der Stadt gebaut wird, musste man nach Hinweisen auf die Olympischen Spiele schon gezielt suchen. Die großen Bahnhöfe und Flughäfen der Stadt - fast weitgehend olympia-werbungsfrei. Und selbst in Stratford, dem im Osten gelegenen Stadtteil Londons, in dem der nagelneue Olympiapark mit den meisten Sportstätten aus dem Boden gestampft wurde, glänzen die fünf Ringe großteils durch Absenz. Einzig beim Olympiagelände selbst, sofern man es findet, bekommt man einen leisen Vorgeschmack auf das, was einen in einem Jahr erwartet. Meterhohe Stacheldrahtzäune. Videokameras. "Es tut mir leid, hier dürfen Sie nicht fotografieren", wird man von einem Sicherheitsbeamten höflich zurechtgewiesen. 600 Millionen Pfund (680 Millionen Euro) sollen in die Sicherheit der Spiele investiert werden. "Wir wollen die Spiele aber auch nicht unnötig stören", sagte der zuständige Staatssekretär Jeremy Browne noch im März. Zuschauer sollten nicht drei Stunden am Eingang schwitzend und mit schreienden Kindern in der Schlange stehen. Auch unter dem Eindruck des Terrors in Norwegen äußerte der Organisationschef der Spiele, Sebastian Coe, keine Bedenken. "Wir sind gut in Form, was die Sicherheit angeht", sagte der ehemalige Weltklasse-Mittelstrecken-Läufer am Montag.