Aspen.

Dass Shaun White Rekorde bricht, ist allerdings nichts Neues. Mit elf Jahren ist er das erste Mal bei den X-Games angetreten, mit 16 hatte er sein erstes Gold und Werbeverträge in Millionenhöhe in der Tasche. Mit seinem jetzigen Erfolg sind es neben seinen zwei Olympiasiegen insgesamt 17 X-Games-Medaillen mit Snowboard und Skateboard, davon zwölf Goldene. Shaun White hat dem Snowboard-Sport mit seinen Tricks nahe an der Perfektion, seinen markanten Zügen, den Sommersprossen und den langen, lockigen roten Haaren ein Gesicht gegeben. Und er achtet penibel darauf, dass dieses nicht so schnell in Vergessenheit gerät, selbst wenn er sich länger nicht bei Bewerben blicken lässt. Dann sieht man ihn eben von Magazincovers und Plakatwänden schauen, in Hollywood-Produktionen, und man kann Shaun White auf dem Computer nachspielen.
Der echte, der von der spanischen Sportzeitung "Marca" als "Lionel Messi" des Schnees bezeichnet wird, trainiert derweil in Breckenridge, wo mit seinem Namen eifrig geworben wird, und studiert neue Tricks ein, die ihm wieder einen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz verschaffen. Auf diese Weise hat er den Snowboard-Sport auf eine neue Stufe gehoben, auch wenn die ständige Jagd nach dem Quäntchen Mehr bisweilen Kopfschütteln und Kritik hervorruft.
Aufholbedarf im Slopestyle
Denn White ist zwar das Aushängeschild der Szene, aber innerhalb dieser nicht rasend beliebt. Die PR in eigener Sache, die der 25-Jährige mit seinen Glamour-Auftritten, seiner eigenen Bekleidungslinie und dem Kult um seine Person betreibt, passt so gar nicht ins Bild einer Branche, die sich als Gegnerschaft des Mainstream und Kommerz versteht und in der Gemeinschaftsgefühl und Lässigkeit als höchste Ideale gelten. Nicht nur, aber auch deswegen brennt die Konkurrenz darauf, ihn, den Unschlagbaren, zu besiegen. Nach dem nunmehrigen Triumph scheint das freilich in weiter Ferne. Doch für die Olympischen Spiele 2014 stehen die Zeichen nicht auf aussichtslos. Zwar hat White der Gegnerschaft mit seinem neuesten Trick wieder etwas zu knabbern gegeben, doch im Slopestyle sieht die Sache ganz anders aus.
In Sotschi werden in dieser Disziplin erstmals Olympia-Medaillen vergeben, müßig zu erwähnen, dass Perfektionist Shaun White auch dort vorne dabei sein will. Es wird die nächste große Herausforderung seiner Karriere, vielleicht die größte. Bisher hat er noch alle gemeistert. Doch eine Bruchlandung der "Flying Tomato", wie er genannt wird, ist nicht auszuschließen. Denn nicht einmal ein Shaun White ist unfehlbar. Es gäbe wohl einige, die sich in diesem Fall die Hände reiben würden.