Memphis.

"Wenn mir jemand vor einer Woche gesagt hätte, dass ich hier gewinne, hätte ich ihn für einen Deppen gehalten", meinte Melzer angesichts dieses Missgeschicks zur APA, kurz nachdem der den Aufschlag-Giganten aus Kanada, der heuer schon zwei Turniere gewonnen hat, neutralisiert und selbst mit einem starken Service und soliden Grundschlägen den Grundstein zum Sieg gelegt hatte. Der Schmerz sei im Endeffekt nur in Extremsituationen schlimm gewesen, und das vergangene Jahr, in dem Melzer auch wegen Rückenproblemen auch in der Weltrangliste erheblich zurückgefallen ist, ist nun endgültig abgehakt. Dementsprechend galt ein Sonderdank des Niederösterreichers auch seinem Physiotherapeuten Jan Velthuis, der ihn in der kurzen Winterpause wieder auf die Beine gebracht hatte.
Selbstvertrauen holte sich heuer vor allem mit der Viertelfinal-Teilnahme in Zagreb, wo er sich durch die Qualifikation durchgekämpft hatte, und dem Erfolg im Daviscup über Russland. Nun schlug sich der Aufwärtstrend auch in Amerika in einem zählbaren Resultat und einem Vorstoß in der Weltrangliste von Platz 38 auf Rang 19 wieder. Nach seinem Auftritt in Delray Beach diese Woche, wo er sich wegen der Anreise und der kurzfristigen Umstellung ins Freie noch nicht allzu viel erwartet, wird er bei den darauf folgenden Masters-Turnieren in Indian Wells und Miami wieder gesetzt sein. "Das war mein Ziel, als ich hergekommen bin", sagte Melzer.
Anknüpfen an 2010
Dass es nun aber schon so gut lief, war für ihn selbst ein wenig überraschend - zumal das Missgeschick mit der Zehe dazukam und die ersten Partien noch nicht ideal verlaufen sind. "Aber dann hab ich mich ins Turnier reingekämpft und nachher wirklich gut gespielt", meinte er. Der Knackpunkt sei der Sieg gegen den topgesetzten John Isner im Viertelfinale gewesen ("Das war eine meiner besten Partien"), danach bezwang er auch noch den routinierten Tschechen Radek Stepanek. "Ich freue mich, wieder auf diesem Level Leute zu schlagen. Es ist schön, mit Selbstvertrauen zu spielen, in engen Situationen an die Linien zu gehen und zu diktieren, was passiert", sagte er.
Mit dieser Form ist Melzer jedenfalls ein Anknüpfen an seine bisher beste Saison 2010, als er bei den French Open ins Halbfinale vorstieß, Siege über Rafael Nadal, Novak Djokovic und Roger Federer feierte, seinen zweiten Wien-Titel holte und in der Weltrangliste kurzzeitig auf Position acht zu finden war, durchaus zuzutrauen. Denn viele Punkte zu verteidigen hat er nicht, und bei den großen Turnieren dürfte er nun wieder gesetzt sein. "Das ist das Wichtigste", erklärte er.