• Artikel vom 31.01.2012, 16:18 Uhr

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Update: 31.01.2012, 16:43 Uhr
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Rugby: Beim Six Nations geht es den Engländern auch um Wiedergutmachung - doch Zweifel bleiben

Die Kratzer am Image beseitigen


  • Englands einst so stolzes Rugby-Team sucht sich noch selbst.

Edinburgh.

Nichts zu holen gab es für Englands Rugby-Team (v. Toby Flood) bei der WM. Nun geht es um die Rehabilitierung.

Nichts zu holen gab es für Englands Rugby-Team (v. Toby Flood) bei der WM. Nun geht es um die Rehabilitierung.© EPA Nichts zu holen gab es für Englands Rugby-Team (v. Toby Flood) bei der WM. Nun geht es um die Rehabilitierung.© EPA

(art) Die WM war eine einzige Katastrophe gewesen. Englands Rugby-Team verlor nicht nur das Viertelfinale gegen Frankreich, sondern auch seinen guten Ruf. Stars von früher waren nur mehr Schatten ihrer selbst, Disziplinlosigkeiten an der Tagesordnung. "England", sollte später der seinerseits mit WM-Gold dekorierte neuseeländische Teamchef Graham Henry urteilen, "ist Weltmeister, wenn es darum geht, Talent zu verschleudern." Es war ein vernichtendes Attest für ein Land, das auf seine Rugby-Tradition mindestens ebenso viel hält wie auf den Nachmittagstee und stolz auf einen WM-Titel und drei Finalteilnahmen zurückblickt. Das am Wochenende beginnende Six Nations, das größte jährliche europäische Turnier zwischen England, Irland, Wales, Schottland, Italien und Frankreich, in dem die Engländer zudem Rekordsieger sind, würde sich da zur Rehabilitierung gut eignen - wären die Vorzeichen nicht so ungünstig.

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Denn Stuart Lancaster, der den Teamchefposten vom völlig entnervt zurückgetretenen Martin Johnson übernahm, fand bei seinem Amtsantritt im Dezember einen mittleren Scherbenhaufen vor. Namhafte Spieler mit integrativer Kraft wie Jonny Wilkinson, der die WM 2003 für England entschieden und dem man seither Heldenstatus verliehen hatte, und Kapitän Lewis Moody erklärten ihre internationale Karriere für beendet, im restlichen Team griffen die üblichen Selbstzerfleischungsmechanismen.

Erst die Arbeit an der Basis
Lancaster, dem ohnehin nur wenig Zeit bis zum Klassiker gegen Schottland am Samstag blieb, war noch mit den Aufräumarbeiten beschäftigt, da erreichten ihn auch schon die nächsten Hiobsbotschaften: Die Spieler Delon Armitage und Danny Care kamen mit dem Gesetz in Konflikt, der eine soll einen Mann in einer Bar tätlich angegriffen haben, der andere alkoholisiert Auto gefahren sein. Und weil das so gar nicht in Lancasters Plan passte, das Image nachhaltig zu verbessern, sah er sich gezwungen, die Spieler zu suspendieren. "Was mir die größte Genugtuung geben würde, wäre, wenn wir am Ende des Six Nations ein Team haben, in dem jeder jedem vertraut", sagt er zum "Guardian". "Auch die öffentliche Wahrnehmung ist wichtig. Ich will, dass die Leute wieder mit Stolz auf uns schauen können."

Die Suspendierungen Armitages und Cares sollen demnach Signalwirkung haben, eine ebensolche könnte man Lancasters Entscheidung, Chris Robshaw zum Kapitän zu ernennen, zubilligen. Auf der einen Seite ist der 25-Jährige, der erst ein offizielles Länderspiel bestritten hat, unerfahren - auf der anderen aber auch unbelastet und ein vielversprechender Spieler für die Zukunft. Doch seine Ernennung zum Kapitän hat einen entscheidenden Schönheitsfehler: Erste Wahl war er nicht, und wenn Tom Wood, den Lancaster ursprünglich für den Job vorgesehen hatte, von seiner Verletzung zurückkommt, könnte er Robshaw ganz schnell seinen neuen Status streitig machen und ihn sogar aus der Mannschaft drängen.

Es sind nicht gerade die besten Voraussetzungen für ein harmonisches Miteinander in der Zukunft, auf das der neue Teamchef so viel Wert legt. Dennoch hält er an seiner Vision, eine schlagkräftige Mannschaft aufzubauen, die um die WM 2015 mitspielen kann, fest - ohne Rücksicht auf mögliche Rückschläge und seine persönliche Situation. Lancaster weiß nur zu gut, dass er nur ein Teamchef auf Bewährung ist und ein neuerlicher Misserfolg ihn schnell zum Ex-Trainer machen könnte. "Es wäre der einfache Weg, würde ich gegen Schottland die erfahrensten Spieler aufstellen. Wenn wir dann gewinnen, wäre die Chance groß, dass die Leute denken, er ist der Richtige für den Job. Aber mir ist es wichtiger, dass ich ein Mannschaftsgefüge und die Rahmenbedingungen hinbekomme. Wenn das Fundament einmal passt, kommen die Ergebnisse irgendwann von alleine." Doch dass das Fundament schon solide genug ist, wird von vielen Kommentatoren derzeit noch angezweifelt. Am Samstag wird es der ersten Belastungsprobe standhalten müssen.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2012
Dokument erstellt am 2012-01-31 16:23:06
Letzte Änderung am 2012-01-31 16:43:52


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