New York/Indianapolis.

Das Spiel wird in knapp über 180 Länder weltweit live übertragen, entsprechend gigantisch die Umsätze im Großen wie im Kleinen, alle wollen sie mitnaschen an dem Spektakel, auch die Verkäufer von Spirituosen auf der wohlhabenden Upper East Side von Manhattan. Dort auch ein bisschen leidenschaftlicher als andernorts feiern angesichts der Paarung auch die NFL-Oberen ein Fest: Giants gegen Patriots, das ist halt doch New York gegen Boston, auch wenn die Rivalität dieser Städte im Baseball um vieles tiefer verwurzelt ist als im Football - die Yankees-T-Shirts mit dem Aufdruck "I support two teams. New York and whoever beats Boston", Schrift gewordener Ausdruck ewiger Feindschaft mit den Red Sox, gehören zum Stammrepertoire der Souvenirhändler des Big Apple. Da der im Osten beheimatete größte Medienmarkt des Landes mehr als genug zu berichten hat, machen die damit einhergehenden Werbedollars ein Vielfaches von dem aus, was, nur zum Beispiel, ein Finale Baltimore (Ravens) gegen San Francisco (49ers) eingebracht hätte, die den nunmehrigen Endspielteilnehmern im Halbfinale Unterlegenen.
Erinnerungen an 2008
Die sportlichen Rahmenbedingungen: Die Patriots gehen als Favorit ins Finale, die Giants als Außenseiter, beide fühlen sich dem Vernehmen nach in dieser Rolle wohl. Der traditionelle "Media Day", an dem sich alle wichtigen und weniger wichtigen Protagonisten der Presse stellten (diesmal erstmals auch für die Öffentlichkeit zugänglich, für 25 Dollar pro Ticket - eines fürs Spiel kommt schon leicht mal auf 3000) bot auch diesbezüglich keine Überraschungen, die kaum erhellenden Wortspenden fasste die "New York Times" unter der so wunderbaren wie schwer übersetzbaren Schlagzeile "Lunatic binge as circus comes to town" zusammen. Es ist freilich viel von Revanche die Rede, vor vier Jahren trafen die gleichen, aber nicht dieselben Teams im Stadion von Glendale, Arizona aufeinander, auch damals galten die Patriots als (haushohe) Favoriten, hatten sie im Vorfeld doch einen schier unglaublichen Rekord aufgestellt, in der Saison 2007/2008 hatten sie kein einziges Spiel verloren. Am Ende lautete das Superbowl-Ergebnis 17:14 zu ihren Ungunsten, die Giants, welche die Play-offs seinerzeit nur über eine Wild Card erreicht hatten, durften sich Weltmeister nennen.
Während sich der damals sicht- wie hörbar superangefressene Patriots-Headcoach Bill Belichick im Anschluss daran machte, sein Team systematisch umzukrempeln - mit Ausnahme des ewigen Dreh- und Angelpunkts Tom Brady, der als Quarterback eine der wenigen Konstanten ist - blieb Giants-Chef Tom Coughlin jenen Schlüsselspielern, die im Laufe der darauffolgenden vier Jahre nicht von sich aus zurücktraten oder woandershin wechselten, zum überwiegenden Teil treu. Ausnahmen wie Victor Cruz, der in dieser Saison praktisch aus dem Nichts zum Shootingstar aufstieg (der Sohn einer puerto-ricanischen und afroamerikanischen Familie aus New Jersey war beim traditionellen NFL-Draft, bei dem die Teams die besten College-Spieler auswählen, durchgefallen und wurde erst im Nachhinein von den Giants angeheuert) bestätigen nur die Regel.
Ansonsten werden auch in diesem Jahr in halb Amerika die Wasserreservoire wieder bedrohliche Niedrigstände verzeichnen, dank Millionen Fernsehzuschauern, die während der Werbepausen gleichzeitig die Toilette aufsuchen. Irgendwo müssen die konsumierten Getränke ja wieder raus.