Lexington/New Orleans.

Dabei hat das, was sich jährlich zwischen Mitte März und Anfang April im US-Sport abspielt und für dieses Jahr mit dem Finale am Montag seinen Höhepunkt erlebte, mit "kontrolliert" schon lange nichts mehr zu tun, die Amerikaner nennen es die "March Madness". Und diese grassiert bei weitem nicht nur auf den Universitätsgeländen, auch wenn sie dort ihren Ursprung hat.
Wenn die besten Collegeteams des Landes um den Titel rittern, ist von Präsident Barack Obama über die Talentespäher der Profiliga NBA abwärts jeder dabei, ob live im Stadion oder vor den TV-Geräten. Seit heuer wurden die Spiele landesweit im Fernsehen sowie live im Internet übertragen, die Entscheidung sahen rund 20 Millionen Menschen, das Stadion war mit mehr als 70.000 Zuschauern voll. Dass sich nicht einmal die NBA-Spiele einer derartigen Popularität erfreuen, liegt daran, dass sich der College-Basketballsport trefflich als erfrischender und unverdorben von der Macht- und Geldgier im Profibereich bewerben lässt.
Hohe Studienabbruchsrate
Mit der Realität hat diese romantische Vorstellung vom Ideal einer Jugend, die dem Sport aus Lust an der Freud frönt und diesen als Ausgleich zum stressigen Studentenalltag und als Lebensschule sieht, jedoch nicht mehr allzu viel gemein. Die Spieler, die es - dank großzügiger Stipendien - hierher geschafft haben, lassen eine berufliche Ausbildung schon einmal berufliche Ausbildung sein, wenn eine Profikarriere winkt, und für die Universitäten ist der Collegesport sowieso längst zur einnahmenträchtigen Prestigesache geworden. Laut dem Magazin "Newsweek" wurden im Vorjahr 12,2 Milliarden Dollar umgesetzt, alleine ein 14 Jahre lang laufender TV-Vertrag garantiert der NCAA insgesamt 770 Millionen Dollar. Um da auf dem Parkett der besten Teams dabei zu sein, können schon einmal pädagogische Werte hintangestellt werden. Um mit dieser Doppelmoral zu brechen, wird in den USA diskutiert, ob man den Amateurstatus nicht aufgeben und die Spieler stattdessen künftig als Angestellte der Universität führen sollte.
Vielleicht würde das auch einen allzu raschen Abgang manch hoffnungsvollen Talents zu einem Profiteam verhindern. Denn die Drop-Out-Rate bei den Studenten, die in erfolgreichen Sportprogrammen untergebracht sind, ist für viele Beobachter alarmierend. Der 19-jährige Anthony Davis, der am Montag zum herausragenden Spieler gekürt wurde, hat es schon in seinem ersten CollegeJahr zum umjubelten Star geschafft und Begehrlichkeiten in der NBA geweckt. Wenngleich er noch keine Entscheidung über seine Zukunft getroffen hat, ist anzunehmen, dass er wie einige andere seiner siegreichen Teamkollegen auch seinen Abschluss nicht machen wird. Dass er dann in der NBA tatsächlich Fuß fassen und mit dem Sport langfristig Geld verdienen wird, ist damit aber noch nicht gesagt. Aber das kann man im Chaos der March Madness schnell einmal vergessen.