Wiener Neustadt. Mit dem Begriff "Handtuchhalter" kann Clemens Trimmel relativ wenig anfangen. Zum Badezimmerinventar gehört das zweifellos dazu, als Teil seiner Job Description sieht er das aber nicht. Dabei ist der Wiener seit 1. Jänner offiziell nicht nur als Sportdirektor für alle sportlichen Belange des österreichischen Tennis zuständig, sondern auch Daviscup-Kapitän. Und obwohl dieses Amt eine gewisse Außenwirkung mit sich bringt, wird es bisweilen spitzzüngig beschränkt auf: Spieler für zwei Wochenenden im Jahr nominieren und dann eben "Handtuch halten, Goschn halten".
Trimmel ist bewusst, dass es diese Meinung gibt, das stört ihn aber nicht. "Andere bewerten den Daviscup-Kapitän über", sagt er. "Ich sehe es eher so in der Mitte. Es ist nicht meine Aufgabe, einen Spieler technisch weiterzubringen, sehr wohl hat es aber neben dem Coaching viel mit Kommunikation und Organisation zu tun. Man muss den Spielern einiges vom Rundherum abnehmen, ihnen Druck nehmen und die Rahmenbedingungen schaffen, in denen jeder seine beste Leistung abrufen kann."
Klingt in der Theorie leicht, ob es diesmal gelungen ist, wird sich aber erst ab Freitag weisen. Dann treffen Jürgen Melzer und Co. in der Wiener Neustädter Arena Nova in der ersten Runde der Weltgruppe auf Russland, das nicht unambitionierte Ziel ist der erste Viertelfinaleinzug seit 1995.
Es war die Hoch-Zeit von Thomas Muster und Co., Trimmel gerade 17 Jahre alt und selbst im Schatten der österreichischen Allzeitgröße eines der hoffnungsvollsten Talente des Landes. Doch während andere - wie Stefan Koubek und später Jürgen Melzer - sich kontinuierlich nach oben arbeiteten und bis vor kurzem beziehungsweise noch immer zu den Leistungsträgern gehör(t)en, geriet seine aktive Karriere ins Stocken.
Nach einem zwischenzeitlichen Vorstoß auf Platz 147 der Welt und zahlreichen Verletzungen erklärte er sie 2004 für beendet. Er absolvierte ein Wirtschaftsstudium und arbeitete beim Internetwettanbieter Bwin.
Melzer eröffnet Partie
Dass er dadurch einen anderen Hintergrund als die vorangegangenen Daviscup-Kapitäne hat, mag ein Mitgrund für seine Bestellung gewesen sein, doch die Distanz zum Tennis-Zirkus merkt man ihm nicht an. In seinem rot-weiß-roten Trainingsanzug und mit seinem jugendlichen Elan könnte man ihn glatt mit einem der Aktiven verwechseln. Dass er mit 33 auch kaum älter ist als die aktuelle Daviscup-Generation, sorge aber für keinerlei Irritationen, wie alle beteuern. Die Spieler haben sich vor seiner Ernennung für ihn ausgesprochen, "der gegenseitige Respekt ist sehr groß", sagt Trimmel, der im Training schon einmal lauter wird. "Ich finde, es ist wichtig, auch Emotionen auf dem Platz reinzubringen."