Wiener Neustadt.

"Jetzt haben wir endlich das Viertelfinale, auf das wir schon so lange gewartet haben. Es war meine beste Leistung seit Langem", sollte Melzer nachher sagen - und damit nicht nur den spielerischen, sondern auch den körperlichen und mentalen Aspekt meinen. Nach den Rückenproblemen, die ihm im Vorjahr einige Rückschläge beigebracht haben, sei nun das Vertrauen in den eigenen Körper wieder da. Zudem war der Druck, der nach dem verlorenen Doppel am Samstag auf der heimischen Nummer eins lastete, schon sehr groß, "aber ich habe ihm standgehalten", betonte Melzer.
Das war freilich nicht immer so, weswegen man wohl auch in der allgemeinen Jubelstimmung nicht den Realitätssinn verlieren darf. Noch immer ist Österreichs Tennis, wenngleich es im Doppel mehrere starke Optionen gibt und Haider-Maurer an einem (außergewöhnlich) guten Tag jedem Spieler gefährlich werden kann, vor allem von der Tagesverfassung seines Topspielers abhängig. Und das wird sich auch in Zukunft nicht so schnell ändern. "Ich habe immer gesagt, dass bei uns alles passen muss", sagte Melzer. "Wir haben schon oft die Chance gehabt, aber da haben dann halt immer Kleinigkeiten gefehlt."
Gegen Spanien Außenseiter
Ein Problem ist weiterhin vor allem die mangelnde Dichte; im Einzel gibt es zu den aktuellen Daviscuppern kaum eine Alternative, auch wenn Martin Fischer, aktuell 199. der Weltrangliste, schon einmal, 2010 im Play-off gegen Israel, ein entscheidendes Einzel gewonnen hat. Die großen Tennis-Nationen kennen derlei Schwierigkeiten nur vom Hörensagen. Spanien etwa, am Osterwochenende auswärts Viertelfinal-Gegner der Österreicher, gab gegen Kasachstan in Rafael Nadal und David Ferrer seine zwei besten Spieler vor und gewann dennoch 5:0. Dass die beiden auch gegen Melzer und Co. fehlen werden, ist für diese zwar selbstredend kein Nachteil, "aber wir sind noch immer krasser Außenseiter", betont Trimmel. Immerhin stehen bei den Spaniern, die auf Sandplatz sowieso eine Macht sind, abgesehen von Nadal und Ferrer noch elf weitere Spieler unter den Top 100 der Welt.
Lieber als über den kommenden Gegner wollte Trimmel aber über die Russland-Partie sprechen, über die er wenig überraschend eine positive Bilanz zog. Er lobte Teamgeist und Aktivität ("Wir haben gesagt, wir müssen entscheiden, was passiert. Das haben wir umgesetzt"), sprach von einem "historischen Tag" für Österreichs Tennis, das nun "in einer Weltsportart unter den acht besten Nationen ist", woran etwa Deutschland und die Schweiz trotz Roger Federer gescheitert sind, und generell "nicht so schlecht dasteht", wie oftmals gesagt werde.
Doch er verschwieg auch die negativen Aspekte nicht. Dass die ohnehin mit einer Kapazität von knapp 4000 Zuschauern nicht gerade überdimensionierte Arena Nova zwar gut und stimmungsvoll gefüllt, aber vor allem am Samstag alles andere als ausverkauft war, störte ihn ein wenig. Hier müsse man ansetzen, selbstbewusster auftreten und mehr Werbung in eigener Sache betreiben. "Vielleicht verkaufen wir uns zu schlecht", meinte Trimmel.
Gemeinsam mit dem designierten Präsidenten Ronnie Leitgeb, in Sachen PR und Netzwerken ein Meister seines Fachs, soll es in Zukunft gelingen, das Interesse weiter und nachhaltig zu heben. Erfolge wie jener gegen Russland sind dafür freilich nicht die schlechteste Werbung. Voraussetzen kann man sie allerdings auch in Zukunft nicht. Auch wenn dies im Wiener Neustädter Fahnenmeer ein bisschen unterging.