Melbourne.

Und die polnisch-stämmige Dänin eignete sich ja auch gut für die ihr zugedachte Rolle als neues Fräuleinwunder des Tennis: ein Teenager aus einer sportbesessenen Familie, der einen kometenhaften Aufstieg hinter sich und eine große Zukunft vor sich hatte und dazu Aussehen und Auftreten, wie man es von einem Star erwartet. "Ich mag das Rampenlicht. Ich mag es, wenn die Leute mehr von mir wissen wollen", flötete sie mit einer Mischung aus jugendlicher Naivität und Selbstbewusstsein damals bei jeder Gelegenheit in die Mikrofone.
Doch an Tagen wie diesem würde sich Wozniacki, mittlerweile 21, lieber verkriechen. Und das liegt nicht nur an der brütenden Hitze, die sich über Melbourne gelegt hat. Im Viertelfinale der Australian Open verlor sie gegen die Belgierin Kim Clijsters mit 3:6, 6:7 und damit auch den Anspruch auf die Spitzenposition in der Weltrangliste. Die hatte sie 67 der letzten 68 Wochen innegehabt, doch je länger ihre Regentschaft dauerte, desto mehr ist die anfängliche Begeisterung innerhalb der Szene in Skepsis umgeschlagen. Und wenn man nun etwas von ihr wissen will, ist es meist, warum sie noch immer keinen Grand-Slam-Sieg verbuchen konnte.
Kritik an Rangliste
Wozniacki, deren Image als Everybody’s Darling ebenso schnell wieder dahin war, wie es gekommen ist, reagiert zunehmend genervt auf diese Fragen. "Die Leute tun so, als ob meine Karriere bald vorbei wäre und mir die Zeit davonliefe. Aber ich habe noch einige gute Jahre vor mir", sagt sie.
Ihre Tage an der Weltranglistenspitze sind dagegen vorerst gezählt. Abhängig vom weiteren Verlauf des Turniers wird am Montag Viktoria Asarenka, Petra Kvitova oder Maria Scharapowa als neue Nummer eins aufscheinen. Für Martina Navratilova wäre Kvitova als Wimbledon- und Masters-Siegerin die logische Thronfolgerin. Die 55-Jährige hatte sich zuletzt überraschend deutlich in die Reihe der Kritiker Wozniackis eingefügt, deren führende Rolle sie sinngemäß als Missverständnis erachtete. "Niemand denkt, dass sie die wahre Nummer eins ist", hatte sie schon vor dem Viertelfinal-Aus der Dänin bemerkt und als Erklärung deren schlechte Bilanz gegen Topspielerinnen angegeben. Daher fordert Navratilova eine Rückkehr des Bonuspunkte-Systems, wie es früher in der Weltrangliste üblich war. "Beim derzeitigen System wird zu viel Gewicht auf Quantität und zu wenig auf Qualität gelegt", meint sie. Immerhin sagt sie auch, Wozniacki müsse sich nicht rechtfertigen - es sei die Damenvereinigung WTA, die umdenken müsse. Nach aufbauenden Worten klingt das freilich nicht.