Wien. Vom 16. Juli 2011 wird man sich in der heimischen American-Football-Szene noch lange erzählen. Es war jener Tag, an dem 20.000 Zuschauer ins Wiener Happel-Stadion gekommen sind, um dem WM-Finale beizuwohnen und den Sieg der USA über Kanada zu sehen. Es war jener Tag, der, geht es nach den Protagonisten, Football in Österreich nachhaltig verändert haben soll. Ab Samstag, wenn die Saison in der Austrian Football League AFL beginnt, steht der Sport wieder auf dem Prüfstand, erst dann und in den kommenden Monaten wird sich herausstellen, ob die in die Heim-WM gesetzten Erwartungen sich auch erfüllt und noch mehr Menschen den Zugang zu dem hier teilweise noch immer als exotisch geltenden Sport gefunden haben.

Verbandspräsident Michael Eschlböcks Erwartungshaltung diesbezüglich schwankt zwischen optimistisch und euphorisch. Es gebe nun ein "Mehr an Aufmerksamkeit", einen "Aufwärtstrend" und auch bei ausgewiesenen Nicht-Experten "mehr Verständnis" für den Sport. Die Try-Outs haben das bestätigt, Tausende Kinder und Jugendliche meldeten sich in der Saisonpause bei den diversen Klubs zum Schnuppern, außerdem entstanden bundesweit neue Vereine. Einen Schritt nach vorne soll es auch in der AFL geben, aus der zwar zwei Teams abgestiegen sind, zu der nun aber die Rangers Wiener Neudorf gestoßen sind. Insgesamt erwartet Eschlböck dadurch eine größere Dichte an der Spitze.
Im europäischen Amateur-Football-Vergleich ist die österreichische Liga ohnehin einsame Klasse, gleich drei der sechs AFL-Teams sind unter den Top Vier Europas zu finden, die European Football League ist so etwas wie eine erweiterte rot-weiß-rote Meisterschaft.
Und dennoch darfs immer noch ein bisserl mehr sein. Um noch größere Aufmerksamkeit buhlen die Top-Vereine, indem sie heuer Spiele in größeren Stadien austragen. Die Raiffeisen Vikings, die am Sonntag zum Auftakt-Spitzenspiel die Graz Giants zu Gast haben, bestreiten das Europacup-Viertelfinale sowie das Derby gegen die Dragons im Mai in der Generali-Arena, die Grazer weichen für zwei Partien in die UPC-Arena aus.
Vikings wollen Titel
"So sehr wir die Hohe Warte lieben, aber sie ist in gewisser Hinsicht auch eine Sackgasse", sagt Vikings-Präsident Karl Wurm. "Die großen Stadien ziehen die Massen an. Wir wollen die Generali-Arena an diesen beiden Spieltagen mit je 11.000 Zuschauern voll bringen."
Nicht nur von der Öffentlichkeitswirksamkeit, auch vom Sportlichen hat sich sein Verein viel vorgenommen. Der Aufbauplan seit 2009, als man als erste Mannschaft Österreichs damit begann, auf heimische Quarterbacks zu setzen, soll heuer mit zumindest einem Titel, entweder in der Austrian oder der Eurobowl, gekrönt werden. Es ließe sich gut als weiterer Schritt nach vorne verkaufen.