Melbourne. Rafael Nadal hat das Endspiel der Australian Open erreicht. Der Spanier setzte sich im Halbfinale gegen seinen Schweizer Dauerrivalen Roger Federer mit 6:7 (5), 6:2, 7:6 (5), 6:4 durch. Nach 3:42 Stunden hartem Kampf und zum 18. Mal im 27. Aufeinandertreffen.
"Ich muss so spielen wie beim Masters in London", hatte Roger Federer vor dem Halbfinal-Match gegen Nadal gemeint. Es war eines dieser Matches, das einen mit offenem Mund zurückließ - damals. Federer, von Nadal schon oft genug niedergerrungen, ja sogar gedemütigt, hatte dem Spanier beim vorjährigen Saisonfinale nicht den Hauch einer Chance gelassen. Spielte im Grunde ein perfektes Match.
Und an diesem Donnerstag schien es zunächst ähnlich zu laufen. Federer erwischte, wie nicht selten, einen Blitzstart, zog schnell auf 3:0 davon, dominierte klar, während sich Nadal nicht aus der Defensive befreien konnte. Doch irgendwie, wie aus dem Nichts, kam der Spanier dann doch zu einer Breakchance, um diese dann auch prompt zu nutzen. Von da an war der Mallorquiner im Spiel. Im Tie-Break hatte dann aber doch Federer das bessere Ende für sich.
Spätestens im zweiten Satz schien die Erinnerung an London zu verblassen - auf beiden Seiten. Federer büßte an Aggressivität an, während Nadal immer mehr begann, auf Hochtouren zu laufen. Zwar ging der Schweizer erneut mit einem Break in Führung, Nadal glich aber sofort aus, um dann dem Weltranglisten-Dritten, den Aufschlag weitere zwei Male abzunehmen. Völlig den Faden verlor Federer gegen Ende des zweiten Satzes, nach einer Unterbrechung für ein Feuerwerk zu Ehren des australischen Nationalfeiertags.
Den dritten Durchgang begann der 30-Jährige mit einer Reihe von Doppelfehlern, vermied den Aufschlagverlust aber zunächst. Nadal war inzwischen der klar bessere Aufschläger. Völlig gegen den Spielverlauf breakte schließlich Federer, den Faden wieder gefunden, Nadal zum 4:3, aber nur um danach sein Service prompt wieder abzugeben. Wieder musste der Tie-Break entscheiden. Nadal zog auf 6:1 davon. Federer - mit der Alles-oder-Nichts-Taktik - verkürzte sogar noch auf 5:6 - zu mehr reichte es aber nicht mehr.
Auch im vierten Durchgang war Nadal, der zum richtigen Zeitpunkt die beste Leistung dieses Turniers abrufen konnte, der bessere Spieler. Das vorentscheidende Break gelang ihm schließlich zum 5:4. Mit dem Rücken zur Wand erkämpfte sich Federer zwar noch zwei Breakchancen, musste dann aber die Niederlage in Kauf nehmen.
"Bedauert mich nicht zu sehr"
"Ich habe den Eindruck, dass Rafael gegen mich immer eine Spur besser als gegen andere spielt", meinte Federer nach der Niederlage. "Aber es ist nicht so schlimm, bedauert mich nicht zu sehr."
Nadal also, darf sich auf das Endspiel freuen. Sein Gegner wird am Freitag zwischen Titelverteidiger Novak Djokovic und Andy Murray ermittelt. Und Federer? Bleibt immer noch die Erinnerung an London - und an Melbourne vor zwei Jahren. Dort hat der Schweizer seinen bisher letzten Grand-Slam-Titel errungen. Aber London kommt wieder. Heuer gleich dreifach - Wimbledon, Olympia und Saisonfinale.