• vom 28.07.2010, 22:42 Uhr

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Update: 28.07.2010, 22:43 Uhr

Der hoffnungsvolle Athlet




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  • Christophe Lemaitre gibt Europas Leichtathletik Hoffnung.
  • Europameister über 100 Meter in 10,11 Sekunden.
  • Barcelona/Wien. (man) Europas Leichtathletik ist auf der Suche nach Helden. Die Krise, die den Sport latent auf der ganzen Welt erfasst hat, ist in Europa besonders hartnäckig. Bei der gerade laufenden Europameisterschaft in Barcelona sucht man jene Typen, die Medien und Publikum wollen, vergeblich.

Frankreichs Christophe Lemaitre. Foto: Reuters

Frankreichs Christophe Lemaitre. Foto: Reuters Frankreichs Christophe Lemaitre. Foto: Reuters

Christoph Lemaitre ist auch nicht unbedingt das, was man unter perfekter Vermarktbarkeit versteht. Der 20-Jährige bezeichnet sich selbst als schüchtern.

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Doch Lemaitre hat das Potenzial, dem ganzen Sport einen Schub zu verpassen. Das liegt einerseits an seinen herausragenden sportlichen Fähigkeiten. Lemaitre kam erst mit 15 Jahren zur Leichtathletik, mit 18 wurde er über 200 Meter bereits Juniorenweltmeister, vergangenen Sommer verbesserte er den Junioreneuroparekord über 100 Meter auf 10,04 Sekunden.

So richtig für Aufsehen sorgte der Franzose aber erst vor knapp drei Wochen, als er bei den französischen Meisterschaften über die 100 Meter erstmals unter 10 Sekunden blieb. Das allein ist mittlerweile keine Sensation mehr, doch Lemaitre ist der erste Weiße, dem das gelang. Am Mittwochabend gewann er in 10,11 Sekunden - bei relativ starkem Gegenwind.

Das ist es, was viele Medien auf ihn aufmerksam machte - und was Lemaitre nicht wirklich schmeckt. "Ich habe diese überflüssige Dimension der Hautfarbe immer abgelehnt", sagt er, "ich habe getan, was ich tun muss und finde die Diskussion absurd."

Diskussion über die Leistungsfähigkeit

Doch die Diskussion ist längst in vollem Gange und dreht sich vor allem darum, ob schwarze Sprinter einen genetischen Vorteil haben und deshalb die Bestenlisten dominieren. Eine eindeutige Antwort auf diese Frage, die rassistischen Nebengeräuschen Tür und Tor öffnet, gibt es bisher nicht. Man hat das Gefühl, dass es mindestens so viele Ergebnisse, wie Studien gibt.

Der amerikanische Autor Jon Entine ist überzeugt, dass schwarze Athleten genetische Vorteile haben. Seine Begründung: 494 der 500 besten 100-Meter-Zeiten seien von Athleten mit westafrikanischen Vorfahren aufgestellt worden.

Yannis Pitsiladis von der Universität Glasgow nimmt die Gegenposition ein. Er hat die Gene einiger Spitzenathleten untersucht und behauptet, mit einem größeren Testpool beweisen zu können, dass schwarze Läufer keinen genetischen Vorteil hätten. Adrian Bejan, Professor an der Duke University in North Carolina, wiederum sagt, dass schwarze Sprinter aufgrund ihrer Nabelstellung bevorteilt wären. Der Nabel liege bei ihnen etwas tiefer als bei Weißen, was den Körperschwerpunkt nach unten verlagert. Wissenschaftliche Einigkeit sieht anders aus.

Doch Lemaitre interessiert das alles ohnehin nur am Rande, er will am Freitag über 200 Meter einen weiteren Europameistertitel nachlegen. Es wäre ein weiterer Schritt zum Heldenstatus.



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2010-07-28 22:42:36
Letzte Änderung am 2010-07-28 22:43:00


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