
16 Jahre ist es her, dass die heimischen Tennis-Profis im Davis Cup eine Runde in der Weltgruppe überstanden haben. Aber Österreich hat im Tennissport nicht nur schon bessere Tage erlebt. Es gab auch schon bedeutend schlechtere. Ähnlich verhält es sich mit dem russischen Tennissport - wobei die Betonung im Moment wohl eher auf den ersteren Teil der Aussage zu legen ist. Denn anders als bei den Damen, wo Russland die Weltspitze seit geraumer Zeit mitbestimmt, war bei den Herren zuletzt ein deutlicher Rückfall zu erkennen. Der langjährige Top-Ten-Spieler Nikolaj Dawydenko ist nur noch auf Rang 36 der Weltrangliste zu finden. Auch Russlands Nummer eins, Michail Juschnij (ATP-Nr. 32), war schon deutlich besser platziert. Und dann wären da noch Dimitri Tursunow (41) und Igor Kunizyn (58). Anlass zur Hoffnung. Denn Russland ist vom 10. bis 12. Februar Österrreichs Gegner in der ersten Runde der Weltgruppe, wie die Auslosung in Bangkok am Mittwoch ergab. Was die Sache noch besser macht: Jürgen Melzer & Co. dürfen auf heimischen Boden agieren.
"Natürlich hätte es uns viel schlimmer treffen können. Ich habe immer gesagt: Wenn wir ein Heimspiel haben, wäre das optimal", freute sich Melzer gegenüber der APA. "Mit Russland haben wir einen Gegner gefunden, mit dem wir definitiv auf Augenhöhe sind und gegen den wir eine Chance haben, ihn zu Hause auch zu schlagen", ist Österreichs Nummer 1 durchaus optimistisch für diese Begegnung. Das Heimspiel sei ein Riesenvorteil.
Melzers Manager Ronnie Leitgeb, übrigens auch Manager von Nikolaj Dawydenko, sieht "eine 50:50-Chance". Neutral werde er allerdings nicht sein, sollte bei den Russen sein zweiter Schützling aufgeboten werden. "Meine Neutralität endet beim österreichischen Pass, ich bin schon Österreicher", meinte er lachend. Österreicher hätte übrigens auch Dawydenko einmal werden sollen. Ein Plan aus dem letztlich nichts wurde. Das hätte die Aufgabe vielleicht noch ein Stück leichter gemacht.
"Eigentlich ein sehr erfreuliches Los"
ÖTV-Generalsekretär und interimistischer Sportdirektor, Peter Teuschl, war ebenfalls höchsterfreut über den Gegner Russland. "Was will man mehr? Ich bin absolut zufrieden, vor allem über das Heimspiel. Mit Russland haben wir vielleicht sogar einen von den nicht ganz unüberwindbaren Gegnern. Eigentlich ist es für mich ein sehr erfreuliches Los", sagte Teuschl. Natürlich geht ab sofort die Schauplatz-Suche los. "Wenn ich mir etwas wünsche, dann eher den Osten von Österreich", erklärte er.
Der mit dem 4:1-Auswärtssieg in Belgien zurückgetretene Davis-Cup-Kapitän Gilbert Schaller, dessen Nachfolger in wenigen Wochen bekanntgegeben werden soll, hätte dieses Los wohl auch in seiner aktiven Zeit auf der Bank gerne genommen. "Man darf schon von einem Wunschlos sprechen, weil zu Hause gegen Russland sind alle Gegner in Reichweite von unserer Nummer 1. Da kann Jürgen durchaus zwei Punkte holen", glaubt Schaller.
Über die Belagswahl wollte sich noch niemand so kurzfristig äußern, denn dies müsse gut überlegt werden, meinten sowohl Melzer als auch Schaller.
Österreich ist bisher erst zweimal auf Russland (damals noch Sowjetunion) getroffen. 1981 setzte es in Pörtschach eine 0:4-Niederlage, 1984 in Yurmala ein 2:3. Sollte sich das ÖTV-Team erstmals seit 17 Jahren in die Runde der besten acht Nationen kämpfen, dann wird es allerdings extrem schwierig. Denn niemand zweifelt am Aufstieg von Spanien, das in der ersten Runde Kasachstan empfängt. Gegen Spanien müsste die rot-weiß-rote Equipe Anfang April übrigens auswärts antreten. Aber jetzt kommt erst einmal Russland. Und also die Hoffnung. (apa/rie)