• Artikel vom 30.01.2012, 16:24 Uhr

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Update: 30.01.2012, 16:36 Uhr
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Shaun White hat sich bei seinem X-Games-Erfolg wieder einmal selbst übertroffen

Sprung in neue Sphären


  • Das Gesicht des Snowboard-Sports steht schon vor nächster Herausforderung.

Aspen.

Shaun White (hier bei seinem Olympia-Erfolg) ist der unumstrittene Star der Branche. Doch die ist nicht nur begeistert.

Shaun White (hier bei seinem Olympia-Erfolg) ist der unumstrittene Star der Branche. Doch die ist nicht nur begeistert.© EPA Shaun White (hier bei seinem Olympia-Erfolg) ist der unumstrittene Star der Branche. Doch die ist nicht nur begeistert.© EPA

(art) Nein, auch ein Shaun White ist nicht unfehlbar. Während der X-Games in Aspen hat er sich im Training am Knöchel verletzt, seinen Start im Slopestyle-Bewerb abgesagt und um seine Teilnahme in der Superpipe gebangt. Es wäre eine mittlere Katastrophe für die X-Games gewesen. Sie sind die größte Veranstaltung für Snowboard- und Freestyle-Bewerbe und in der Szene selbst populärer als die als steif empfundenen Olympischen Spiele, und White ist ihr wichtigster Botschafter. Internet-Medien brachten Liveticker über seinen körperlichen Zustand, Kommentatoren rechneten durch, welchen Verlust sein Rückzug für die Veranstaltung bedeuten würde. Doch es kam anders: Der Superstar konnte antreten, und es stellte sich heraus, dass auch ein nicht hundertprozentig fitter Shaun White zu gut für den Rest der Welt ist. Er fuhr nicht nur, er zeigte als erster Athlet in der Geschichte des Sports einen Frontside Double Cork 1260, einen Zweifachsalto mit dreieinhalb Schrauben, und sicherte sich das Punktemaximum von 100 Zählern - ebenfalls als Erster. "Es ist kaum zu glauben", meinte er nachher, "die 100-Punkte-Marke zu knacken, habe ich mir schon lange vorgenommen."

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Dass Shaun White Rekorde bricht, ist allerdings nichts Neues. Mit elf Jahren ist er das erste Mal bei den X-Games angetreten, mit 16 hatte er sein erstes Gold und Werbeverträge in Millionenhöhe in der Tasche. Mit seinem jetzigen Erfolg sind es neben seinen zwei Olympiasiegen insgesamt 17 X-Games-Medaillen mit Snowboard und Skateboard, davon zwölf Goldene. Shaun White hat dem Snowboard-Sport mit seinen Tricks nahe an der Perfektion, seinen markanten Zügen, den Sommersprossen und den langen, lockigen roten Haaren ein Gesicht gegeben. Und er achtet penibel darauf, dass dieses nicht so schnell in Vergessenheit gerät, selbst wenn er sich länger nicht bei Bewerben blicken lässt. Dann sieht man ihn eben von Magazincovers und Plakatwänden schauen, in Hollywood-Produktionen, und man kann Shaun White auf dem Computer nachspielen.

Der echte, der von der spanischen Sportzeitung "Marca" als "Lionel Messi" des Schnees bezeichnet wird, trainiert derweil in Breckenridge, wo mit seinem Namen eifrig geworben wird, und studiert neue Tricks ein, die ihm wieder einen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz verschaffen. Auf diese Weise hat er den Snowboard-Sport auf eine neue Stufe gehoben, auch wenn die ständige Jagd nach dem Quäntchen Mehr bisweilen Kopfschütteln und Kritik hervorruft.

Aufholbedarf im Slopestyle
Denn White ist zwar das Aushängeschild der Szene, aber innerhalb dieser nicht rasend beliebt. Die PR in eigener Sache, die der 25-Jährige mit seinen Glamour-Auftritten, seiner eigenen Bekleidungslinie und dem Kult um seine Person betreibt, passt so gar nicht ins Bild einer Branche, die sich als Gegnerschaft des Mainstream und Kommerz versteht und in der Gemeinschaftsgefühl und Lässigkeit als höchste Ideale gelten. Nicht nur, aber auch deswegen brennt die Konkurrenz darauf, ihn, den Unschlagbaren, zu besiegen. Nach dem nunmehrigen Triumph scheint das freilich in weiter Ferne. Doch für die Olympischen Spiele 2014 stehen die Zeichen nicht auf aussichtslos. Zwar hat White der Gegnerschaft mit seinem neuesten Trick wieder etwas zu knabbern gegeben, doch im Slopestyle sieht die Sache ganz anders aus.

In Sotschi werden in dieser Disziplin erstmals Olympia-Medaillen vergeben, müßig zu erwähnen, dass Perfektionist Shaun White auch dort vorne dabei sein will. Es wird die nächste große Herausforderung seiner Karriere, vielleicht die größte. Bisher hat er noch alle gemeistert. Doch eine Bruchlandung der "Flying Tomato", wie er genannt wird, ist nicht auszuschließen. Denn nicht einmal ein Shaun White ist unfehlbar. Es gäbe wohl einige, die sich in diesem Fall die Hände reiben würden.




Schlagwörter

Snowboard, Shaun White, X-Games

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2012
Dokument erstellt am 2012-01-30 16:29:05
Letzte Änderung am 2012-01-30 16:36:48


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